HelloFresh-Aktie fällt auf Rekordtief nach neuer Prognosesenkung

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die HelloFresh-Aktie ist nach einer erneuten Senkung der Jahresprognose auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang gefallen. Am Freitag, 25. September 2026, rutschte das Papier im Xetra-Handel zeitweise bis auf 2,156 Euro ab. Damit wurde ein neues Rekordtief erreicht. Zum Xetra-Handelsschluss um 17.35 Uhr stand die Aktie bei 2,285 Euro und damit 9,83 Prozent unter dem Vortagesschluss.

Auslöser der erneuten Kursverluste war eine am Donnerstagabend veröffentlichte Prognosekorrektur des Berliner Kochboxen- und Fertiggerichteanbieters. HelloFresh erwartet für 2026 nun einen deutlich stärkeren Umsatzrückgang als bislang und reduzierte zugleich die Prognose für das bereinigte operative Ergebnis.

HelloFresh senkt Umsatzprognose deutlich

HelloFresh rechnet für das Gesamtjahr 2026 inzwischen mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang von 9 bis 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zuvor hatte das Unternehmen einen Rückgang am unteren Ende einer Spanne von 3 bis 6 Prozent erwartet. Der von HelloFresh ermittelte Analystenkonsens hatte unmittelbar vor der neuen Prognose bei einem Minus von 6,9 Prozent gelegen.

Auch beim bereinigten EBITDA korrigierte der Vorstand seine Erwartungen. Statt bislang 375 bis 425 Millionen Euro werden nun 350 bis 370 Millionen Euro auf währungsbereinigter Basis erwartet. Der Analystenkonsens lag laut Unternehmen bei 375,6 Millionen Euro. Dabei handelt es sich weiterhin um eine Prognose und nicht um bereits erzielte Ergebnisse.

Die endgültigen Zahlen für das dritte Quartal und die ersten neun Monate des Jahres will HelloFresh am 5. November 2026 veröffentlichen. Die derzeit genannten Werte für das dritte Quartal beruhen auf vorläufigen und noch ungeprüften Daten.

Neukundengewinnung bleibt hinter den Erwartungen

Im Mittelpunkt der Prognosekorrektur steht die Entwicklung der Neukundengewinnung. Die für HelloFresh wichtige sogenannte Back-to-School-Periode nach den Sommerferien brachte nach Angaben des Unternehmens nicht genügend neue Kunden, um die bisherige Jahresprognose zu erreichen.

HelloFresh führt die Entwicklung überwiegend auf die stärkere Reduzierung seiner Marketingausgaben im dritten Quartal zurück. Diese Kürzungen seien gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlicher ausgefallen als noch im ersten Halbjahr.

Für das dritte Quartal erwartet das Unternehmen deshalb einen währungsbereinigten Umsatzrückgang von 11 bis 12 Prozent. Der von HelloFresh ermittelte Analystenkonsens war zuvor lediglich von einem Rückgang um 6,8 Prozent ausgegangen. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 45 und 55 Millionen Euro liegen. Die Markterwartung hatte bei 57,2 Millionen Euro gelegen.

Die Entwicklung setzt einen bereits länger anhaltenden Rückgang der Bestellmengen fort. Im zweiten Quartal 2026 verbuchte HelloFresh 21,84 Millionen Bestellungen. Ein Jahr zuvor waren es 25,32 Millionen gewesen. Das entsprach einem Minus von 13,7 Prozent. Der Konzernumsatz sank im zweiten Quartal währungsbereinigt um 7,8 Prozent auf rund 1,57 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA fiel von 158,5 Millionen auf 120,6 Millionen Euro.

Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Bestellwert währungsbereinigt um 6,5 Prozent auf 71 Euro. HelloFresh verfolgt damit weiterhin eine Strategie, bei der profitablere und länger gebundene Kunden stärker gewichtet werden als ein möglichst hohes Bestellvolumen.

Analysten bewerten die Entwicklung unterschiedlich

Nach der erneuten Prognosesenkung bestätigte die UBS ihre neutrale Einstufung für HelloFresh mit einem Kursziel von 3,60 Euro. Analyst Jo Barnet-Lamb verwies darauf, dass die Entwicklung nach seiner Einschätzung bestehende Fragen zum längerfristigen Umsatzpotenzial verstärke. Das Kursziel ist eine Analystenschätzung und keine Prognose des Unternehmens.

Jefferies hielt dagegen an der Einstufung „Buy“ und einem Kursziel von 8,35 Euro fest. Analyst Giles Thorne bezeichnete die Vorabmeldung allerdings als weitere enttäuschende Entwicklung und verwies auf die bereits sehr schwache Stimmung gegenüber der Aktie.

Andere Häuser reagierten ebenfalls. MarketScreener verzeichnete am Freitag unter anderem eine Herabstufung durch MWB Research auf „Sell“ sowie eine Reduzierung des Kursziels. JPMorgan und UBS wurden dort mit neutralen Einstufungen geführt. Die erheblichen Unterschiede zwischen den Kurszielen zeigen, dass die weitere Geschäftsentwicklung unter Analysten unterschiedlich bewertet wird.

Fast 98 Prozent unter dem Rekordhoch von 2021

Besonders deutlich wird der Kursverfall im langfristigen Vergleich. Am 19. November 2021 erreichte die HelloFresh-Aktie ein Rekordhoch von 97,50 Euro. Damals gehörte das Unternehmen zu den großen Börsengewinnern der Corona-Pandemie, als Kochboxen und Essenslieferungen stark gefragt waren.

Gemessen am Xetra-Schlusskurs von 2,285 Euro am 25. September 2026 hat die Aktie seit diesem Höchststand rund 97,7 Prozent ihres Wertes verloren. Auch der Vergleich mit dem Börsengang fällt deutlich aus. Der Angebotspreis beim IPO im November 2017 lag bei 10,25 Euro je Aktie.

Der Kurs vom Freitag lag damit rund 78 Prozent unter dem damaligen Ausgabepreis.

Allein seit Jahresbeginn 2026 belief sich das Minus zum Handelsschluss am Freitag auf rund 63 Prozent. Im Tagesverlauf waren die Verluste zeitweise noch größer, als die Aktie bei 2,156 Euro ihr neues historisches Tief markierte.

HelloFresh inzwischen im SDAX

Auch die Stellung von HelloFresh in der deutschen Börsenlandschaft hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Während des Pandemiebooms war das Unternehmen zeitweise Mitglied des DAX. Nach dem Abstieg aus dem Leitindex gehörte HelloFresh später zum MDAX.

Seit dem 22. Dezember 2025 ist die Aktie im SDAX vertreten. Bei der damaligen Indexüberprüfung wurde HelloFresh aus dem MDAX genommen und durch TKMS ersetzt. Im Gegenzug rückte HelloFresh in den SDAX auf.

Die aktuelle Unternehmensmeldung führt die Aktie ebenfalls als Bestandteil des SDAX.

Die Indexabstiege spiegeln die stark gesunkene Streubesitz-Marktkapitalisierung wider, die für die Zusammensetzung der DAX-Indexfamilie eine zentrale Rolle spielt.

Operative Entwicklung bleibt entscheidend

HelloFresh versucht seit längerem, den Rückgang der Bestellmengen durch höhere durchschnittliche Bestellwerte, eine stärkere Bindung bestehender Kunden und ein Effizienzprogramm auszugleichen. Bis Ende des ersten Halbjahres waren nach Unternehmensangaben rund 85 Prozent der vorgesehenen Effizienzmaßnahmen umgesetzt.

Im zweiten Quartal zeigte sich jedoch weiterhin die schwierige Ausgangslage. Sowohl im klassischen Kochboxengeschäft als auch im Bereich der Fertiggerichte gingen die Umsätze währungsbereinigt zurück. Gleichzeitig reduzierte HelloFresh die Marketingausgaben und akzeptierte damit bewusst geringere Bestellvolumina.

Die jüngste Prognosekorrektur zeigt nun, dass die geringere Neukundengewinnung stärker auf den Umsatz wirkt als zuvor angenommen. Ob sich dieser Trend in den kommenden Quartalen verändert, lässt sich aus den vorläufigen Angaben nicht ableiten. Die nächsten detaillierten Unternehmenszahlen werden am 5. November veröffentlicht.

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