
Taufkirchen an der Vils. Der insolvente Polstermöbelhersteller Himolla setzt seinen tiefgreifenden Umbau fort. Am Stammsitz im bayerischen Taufkirchen an der Vils fallen 175 Arbeitsplätze weg. Rund 540 Stellen sollen nach dem vereinbarten Sanierungskonzept erhalten bleiben. Gleichzeitig wird die Endfertigung am deutschen Standort aufgegeben und die Serienproduktion stärker auf Werke in Ungarn und der Slowakei konzentriert. Die Himolla Sanierung ist damit bei den personellen und betrieblichen Einschnitten einen entscheidenden Schritt weiter, das Insolvenzverfahren selbst ist aber noch nicht abgeschlossen.
Unternehmen und Betriebsrat unterzeichneten am 15. September 2026 einen Interessenausgleich. Dieser sieht vor, 175 der zuletzt 714 Stellen bei der Himolla Polstermöbel GmbH am Standort Taufkirchen abzubauen. Rechnerisch verbleiben 539 Stellen, das Unternehmen spricht von rund 540 erhaltenen Arbeitsplätzen. Zuvor hatte zeitweise ein deutlich größerer Personalabbau im Raum gestanden. Die Kündigungen wurden anschließend ausgesprochen. Ende September bestätigte auch der Betriebsrat, dass die betroffenen Beschäftigten ihre Kündigungen erhalten hatten. Der Stellenabbau fällt damit kleiner aus als zunächst befürchtet, bleibt für den Standort aber ein erheblicher Einschnitt.
Mit dem Personalabbau verändert Himolla zugleich die Aufgabenverteilung innerhalb der Unternehmensgruppe. Die Endfertigung in Taufkirchen entfällt. Die Serienfertigung soll schrittweise in den bereits bestehenden Werken in Ungarn und der Slowakei gebündelt werden. In Bayern sollen dagegen wichtige Entwicklungs- und Steuerungsfunktionen verbleiben. Dazu zählen Design, Produktentwicklung, Konstruktion, Marketing, Vertrieb, Qualitätssicherung sowie technisch anspruchsvolle Bereiche der Vorfertigung. Entwicklung und Qualitätssicherung in Taufkirchen sollen die Fertigung an den unterschiedlichen Standorten der Gruppe steuern. Die Verlagerung ist damit nicht mit einer vollständigen Aufgabe der Produktionstätigkeit in Bayern gleichzusetzen.
Himolla hatte Ende Juni ein Schutzschirmverfahren beantragt. Das Amtsgericht Landshut eröffnete am 1. September das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Himolla Polstermöbel GmbH wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung und ordnete Eigenverwaltung an. Die Geschäftsführung führt das Unternehmen damit weiter, wird jedoch von Sachwalter Arndt Geiwitz überwacht. Die Frist zur Anmeldung von Insolvenzforderungen endete am 5. Oktober. Für den 23. November um 13 Uhr hat das Gericht den Berichtstermin, die Gläubigerversammlung und den Prüfungstermin angesetzt. Dort stehen unter anderem Fragen zur Fortführung des Unternehmens und zum weiteren Verlauf der Eigenverwaltung auf der Tagesordnung.
Die Zahl von rund 540 Stellen bezeichnet den Personalbestand, mit dem Himolla am Stammsitz nach Umsetzung des vereinbarten Sanierungskonzepts weiterarbeiten will. Eine darüber hinausgehende Arbeitsplatzgarantie ist damit nicht verbunden. Ziel der neuen Struktur ist es, Kosten und Kapazitäten stärker an die gesunkene Nachfrage anzupassen. Das Unternehmen will den Standort Taufkirchen insbesondere auf Entwicklung, technisch anspruchsvolle Vorarbeiten, Vertrieb und zentrale Steuerungsfunktionen konzentrieren. Bei Beginn des Schutzschirmverfahrens hatte die bayerische Staatsregierung Himolla als einen der größten Polstermöbelhersteller Europas bezeichnet. Damals arbeiteten nach Angaben des Arbeitsministeriums rund 2.000 Menschen für die Unternehmensgruppe.
Himolla nimmt nach Unternehmensangaben weiterhin Aufträge an und liefert Möbel aus. Auch Ersatzteilversorgung und Gewährleistungsleistungen sollen fortgeführt werden. Dass das Unternehmen operativ aktiv bleibt, zeigte zuletzt auch die Hausmesse am Stammsitz. Vom 27. September bis zum 2. Oktober präsentierte Himolla dort Geschäftskunden neue Produkte und Konzepte. Die schrittweise Produktionsverlagerung nach Ungarn und in die Slowakei soll so organisiert werden, dass die Lieferfähigkeit während des Umbaus erhalten bleibt. Bereits bei Beantragung des Schutzschirmverfahrens hatte Himolla erklärt, dass die Auslandsgesellschaften unter anderem in Polen, Rumänien, der Slowakei und Ungarn nicht unmittelbar von dem deutschen Verfahren betroffen seien.
Der Umbau bei Himolla fällt in eine schwierige Phase der deutschen Möbelindustrie. Nach Angaben der Branchenverbände sank der Umsatz der deutschen Möbelhersteller im ersten Halbjahr 2026 um 2,7 Prozent auf rund 7,7 Milliarden Euro. Noch stärker steht das Segment der Polstermöbel unter Druck. Bis einschließlich Juli lag dessen Umsatz 10,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Bereits 2025 war der Umsatz der deutschen Polstermöbelhersteller um 6,3 Prozent zurückgegangen. Himolla nennt neben der schwachen Möbelnachfrage auch die geringe Bautätigkeit sowie den starken Preiswettbewerb internationaler Anbieter als Gründe für seine Restrukturierung.
Mit dem Interessenausgleich steht fest, wie groß der Personalabbau am deutschen Stammsitz zunächst ausfallen soll und welche Funktionen dort künftig konzentriert werden. Der Betrieb wird währenddessen fortgeführt. Der Insolvenzprozess ist damit jedoch nicht beendet. Der nächste formelle Schritt folgt spätestens mit dem Gläubigertermin am 23. November. Dort können die Gläubiger unter anderem über die Fortführung, die Eigenverwaltung und mögliche weitere Schritte im Insolvenzverfahren mitentscheiden. Bis dahin arbeitet Himolla mit der neuen Personalstruktur und der schrittweisen Verlagerung der Serienfertigung an der wirtschaftlichen Neuaufstellung des Unternehmens.
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