150 Jahre Henkel: Wie aus einer kleinen Firma ein Weltkonzern wurde

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Henkel feiert sein 150-jähriges Bestehen. Am 26. September 1876 gründete Fritz Henkel gemeinsam mit zwei Partnern in Aachen das Unternehmen Henkel & Cie. Aus dem kleinen Waschmittelhersteller entwickelte sich ein internationaler Konzern mit Marken wie Persil, Schwarzkopf und Pritt sowie einem großen Geschäft mit industriellen Klebstoffen. Im Jubiläumsjahr beschäftigt Henkel rund 50.000 Menschen weltweit.

Der Durchbruch kam mit Bleichsoda

Das erste Universalwaschmittel des jungen Unternehmens blieb zunächst ohne den erhofften Erfolg. Zwei Jahre nach der Gründung brachte Henkel 1878 „Henkel’s Bleich-Soda“ auf den Markt. Das Produkt wurde zum ersten größeren geschäftlichen Erfolg. Später verlagerte das Unternehmen seinen Schwerpunkt nach Düsseldorf, wo sich bis heute der Konzernsitz befindet.

Ein weiterer entscheidender Schritt folgte 1907 mit Persil. Henkel bezeichnet das Produkt als erstes selbsttätiges Waschmittel der Welt. Die Kombination aus Wasch- und Bleichmitteln sollte die damals besonders arbeitsintensive Wäschepflege vereinfachen. Persil entwickelte sich anschließend zu einer der bekanntesten Marken des Konzerns.

Das heutige Klebstoffgeschäft entstand ebenfalls früh. Henkel begann 1922 mit einer eigenen Klebstoffproduktion. 1969 kam mit Pritt der nach Unternehmensangaben erste Klebestift der Welt auf den Markt. Seine Mechanik war vom Drehprinzip eines Lippenstifts inspiriert.

1995 übernahm Henkel die Hans Schwarzkopf GmbH. Die Marke Schwarzkopf geht auf eine 1898 eröffnete Drogerie des Apothekers Hans Schwarzkopf in Berlin zurück und bildet heute einen wichtigen Teil des internationalen Haarpflegegeschäfts von Henkel.

20,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Henkel einen Umsatz von rund 20,5 Milliarden Euro. Das organische Umsatzwachstum lag bei 0,9 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis erreichte rund drei Milliarden Euro, die bereinigte EBIT-Marge 14,8 Prozent. Ende 2025 beschäftigte der Konzern rund 47.200 Menschen. Für das Jubiläum nennt Henkel inzwischen rund 50.000 Beschäftigte in mehr als 70 Ländern.

Produziert wurde 2025 an 165 Standorten in 53 Ländern. 130 Werke gehörten zum Bereich Adhesive Technologies und 35 zum Konsumgütergeschäft. Die größten Produktionsstandorte befanden sich laut Geschäftsbericht in Düsseldorf sowie in Bowling Green im US-Bundesstaat Kentucky.

Henkel bündelt sein operatives Geschäft inzwischen in zwei großen Sparten. Adhesive Technologies stellt Klebstoffe, Dichtstoffe und Beschichtungen unter anderem für Industrie, Elektronik, Automobilbau und Handwerk her. Consumer Brands vereint Wasch- und Reinigungsmittel sowie Haar- und Körperpflegeprodukte.

Henkel gehört zum DAX

Henkel ist börsennotiert und verfügt über Stamm- und Vorzugsaktien. Die Vorzugsaktie gehört zum DAX. Beim Börsengang 1985 wurden zunächst Vorzugsaktien ausgegeben. Henkel gehörte später zu den Gründungsunternehmen des 1988 eingeführten deutschen Leitindex.

Trotz Börsennotierung besitzt die Gründerfamilie weiterhin maßgeblichen Einfluss. Mitglieder des Aktienbindungsvertrags der Familie Henkel hielten nach Unternehmensangaben im März 2026 zusammen 61,85 Prozent der Stammaktien und damit der entsprechenden Stimmrechte. Der Pool umfasst Angehörige der Nachfahren von Fritz Henkel sowie von Familienmitgliedern gegründete Gesellschaften, Stiftungen und weitere Beteiligungsvehikel.

Tausende Gäste feiern das Jubiläum in Düsseldorf

Das Unternehmen begeht das Jubiläumsjahr unter dem Motto „Future? Ready!“. Rund um den Globus finden Veranstaltungen für Beschäftigte statt. Für das große Mitarbeiterfest am Düsseldorfer Stammsitz am 26. September hatte Henkel rund 18.000 Beschäftigte und Familienangehörige erwartet. Zum Programm gehörten Präsentationen aus den Geschäftsbereichen, Angebote für Familien und ein eigens für das Jubiläum produziertes Konzert.

Vorstandschef Carsten Knobel erklärte anlässlich des Jubiläums, dass der langfristige Erfolg des Unternehmens vor allem auf den Beschäftigten, ihren Ideen und ihrer Erfahrung beruhe. Henkel wolle Veränderungen weiterhin aktiv gestalten. Simone Bagel-Trah, Vorsitzende des Aufsichtsrats und des Gesellschafterausschusses sowie Ururenkelin des Firmengründers, verwies auf die Entwicklung von der kleinen Gründung Fritz Henkels zu einem Unternehmen mit Zehntausenden Beschäftigten weltweit.

Bereits am 25. September nahm Bundeskanzler Friedrich Merz an einer Jubiläumsveranstaltung in Düsseldorf teil. Er hob in seiner Festrede insbesondere die Bedeutung des Klebstoffgeschäfts für Branchen wie Automobilindustrie, Halbleiterfertigung sowie Luft- und Raumfahrt hervor.

Henkel gewährte den Beschäftigten im Jubiläumsjahr zudem einen zusätzlichen Urlaubstag im jeweiligen Geburtstagsmonat. Teilnehmer des Mitarbeiter-Aktienprogramms erhalten für ihre persönliche Anlage in Henkel-Aktien einen einmaligen Jubiläumsbonus von 41 Prozent.

Konsumgeschäft bleibt anspruchsvoll

Zum Jubiläum steht Henkel zugleich vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Das Konsumgütergeschäft bewegt sich in einem Umfeld, in dem Kunden stärker auf Preise achten und Handelsmarken in mehreren Produktgruppen an Bedeutung gewonnen haben. Reuters beschrieb die Nachfrage nach Haushalts- und Körperpflegeprodukten im Sommer 2026 weiterhin als verhalten.

Die Geschäftsentwicklung war zuletzt dennoch positiv. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Konzernumsatz organisch um 3,2 Prozent. Das Klebstoffgeschäft legte organisch um 4,5 Prozent zu, Consumer Brands um 1,7 Prozent. Nominal lag der Halbjahresumsatz wegen negativer Wechselkurseffekte mit 10,35 Milliarden Euro geringfügig unter dem Vorjahreswert. Henkel hob daraufhin seine Prognose für das organische Umsatzwachstum im Gesamtjahr auf 1,5 bis 3,5 Prozent an.

Sparprogramm abgeschlossen, Portfolio wird weiter verändert

Ein großer Teil des internen Umbaus der vergangenen Jahre betraf das Konsumgütergeschäft. Henkel hatte seine zuvor getrennten Bereiche für Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kosmetik zu Henkel Consumer Brands zusammengeführt. Die Integration wurde Ende 2025 abgeschlossen, ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen. Die angestrebten jährlichen Einsparungen von 525 Millionen Euro wurden nach Konzernangaben sogar leicht übertroffen. Henkel bezifferte die erreichten Nettoeinsparungen später auf rund 540 Millionen Euro.

Parallel wurde das Portfolio auf größere und margenstärkere Marken ausgerichtet. Das nordamerikanische Geschäft mit Handelsmarken für Wasch- und Reinigungsmittel mit einem Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro wurde 2025 verkauft.

Gleichzeitig setzt Henkel wieder verstärkt auf Zukäufe. 2026 übernahm der Konzern unter anderem die US-Haarpflegemarke Not Your Mother’s und die Premiummarke Olaplex. Olaplex erzielte 2025 rund 370 Millionen Euro Umsatz. Im Klebstoffgeschäft gehören unter anderem ATP Adhesive Systems und die geplante Übernahme des niederländischen Beschichtungsspezialisten Stahl zur Expansionsstrategie. Henkel bezifferte das Volumen mehrerer zuletzt vereinbarter Transaktionen zusammen auf rund fünf Milliarden Euro.

Damit fällt das 150-jährige Jubiläum in eine Phase, in der Henkel zugleich Tradition und tiefgreifenden Konzernumbau miteinander verbinden muss. Der Ursprung des Unternehmens liegt im Waschmittelgeschäft des 19. Jahrhunderts. Heute reicht das Geschäft von Persil und Schwarzkopf bis zu Spezialklebstoffen für Autos, Elektronik und industrielle Anwendungen in mehr als 800 Branchen.

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