
Hewlett Packard Enterprise hat im dritten Geschäftsquartal 2026 deutlich von der starken Nachfrage nach Servern, Netzwerktechnik und Infrastruktur für künstliche Intelligenz profitiert. Der US-Technologiekonzern steigerte seinen Umsatz kräftig und hob nach den neuen HPE Quartalszahlen seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr sowie seinen Wachstumsrahmen für 2027 an. An der Börse überwogen nach Veröffentlichung der Zahlen dennoch zunächst die Sorgen über weiterhin knappe Bauteile.
Der Umsatz von Hewlett Packard Enterprise lag im dritten Geschäftsquartal, das am 31. Juli endete, bei 12,2 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg von rund 34 Prozent. HPE sprach von einem Rekordwert. Analysten hatten nach den von Reuters zusammengetragenen Schätzungen im Durchschnitt mit rund 11,91 Milliarden Dollar gerechnet.
Auch beim Gewinn legte das Unternehmen deutlich zu. Der nach US-Rechnungslegungsregeln ausgewiesene Nettogewinn lag bei 1,54 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor waren es 305 Millionen Dollar gewesen. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 1,11 Dollar nach 44 Cent im Vorjahresquartal. Damit übertraf HPE auch die durchschnittliche Analystenerwartung von 93 Cent.
Die bereinigte operative Marge erhöhte sich auf 16,2 Prozent. Der operative Cashflow lag bei 1,6 Milliarden Dollar, der von HPE ausgewiesene freie Cashflow bei rund einer Milliarde Dollar. Nach Unternehmensangaben erreichten zudem die Auftragseingänge und der Auftragsbestand Rekordstände. Eine konkrete Gesamtsumme für den Auftragsbestand nannte HPE in der Ergebnismitteilung allerdings nicht.
Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit Servern und Netzwerktechnik. Im Bereich Cloud & AI erzielte HPE einen Umsatz von rund 9,0 Milliarden Dollar. Das waren 25,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Allein der Serverumsatz stieg um 35,3 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar. Speicherlösungen steuerten rund 1,3 Milliarden Dollar bei und legten um 10,2 Prozent zu.
Noch stärker war das Wachstum im Netzwerkgeschäft. Dort erreichte der Umsatz 2,9 Milliarden Dollar und lag damit 74,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Geschäft mit Rechenzentrumsnetzwerken wuchs um 112,2 Prozent, der Umsatz mit Routing-Technik um 270 Prozent.
Beim Vergleich mit dem Vorjahr spielt allerdings auch die Übernahme von Juniper Networks eine wichtige Rolle. HPE hatte die Transaktion am 2. Juli 2025 abgeschlossen. Der Kaufpreis einschließlich der bilanziellen Gesamtgegenleistung lag bei rund 13,6 Milliarden Dollar. Durch Juniper wurde das Netzwerkgeschäft von HPE erheblich vergrößert. Ein Teil der hohen Wachstumsraten ist deshalb nicht allein auf organisches Wachstum zurückzuführen.
Nach dem starken Quartal korrigierte der Konzern seine Erwartungen nach oben. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 rechnet HPE nun mit einem Umsatzwachstum von 34 bis 37 Prozent. Zuvor hatte das Unternehmen eine Spanne von 29 bis 33 Prozent erwartet.
Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie wird HPE zuversichtlicher. Die Prognose liegt nun bei 3,75 bis 3,85 Dollar. Zuvor waren 3,35 bis 3,45 Dollar in Aussicht gestellt worden. Der freie Cashflow soll nach aktueller Unternehmensplanung mindestens 3,75 Milliarden Dollar erreichen.
Für das vierte Geschäftsquartal erwartet Hewlett Packard Enterprise einen Umsatz zwischen 13,9 und 14,8 Milliarden Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie stellt der Konzern 1,20 bis 1,30 Dollar in Aussicht.
HPE erhöhte zugleich seinen Wachstumsrahmen für das Geschäftsjahr 2027. Der Umsatz soll nach Unternehmensplanung um 13 bis 17 Prozent steigen. Die vorherige Spanne hatte bei 8 bis 12 Prozent gelegen. Beim bereinigten Gewinn je Aktie erwartet HPE nun ein Wachstum von 16 bis 20 Prozent. Zuvor waren 12 bis 16 Prozent vorgesehen. Diese Angaben sind Unternehmensprognosen und keine garantierten Ergebnisse.
Der kräftigen Nachfrage stehen weiterhin Einschränkungen bei der Versorgung mit wichtigen Komponenten gegenüber. HPE-Finanzchefin Marie Myers sagte Reuters, besonders Speicherprodukte seien knapp. Weitere Engpässe gebe es bei NAND-Speicher, Prozessoren und Laufwerken. HPE habe längerfristige Vereinbarungen abgeschlossen, um sich Komponenten zu sichern.
Die Vorräte des Konzerns erhöhten sich vor diesem Hintergrund deutlich. Ende Juli lagen sie bei 11,82 Milliarden Dollar, verglichen mit 7,16 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. HPE führte den Anstieg unter anderem auf höhere Komponentenpreise und gezielte Einkäufe zur Bedienung des gestiegenen Auftragsbestands zurück.
Die Entwicklung zeigt zugleich eine zentrale Herausforderung des gegenwärtigen KI-Infrastrukturbooms. Anbieter wie HPE müssen nicht nur genügend Kunden für leistungsfähige Server und Netzwerksysteme gewinnen. Entscheidend ist zunehmend auch, ob Speicherchips, Prozessoren und andere Komponenten in ausreichender Menge verfügbar sind, um die Bestellungen tatsächlich auszuliefern.
Die Börse reagierte zunächst zurückhaltend auf die Zahlen. Reuters berichtete am Mittwochabend nach Veröffentlichung der Ergebnisse von einem Rückgang der HPE-Aktie von mehr als drei Prozent im nachbörslichen US-Handel. Als Belastungsfaktor wurden insbesondere die anhaltenden Lieferengpässe genannt.
Die Kursbewegung schwankte allerdings während des nachbörslichen Handels deutlich. Andere Finanzdienste meldeten zwischenzeitlich stärkere Verluste und anschließend eine teilweise Erholung. Wegen dieser schnellen Veränderungen ist die dokumentierte Bewegung von mehr als drei Prozent als Momentaufnahme des nachbörslichen Handels einzuordnen und nicht als Schlusskurs des folgenden regulären Handelstags.
Für HPE bestätigen die Zahlen dennoch, dass die hohen Investitionen in Rechenzentren und künstliche Intelligenz inzwischen in mehreren Geschäftsbereichen sichtbar werden. Neben leistungsfähigen Servern gewinnt vor allem die Netzwerkinfrastruktur an Bedeutung, weil große KI-Systeme enorme Datenmengen zwischen Prozessoren, Speichern und Rechenzentren bewegen müssen. Gleichzeitig bleibt die Fähigkeit, genügend Hardwarekomponenten zu beschaffen, ein entscheidender Faktor dafür, wie schnell HPE die hohe Nachfrage in zusätzlichen Umsatz umsetzen kann.
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