Hensoldt erhöht Jahresprognose nach kräftigem Wachstum bei Rüstungselektronik

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der deutsche Rüstungselektronikkonzern Hensoldt hat nach einem deutlichen Anstieg von Umsatz, Ergebnis und Auftragseingang seine Jahresprognose für 2026 angehoben. Das Unternehmen rechnet inzwischen mit einem Umsatz von rund 2,8 Milliarden Euro. Zuvor hatte die Erwartung bei etwa 2,75 Milliarden Euro gelegen. Besonders die hohe Nachfrage nach Radarsystemen, militärischer Elektronik und optischen Technologien hat das Geschäft in den ersten neun Monaten des Jahres gestützt.

Anzeige

Wie Hensoldt am Donnerstag, 5. November 2026, in Taufkirchen mitteilte, stiegen die Umsatzerlöse zwischen Januar und September gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 21,3 Prozent auf 1,863 Milliarden Euro. Noch stärker entwickelte sich das bereinigte operative Ergebnis. Zugleich erreichte der Auftragsbestand einen neuen Höchstwert von mehr als zehn Milliarden Euro.

Hensoldt steigert Umsatz und operatives Ergebnis deutlich

Die Geschäftsentwicklung zeigt sich insbesondere beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, dem EBITDA. Diese Kennzahl stieg in den ersten neun Monaten um 33 Prozent auf 281 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte Hensoldt 211 Millionen Euro erzielt.

Damit verbesserte sich auch die bereinigte EBITDA-Marge von 13,7 auf 15,1 Prozent. Das Unternehmen erwirtschaftete somit gemessen am Umsatz einen höheren operativen Ertrag. Im dritten Quartal allein erreichte die Marge 20,6 Prozent, nachdem sie ein Jahr zuvor bei 17,6 Prozent gelegen hatte.

Anzeige

Auch das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern entwickelte sich positiv. Das EBIT stieg um 45,4 Prozent auf 177 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte es bei 122 Millionen Euro gelegen. Die bereinigte EBIT-Marge erhöhte sich entsprechend von 7,9 auf 9,5 Prozent.

Nach Unternehmensangaben profitierte Hensoldt von einem größeren Geschäftsvolumen und einer besseren Auslastung seiner Kapazitäten. Zudem wirkten sich Maßnahmen zur Kostenkontrolle positiv auf die operative Entwicklung aus.

Auftragseingang wächst um fast 77 Prozent

Besonders stark fiel das Wachstum bei den neuen Bestellungen aus. Der Auftragseingang erreichte von Januar bis September 3,564 Milliarden Euro. Gegenüber den 2,017 Milliarden Euro des Vorjahreszeitraums entspricht dies einer Steigerung um 76,7 Prozent.

Der gesamte Auftragsbestand erhöhte sich auf 10,367 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte er bei 7,096 Milliarden Euro gelegen. Damit erreichte das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Rekordwert.

Auch das Verhältnis zwischen neuen Bestellungen und erzieltem Umsatz verbesserte sich. Die sogenannte Book-to-Bill-Kennzahl lag bei 1,9, verglichen mit 1,3 im Vorjahreszeitraum. Auf jeden Euro Umsatz entfielen damit rechnerisch 1,90 Euro an neuen Aufträgen.

Zu den wesentlichen Auftragstreibern gehörten Programme rund um den Eurofighter sowie militärische Ausrüstung für die gepanzerten Fahrzeuge Puma und Schakal. Die Aufträge umfassen unter anderem Radar- und Zielerfassungstechnik sowie elektronische Schutzsysteme.

Der hohe Auftragsbestand sorgt für eine längerfristige Auslastungsperspektive. Allerdings werden neue Bestellungen nicht unmittelbar als Umsatz erfasst. Entscheidend sind die jeweiligen Lieferungen, Projektfortschritte und vertraglich vereinbarten Leistungen.

Radarsysteme und Sensoren bleiben wichtigster Geschäftsbereich

Im Geschäftsbereich Sensors erwirtschaftete Hensoldt in den ersten neun Monaten einen Umsatz von 1,522 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um 15,5 Prozent. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich um 18,5 Prozent auf 236 Millionen Euro.

Besonders wichtig waren nach Unternehmensangaben zusätzliche Auslieferungen von TRML-4D-Radarsystemen. Diese werden unter anderem im Zusammenhang mit dem Luftverteidigungssystem IRIS-T eingesetzt. Auch Dienstleistungen und weitere Aufträge aus dem Eurofighter-Programm trugen zur Geschäftsentwicklung bei.

Noch stärker wuchs der kleinere Geschäftsbereich Optronics, der unter anderem optische Sensoren, Sichtsysteme und elektronische Ausrüstung für militärische Fahrzeuge entwickelt.

Hier legte der Umsatz um 52,4 Prozent auf 354 Millionen Euro zu. Das bereinigte EBITDA stieg von zwölf auf 45 Millionen Euro. Die operative Marge verbesserte sich von 5,1 auf 12,6 Prozent.

Der Auftragseingang in diesem Geschäftsbereich erhöhte sich sogar um 252,7 Prozent auf 1,157 Milliarden Euro. Wesentliche Beiträge kamen von Aufträgen für Sicht- und Schutzsysteme der Panzerfahrzeuge Puma und Schakal.

Umsatzprognose für 2026 steigt auf 2,8 Milliarden Euro

Auf Grundlage der bisherigen Geschäftsentwicklung hat Hensoldt seine Erwartungen für das Gesamtjahr angepasst. Die Jahresprognose für 2026 sieht nun einen Umsatz von rund 2,8 Milliarden Euro vor. Das sind etwa 50 Millionen Euro mehr als bisher angenommen.

Zugleich erwartet das Unternehmen eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 19 Prozent. Zuvor hatte die Prognose eine Spanne zwischen 18,5 und 19 Prozent vorgesehen.

Damit setzt der Konzern insbesondere auf ein umsatz- und ergebnisstarkes Schlussquartal. Um das neue Umsatzziel zu erreichen, müsste Hensoldt zwischen Oktober und Dezember noch ungefähr 937 Millionen Euro erwirtschaften.

Nach Angaben des Unternehmens konzentrieren sich zahlreiche Auslieferungen und Abnahmen auf die letzten Monate eines Geschäftsjahres. Deshalb fällt die operative Marge im Gesamtjahr üblicherweise höher aus als in den ersten neun Monaten.

Bei den neuen Bestellungen erwartet Hensoldt ebenfalls eine weiterhin starke Entwicklung. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz soll am oberen Ende der bisherigen Prognosespanne zwischen 1,5 und 2,0 liegen.

Eine besondere Rolle spielt dabei das geplante Projekt PEGASUS. Sollte dessen Beauftragung noch 2026 erfolgen, könnte die Book-to-Bill-Kennzahl nach Unternehmensangaben ungefähr 2,3 erreichen. Bei einer Vergabe erst Anfang 2027 erwartet Hensoldt weiterhin einen Wert am oberen Ende der bisherigen Spanne. Ein entsprechender Auftragseingang aus PEGASUS war damit für 2026 noch nicht gesichert.

Investitionen belasten weiterhin den Mittelzufluss

Trotz steigender Umsätze und operativer Gewinne blieb der bereinigte Free Cashflow in den ersten neun Monaten negativ. Die Kennzahl lag bei minus 104 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum minus 119 Millionen Euro verbucht worden waren.

Der Free Cashflow beschreibt vereinfacht die Zahlungsmittel, die nach bestimmten betrieblichen Ausgaben und Investitionen verbleiben. Er ist damit eine wichtige Ergänzung zu den Ergebniskennzahlen.

Hensoldt investiert weiterhin in zusätzliche Produktionskapazitäten und technologische Entwicklungen. Höhere Anzahlungen von Kunden trugen nach Unternehmensangaben dazu bei, den Mittelabfluss zu begrenzen.

Im dritten Quartal fiel der bereinigte Free Cashflow mit 32 Millionen Euro bereits positiv aus. Für das gesamte Geschäftsjahr hält der Konzern an seiner Erwartung fest, dass der bereinigte Free Cashflow rund 50 Prozent des bereinigten EBITDA erreichen soll.

Auch die weiteren finanziellen Ziele bleiben unverändert. Hensoldt strebt weiterhin einen Netto-Verschuldungsgrad von ungefähr 1,5 an. Die geplante Ausschüttungsquote beträgt 30 bis 40 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses.

Europäische Verteidigungsausgaben stärken die Nachfrage

Die Geschäftsentwicklung steht im Zusammenhang mit den steigenden Verteidigungsinvestitionen in Deutschland und anderen europäischen Staaten. Hensoldt liefert zentrale elektronische Komponenten für militärische Systeme und profitiert damit von der Nachfrage nach moderner Luftverteidigung, Sensorik und elektronischer Kampfführung.

Anders als Hersteller vollständiger Kampfflugzeuge oder Panzer konzentriert sich das Unternehmen auf Technologien, mit denen militärische Plattformen ihre Umgebung erfassen, Ziele erkennen und Informationen verarbeiten können.

Das macht Hensoldt zu einem wichtigen Zulieferer innerhalb der europäischen Verteidigungsindustrie. Zahlreiche Produkte werden in größere Rüstungsprogramme eingebunden, deren Umsetzung sich über mehrere Jahre erstreckt.

Mit dem steigenden Auftragsvolumen wächst zugleich die Bedeutung ausreichender Produktionskapazitäten. Der Konzern muss die vereinbarten Systeme entwickeln, herstellen und fristgerecht ausliefern, damit aus den Bestellungen tatsächlich Umsatz und Zahlungsmittelzuflüsse entstehen.

Hensoldt beschäftigt nach eigenen Angaben rund 10.000 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 2,46 Milliarden Euro. Die Aktie des Unternehmens ist unter anderem im MDAX und TecDAX gelistet.

Weitere Geschäftszahlen im Februar 2027 erwartet

Bereits am 10. November 2026 will Hensoldt bei einem Kapitalmarkttag in London über seine weitere Entwicklung informieren. Dabei stehen die längerfristige Unternehmensstrategie und die wirtschaftlichen Perspektiven im Mittelpunkt.

Die vorläufigen Ergebnisse für das vollständige Geschäftsjahr 2026 sollen voraussichtlich am 24. Februar 2027 veröffentlicht werden.

Bis dahin bleibt insbesondere das vierte Quartal entscheidend für die Erfüllung der angehobenen Jahresziele. Die bisherigen Neunmonatszahlen zeigen ein deutliches Wachstum bei Umsatz, operativem Ergebnis und Auftragseingang. Ob die erwarteten Lieferungen und Projektabrechnungen bis zum Jahresende vollständig umgesetzt werden, wird sich erst mit dem weiteren Geschäftsverlauf zeigen.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu