
Die Heizölpreise in Deutschland liegen zum Beginn der Heizperiode auf dem höchsten Niveau seit der Energiekrise 2022. Am Freitag, 30. Oktober 2026, kosteten 100 Liter Heizöl laut dem Vergleichsportal HeizOel24 im bundesweiten Durchschnitt 172,10 Euro. Grundlage ist eine Bestellung von 3.000 Litern Standardheizöl einschließlich Lieferung und Mehrwertsteuer. Eine entsprechende Tankfüllung kostet damit rechnerisch 5.163 Euro. Das Vergleichsportal esyoil meldete am Freitag um 4.35 Uhr einen bundesweiten Durchschnittspreis von 171,35 Euro je 100 Liter.
Wie stark Heizöl teurer geworden ist, verdeutlichen die Wochenstatistiken der Europäischen Kommission. Für die Woche ab dem 26. Oktober 2026 lag der deutsche Durchschnittspreis bei 175,01 Euro je 100 Liter einschließlich Steuern. In der entsprechenden Vorjahreswoche ab dem 27. Oktober 2025 waren es 90,84 Euro. Das entspricht einem Anstieg um 92,7 Prozent. Die EU-Zahlen sind statistische Wochenwerte und keine konkreten Händlerangebote.
Trotz des hohen Preisniveaus ist der bisherige Höchststand von 2026 nicht erreicht. Nach der Statistik von HeizOel24 kosteten 100 Liter am 16. September durchschnittlich 179,02 Euro. Während der Energiekrise 2022 registrierte das Portal am 9. März einen Spitzenpreis von 214,60 Euro. In den Jahren 2023 bis 2025 lagen die jeweiligen Jahreshöchststände deutlich unter dem aktuellen Niveau.
Als wesentlicher Grund für den Preisanstieg gelten die Folgen des Iran-Krieges. Einschränkungen und Risiken für den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus belasten seit Monaten den internationalen Ölmarkt. Die Meerenge ist eine wichtige Transportverbindung für Rohöl aus dem Persischen Golf. Versorgungsrisiken wirken sich deshalb auch auf die Preise in Europa aus.
Neben Rohöl spielt Gasöl eine zentrale Rolle. Das Ölprodukt wird an internationalen Börsen gehandelt und steht in engem Zusammenhang mit der Herstellung von Heizöl und Diesel. Knappheiten auf diesem Markt können Heizöl auch dann verteuern, wenn die Rohölnotierungen zeitweise nachgeben.
Am Donnerstag, 29. Oktober, kostete die Rohölsorte Brent nach Angaben von HeizOel24 am Vormittag rund 114 US-Dollar je Barrel. Die Gasölnotierungen gingen gegenüber dem Vortag zurück. In Deutschland wurden daraufhin ebenfalls leichte Preisrückgänge beim Heizöl registriert. Eine dauerhafte Entspannung lässt sich daraus nicht ableiten.
Zusätzlich beeinflusst der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar die Beschaffungskosten. Da Rohöl international überwiegend in Dollar gehandelt wird, kann ein schwächerer Euro die Einfuhr verteuern. Auch Raffineriekosten, Transportbedingungen und die regionale Nachfrage wirken sich auf die Endkundenpreise aus.
Neben den internationalen Marktpreisen beeinflussen staatliche Abgaben den Heizölpreis. Dazu gehört die CO₂-Bepreisung. Während 2025 ein fester Preis von 55 Euro je Tonne Kohlendioxid galt, liegt der gesetzliche Preiskorridor 2026 zwischen 55 und 65 Euro.
Nach Berechnungen des Bundesumweltministeriums bedeutet die Veränderung gegenüber 2025 für Heizöl einen möglichen Aufschlag von bis zu 3,2 Cent je Liter einschließlich Mehrwertsteuer. Der CO₂-Preis trägt damit zu den Kosten bei, erklärt aber nicht den erheblichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Ausschlaggebend sind vor allem die Veränderungen am internationalen Ölmarkt.
Für Haushalte mit Ölheizung stellt sich angesichts des hohen Preisniveaus die Frage nach dem geeigneten Kaufzeitpunkt. Die Energiemarktexpertin Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfahl Anfang Oktober, nur so viel Heizöl zu bestellen, wie für die Versorgung über den Winter benötigt werde.
Von einer vollständigen Tankfüllung bei den hohen Preisen riet sie ab. Gleichzeitig seien sehr kleine Bestellmengen häufig teurer, weil der Literpreis bei geringerer Abnahme steige. Auch ein nahezu leerer Tank könne zusätzliche Kosten verursachen, wenn kurzfristig eine Lieferung benötigt werde. Wer beim Liefertermin flexibel sei, könne entsprechende Aufschläge eher vermeiden.
Das gemeinnützige Verbraucherportal Finanztip empfiehlt außerdem, die Angebote mehrerer Heizölhändler zu vergleichen. Nach eigenen Untersuchungen können die Preisunterschiede bei größeren Bestellmengen mehrere Hundert Euro erreichen. Auch Lieferfrist und Zahlungsweise beeinflussen den endgültigen Rechnungsbetrag.
Ob sich eine Bestellung kurzfristig lohnt oder weiteres Abwarten günstiger wird, hängt von der Entwicklung der internationalen Ölmärkte und vom individuellen Heizölvorrat ab. Eine verlässliche Vorhersage des günstigsten Kaufzeitpunkts ist nicht möglich.
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