
Der deutsche Baustoffkonzern Heidelberg Materials will seine Marktposition in Nordeuropa deutlich stärken. Das Unternehmen hat mit dem schwedischen Baukonzern NCC eine Vereinbarung zur Übernahme umfangreicher Geschäftsaktivitäten in Schweden und Norwegen geschlossen. Der Deal umfasst insgesamt 150 Standorte und Produktionsanlagen. Der Unternehmenswert liegt bei rund 5,5 Milliarden schwedischen Kronen. Abgeschlossen ist das Geschäft allerdings noch nicht.
Im Mittelpunkt der Vereinbarung stehen die schwedischen und norwegischen Aktivitäten der NCC-Industriesparte. Dazu gehören 106 Standorte für Zuschlagstoffe sowie 44 Heißasphaltwerke. Die Betriebe liefern Materialien, die insbesondere beim Straßenbau, bei Infrastrukturprojekten und in der Bauwirtschaft benötigt werden.
Für Heidelberg Materials bedeutet der geplante Zukauf eine erhebliche Erweiterung des bisherigen Geschäfts. Der Konzern ist in Schweden und Norwegen bereits mit Zement, Zuschlagstoffen, Transportbeton und Betonfertigteilen vertreten. Mit den NCC-Aktivitäten würde er zusätzlich in den regionalen Asphaltmarkt einsteigen und seine Kapazitäten zur Gewinnung und Verarbeitung von Gesteinsmaterialien ausbauen.
Heidelberg Materials verbindet die Investition mit der Erwartung einer steigenden Nachfrage nach Infrastrukturprojekten in beiden Ländern. Durch die Übernahme könnte das Unternehmen künftig mehr Baustoffe aus einer Hand anbieten.
Der vereinbarte Unternehmenswert der von Heidelberg Materials übernommenen Geschäfte beträgt rund 5,5 Milliarden schwedische Kronen. Dabei handelt es sich um eine Bewertung auf schuldenfreier und liquiditätsbereinigter Basis. Der endgültig zu zahlende Kaufpreis muss damit nicht identisch sein.
Der Verkauf ist Teil einer umfassenderen Neuordnung des schwedischen Baukonzerns NCC. Dieser trennt sich von seiner gesamten Industriesparte, die neben den Aktivitäten in Schweden und Norwegen auch Geschäfte in Dänemark und Finnland umfasst.
Während Heidelberg Materials die schwedischen und norwegischen Betriebe übernehmen soll, gehen die Aktivitäten in Dänemark und Finnland an den internationalen Baustoffkonzern CRH.
Für die gesamte Transaktion nennt NCC einen Unternehmenswert von 8,2 Milliarden schwedischen Kronen. Der schwedische Konzern erwartet daraus einen positiven Mittelzufluss von rund sieben Milliarden Kronen.
Hinter dem Verkauf steht eine strategische Neuausrichtung bei NCC. Das Unternehmen hatte seine Industriesparte bereits 2025 einer Überprüfung unterzogen und Anfang 2026 beschlossen, sie vom übrigen Konzern zu trennen.
Die betroffenen Geschäftsmodelle unterscheiden sich deutlich: Während die Industrieaktivitäten auf die kontinuierliche Produktion von Baustoffen in festen Anlagen ausgerichtet sind, konzentriert sich das übrige Baugeschäft stärker auf einzelne Bau- und Infrastrukturprojekte.
Die gesamte Industriesparte erzielte 2025 einen Umsatz von 12,6 Milliarden schwedischen Kronen und einen operativen Gewinn von 879 Millionen Kronen. Diese Zahlen beziehen sich auf alle vier nordischen Länder und nicht allein auf die Aktivitäten, die Heidelberg Materials übernehmen möchte.
Mit dem Verkauf will NCC Kapital freisetzen und sich künftig stärker auf das klassische Bau- und Projektgeschäft konzentrieren.
Bis Heidelberg Materials die vereinbarten Geschäfte tatsächlich übernehmen kann, müssen die zuständigen Wettbewerbs- und Aufsichtsbehörden noch zustimmen. Die entsprechenden Genehmigungen sind Voraussetzung für den Vollzug.
NCC rechnet mit einem Abschluss der Transaktion im zweiten Halbjahr 2027. Bis dahin bleiben die betroffenen Betriebe Bestandteil des schwedischen Konzerns.
Für Heidelberg Materials wäre der Kauf ein weiterer Schritt beim Ausbau seines internationalen Baustoffgeschäfts. Besonders die Verbindung bestehender Zement- und Betonsparte mit der Asphaltproduktion könnte die Stellung des Unternehmens bei großen Infrastrukturvorhaben in Schweden und Norwegen stärken.
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