Helaba senkt Gewinnprognose erneut: Büroimmobilien belasten die Landesbank

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) muss ihre Gewinnerwartungen für 2026 zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate reduzieren. Statt der zuletzt erwarteten 500 Millionen Euro rechnet das Frankfurter Institut nur noch mit einem Vorsteuerergebnis von rund 400 Millionen Euro. Das bestätigte die Bank am Mittwoch, 28. Oktober 2026. Hauptursache sind zusätzliche Belastungen im Immobiliengeschäft. Gleichzeitig kündigt die Helaba eine umfassende Überprüfung ihrer Immobilienfinanzierungen an.

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Gewinnprognose bereits zum zweiten Mal gesenkt

Die erneute Korrektur verdeutlicht, wie stark die anhaltende Schwäche am Gewerbeimmobilienmarkt die Geschäftsentwicklung beeinflusst. Noch im März hatte die Helaba für 2026 einen Vorsteuergewinn zwischen 600 und 700 Millionen Euro angekündigt. Ende August reduzierte sie diese Erwartung auf rund 500 Millionen Euro.

Nun fällt das Gewinnziel nochmals um 100 Millionen Euro niedriger aus. Gegenüber der ursprünglichen Prognose vom Frühjahr beträgt die Kürzung damit mindestens 200 Millionen Euro.

Die Entscheidung folgte auf eine erneute Bewertung der Belastungen aus Immobilienkrediten und Projektentwicklungen. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden reicht die stabile Entwicklung anderer Geschäftsbereiche nicht aus, um die zusätzlich erforderliche Risikovorsorge auszugleichen.

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Büroimmobilien bleiben das größte Problem

Besonders schwierig entwickelt sich weiterhin der Markt für Bürogebäude. Die Nachfrage nach Büroflächen steht in zahlreichen Städten unter Druck. Ein wesentlicher Faktor ist die stärkere Verbreitung von Homeoffice, durch die Unternehmen ihren Flächenbedarf teilweise reduzieren.

Hinzu kommen gestiegene Finanzierungskosten. Sie erschweren die wirtschaftliche Umsetzung neuer Projekte und können bestehende Immobilienfinanzierungen belasten. Gleichzeitig führen veränderte Marktbedingungen dazu, dass Immobilienbewertungen angepasst werden müssen.

Der Vorstandsvorsitzende der Helaba erklärte am Dienstagabend bei einer Veranstaltung des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten, dass die Bank die Situation bei Büroimmobilien inzwischen wesentlich skeptischer beurteile als noch vor einigen Monaten.

Die Schwierigkeiten betreffen nicht ausschließlich Deutschland. Die Helaba ist auch auf internationalen Immobilienmärkten tätig und damit Entwicklungen außerhalb ihres Heimatmarktes ausgesetzt.

Immobilienfinanzierung wird neu ausgerichtet

Als Konsequenz bereitet die Landesbank eine Neuausrichtung ihres gewerblichen Immobiliengeschäfts vor. Dabei untersucht das Institut, in welchen Regionen und Teilmärkten es künftig weiterhin umfangreich Finanzierungen anbieten will.

Das für Immobilien zuständige Vorstandsmitglied erklärte, die Abhängigkeit vom Immobiliensektor solle weiter deutlich reduziert werden.

Bei einem Gespräch mit Wirtschaftsjournalisten stellte der Vorstand außerdem eine Verkleinerung des Immobilienportfolios auf deutlich unter 30 Milliarden Euro in Aussicht. Zuletzt lag dessen Volumen bei gut 32 Milliarden Euro.

Welche Regionen von möglichen Einschränkungen betroffen sein könnten, wurde nicht abschließend konkretisiert. Ein vollständiger Rückzug aus dem US-amerikanischen Markt gehört nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden jedoch nicht zu den Planungen.

Zugleich betont die Helaba, dass Immobilienfinanzierungen weiterhin ein wichtiger Bestandteil ihres Geschäftsmodells bleiben sollen. Eine vollständige Aufgabe dieses Geschäftsbereichs ist damit nicht angekündigt.

Bereits im ersten Halbjahr deutlicher Gewinneinbruch

Die Probleme waren schon bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen Ende August sichtbar geworden. In den ersten sechs Monaten 2026 erzielte die Helaba konzernweit einen Vorsteuergewinn von 194 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 458 Millionen Euro gewesen.

Auch der Konzernüberschuss nach Steuern ging deutlich zurück, von 342 auf 148 Millionen Euro.

Besonders stark betroffen war das Immobiliensegment. Dort entstand im ersten Halbjahr ein Vorsteuerverlust von 26 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte dieser Geschäftsbereich noch einen Gewinn von 106 Millionen Euro erzielt.

Die Risikovorsorge im Immobiliensegment erhöhte sich innerhalb eines Jahres von 26 auf 113 Millionen Euro. Auf Konzernebene stieg die Nettozuführung zur Risikovorsorge von 129 auf 198 Millionen Euro.

Die höheren Rückstellungen verdeutlichen die zunehmenden Kreditrisiken in Teilen des Immobilienportfolios. Auch die Ende Oktober beschlossene Prognosesenkung begründet die Bank mit zusätzlichen Belastungen dieser Art.

Andere Geschäftsbereiche entwickeln sich stabiler

Die Schwierigkeiten im Immobiliengeschäft erfassen nicht alle Unternehmensbereiche gleichermaßen. Bereits im ersten Halbjahr entwickelten sich einige Geschäftsfelder deutlich günstiger.

So stieg das Ergebnis vor Steuern im Segment Retail & Asset Management von 194 auf 209 Millionen Euro. Auch das Provisionsgeschäft legte zu. Der Provisionsüberschuss des gesamten Konzerns erhöhte sich um zehn Prozent auf 319 Millionen Euro.

Der Zinsüberschuss ging dagegen um 6,4 Prozent auf 770 Millionen Euro zurück. Das gesamte mittel- und langfristige Neugeschäft wuchs um 20,4 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro.

Die Zahlen verdeutlichen, dass die Helaba trotz der Immobilienprobleme weiterhin Geschäftswachstum in anderen Bereichen verzeichnet. Dieses Wachstum reicht allerdings bislang nicht aus, um die zusätzlichen finanziellen Belastungen vollständig auszugleichen.

Landesbank will Kosten stärker begrenzen

Neben der Überprüfung des Immobiliengeschäfts plant die Helaba weitere Einsparungen. Nach Angaben des Vorstands soll der Kostenanstieg künftig unterhalb der Inflationsrate bleiben.

Bereits im ersten Halbjahr waren die Verwaltungsaufwendungen um 6,6 Prozent auf 975 Millionen Euro gestiegen. Verantwortlich waren unter anderem Investitionen in Wachstumsprojekte sowie höhere Personal- und Sachkosten.

Eine Neuaufstellung läuft zudem bei der Immobilientochter OFB Projektentwicklung, die sich insbesondere mit gewerblichen Bauprojekten beschäftigt. Schon bei der Halbjahresbilanz hatte die Helaba Belastungen durch die Umstrukturierung dieser Tochtergesellschaft ausgewiesen.

Der Vorstand beabsichtigt, die Kostenentwicklung stärker zu kontrollieren und gleichzeitig ausgewählte Wachstumsinitiativen fortzuführen.

Kapitalausstattung trotz Gewinnrückgang solide

Der deutliche Ergebnisrückgang bedeutet nicht automatisch, dass die Eigenkapitalausstattung der Landesbank in vergleichbarem Umfang geschwächt ist.

Zum Ende des ersten Halbjahres lag die harte Kernkapitalquote bei 15,8 Prozent. Nach Angaben der Helaba befand sie sich damit weiterhin deutlich oberhalb der regulatorischen Mindestanforderungen.

Auch die konzernweite Quote notleidender Kredite hatte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 3,1 auf 2,6 Prozent verbessert. Diese Kennzahl bezieht sich allerdings auf das gesamte Kreditgeschäft und bildet die besonderen Schwierigkeiten einzelner Immobilienfinanzierungen nicht gesondert ab.

Die Bilanzsumme des Konzerns belief sich zur Jahresmitte auf 205 Milliarden Euro. Ende 2025 hatte sie bei 201,8 Milliarden Euro gelegen.

Milliardenziel bleibt trotz Rückschlägen bestehen

Trotz der erneuten Gewinnkorrektur hält die Helaba an ihrem mittelfristigen Ergebnisziel fest. Innerhalb der kommenden fünf Jahre will die Landesbank einen jährlichen Vorsteuergewinn von einer Milliarde Euro erreichen.

Dazu sollen insbesondere das Wachstum anderer Geschäftsbereiche, die Entwicklung der Tochtergesellschaften und die geplanten Kostensenkungen beitragen.

Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Helaba noch einen Vorsteuergewinn von 731 Millionen Euro. Damit lag das damalige Ergebnis nur leicht unter dem Vorjahreswert von 767 Millionen Euro.

Die neue Prognose für 2026 liegt somit deutlich unter dem Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres.

Führungswechsel im Oktober 2027 vorgesehen

Parallel zu den wirtschaftlichen Herausforderungen steht bei der Helaba ein Wechsel an der Führungsspitze bevor. Anfang Oktober teilte die Landesbank mit, dass ihr Vorstandsvorsitzender mit Ablauf seines Vertrags im Oktober 2027 in den Ruhestand gehen werde.

Der Verwaltungsrat hat den Nachfolgeprozess bereits eingeleitet. Nach Angaben der Bank erfolgt der geplante Abschied auf eigenen Wunsch.

Die Landesbank Hessen-Thüringen gehört mehrheitlich zum Sparkassensektor. Weitere Anteile halten die Länder Hessen und Thüringen. Neben ihrer Tätigkeit als Geschäftsbank übernimmt sie wichtige Funktionen für Sparkassen und ist unter anderem in der Unternehmensfinanzierung, im Zahlungsverkehr und im Fördergeschäft aktiv.

Mit der erneuten Gewinnprognose und der geplanten Reduzierung des Immobilienportfolios stehen nun zwei zentrale Veränderungen fest. Wie umfangreich die Neuausrichtung in einzelnen Ländern und Immobilienmärkten ausfallen wird, ist bislang nicht abschließend konkretisiert.

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