Hugo Boss unter Druck: Großaktionär Frasers will die Mehrheit

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Beim Modekonzern Hugo Boss verschieben sich die Machtverhältnisse. Die britische Frasers Group, die inzwischen knapp 48 Prozent der Aktien hält, will ihren Anteil auf mehr als 50 Prozent erhöhen. Damit würde der Handelskonzern des britischen Unternehmers Mike Ashley vom Großaktionär zum Mehrheitsaktionär des Unternehmens aus Metzingen.

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Ein Wechsel an der operativen Konzernspitze ist dagegen bislang nicht beschlossen. Hugo Boss führt Daniel Grieder weiterhin als Vorstandsvorsitzenden. Auch Aufsichtsratschef Stephan Sturm ist weiter im Amt. Frasers hat allerdings angekündigt, die Unterstützung für Sturm erneut zu überprüfen. Damit wächst der Einfluss des britischen Investors in einer Phase, in der Hugo Boss mit rückläufigen Umsätzen und einer umfassenden strategischen Neuordnung beschäftigt ist.

Daniel Grieder bleibt bislang CEO von Hugo Boss

Daniel Grieder führt Hugo Boss seit Juni 2021. Sein Mandat war 2024 vorzeitig bis Ende 2028 verlängert worden. Der frühere Manager von Tommy Hilfiger leitete in den vergangenen Jahren eine weitreichende Neupositionierung der Marken BOSS und HUGO ein und trieb unter anderem Marketing, Digitalisierung und die internationale Expansion voran.

Eine bestätigte Entscheidung über sein vorzeitiges Ausscheiden gibt es derzeit nicht. Berichtet worden war im Juli darüber, dass Frasers Möglichkeiten prüfen könnte, den eigenen Vorstandschef Michael Murray an die Spitze von Hugo Boss zu bringen. Murray sitzt bereits im Aufsichtsrat von Hugo Boss. Eine entsprechende Personalentscheidung wurde jedoch weder von Hugo Boss noch von Frasers bekannt gegeben.

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Damit bleibt die künftige Besetzung der Konzernführung offen. Offiziell besteht der Hugo-Boss-Vorstand weiterhin aus Daniel Grieder als CEO, Yves Müller als Finanz- und operativem Vorstand sowie Oliver Timm als Vertriebsvorstand und stellvertretendem CEO.

Frasers Group steht kurz vor der Mehrheit

Deutlich konkreter ist die Entwicklung auf der Eigentümerseite. Frasers ist seit Jahren bei Hugo Boss engagiert und baute seinen Anteil zuletzt erheblich aus. Als der britische Konzern im Juni 2026 ein freiwilliges Übernahmeangebot startete, hielt er rund 26 Prozent. Inzwischen liegt die Beteiligung bei rund 48 Prozent.

Frasers hatte den übrigen Aktionären 38 Euro je Aktie geboten. Hugo Boss lehnte das Angebot ab. Vorstand und Aufsichtsrat hielten den Preis für finanziell nicht angemessen und empfahlen den Anteilseignern, die Offerte nicht anzunehmen. Eine vollständige Übernahme gelang Frasers damit nicht. Der britische Konzern konnte seinen Anteil aber deutlich erhöhen.

Anfang September folgte der nächste Schritt. Frasers kündigte an, die Schwelle von 50 Prozent überschreiten zu wollen. Konkrete Angaben dazu, wann und in welchem Umfang weitere Aktien erworben werden sollen, machte das Unternehmen zunächst nicht.

Die Frasers Group bei Hugo Boss könnte damit künftig eine wesentlich stärkere Rolle spielen. Das Unternehmen kontrolliert unter anderem Sports Direct und hält beziehungsweise hielt Beteiligungen an mehreren bekannten Handels- und Modemarken. Frasers wird mehrheitlich von Mike Ashley kontrolliert. CEO ist dessen Schwiegersohn Michael Murray.

Hugo Boss stoppt Aktienrückkauf

Hugo Boss reagierte unmittelbar auf die jüngste Frasers-Ankündigung. Der Vorstand beschloss, das erst am 24. August gestartete Aktienrückkaufprogramm mit Ablauf des 8. September vorerst zu beenden.

Bis zum 1. September hatte der Konzern 124.044 eigene Aktien für insgesamt rund 4,8 Millionen Euro erworben. Der Schritt ist auch deshalb relevant, weil der Rückkauf eigener Aktien die Zahl der frei verfügbaren Papiere verringert. Ein Großaktionär kann dadurch rechnerisch leichter einen höheren prozentualen Anteil erreichen.

Hugo Boss begründete das Ende des Programms ausdrücklich mit der Erklärung von Frasers, den Anteil auf mehr als 50 Prozent erhöhen und zugleich die Unterstützung für Aufsichtsratschef Stephan Sturm überprüfen zu wollen.

Umsatz fällt im ersten Halbjahr deutlich

Der Machtkampf trifft auf eine schwierige operative Lage. Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete Hugo Boss einen Umsatz von 1,81 Milliarden Euro. Das waren in Konzernwährung zehn Prozent weniger als die zwei Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Währungsbereinigt lag das Minus bei acht Prozent.

Besonders schwach entwickelte sich die für Hugo Boss wichtige Region Europa, Naher Osten und Afrika. Dort sank der währungsbereinigte Umsatz im ersten Halbjahr um elf Prozent. In Amerika lag das Minus bei drei Prozent, in Asien und im Pazifikraum bei zwei Prozent.

Allein im zweiten Quartal ging der Konzernumsatz auf 905 Millionen Euro zurück. Währungsbereinigt entsprach dies einem Rückgang von neun Prozent. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank auf 59 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr erreichte das EBIT 94 Millionen Euro.

Gleichzeitig konnte Hugo Boss seine Bruttomarge verbessern und die operativen Aufwendungen senken. Die Vorräte lagen zum Ende des zweiten Quartals deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern weiterhin mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das EBIT soll zwischen 300 und 350 Millionen Euro liegen.

2025 hatte Hugo Boss noch 4,27 Milliarden Euro umgesetzt. Der Umsatz war damit gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. Das operative Ergebnis war dagegen um acht Prozent auf 391 Millionen Euro gestiegen, der Konzerngewinn auf 259 Millionen Euro.

Modekonzerne kämpfen mit vorsichtigeren Kunden

Die Entwicklung bei Hugo Boss ist Teil eines größeren Problems der internationalen Modebranche. Viele Unternehmen kämpfen mit einer schwachen Konsumnachfrage, hohen Kosten und einem veränderten Kaufverhalten. Besonders China, aber auch Teile Europas und der USA haben sich für zahlreiche Marken schwieriger entwickelt.

Auch im Luxussegment hat sich die Lage zuletzt wieder eingetrübt. Europäische Luxusaktien standen Anfang September unter Druck, nachdem Hoffnungen auf eine rasche Erholung der Nachfrage nachgelassen hatten. Neben der konjunkturellen Unsicherheit verändert der wachsende Onlinehandel die Branche. Gleichzeitig erhöhen Anbieter mit schnellen Produktionszyklen und stark digitalisierten Geschäftsmodellen den Wettbewerbsdruck.

Hugo Boss versucht darauf mit seiner Strategie Claim 5 Touchdown zu reagieren. 2026 soll bewusst ein Jahr der Neuordnung sein. Sortimente sollen gestrafft, Vertriebswege optimiert und Kosten gesenkt werden. Zugleich setzt das Unternehmen stärker auf Damenmode, Schuhe und Accessoires. Ab 2027 soll der Umsatz nach den bisherigen Unternehmensplanungen wieder wachsen.

Gerry Weber zeigt die Risiken der deutschen Modebranche

Wie tief die Probleme etablierter deutscher Modeunternehmen reichen können, zeigt Gerry Weber. Das Unternehmen aus Halle in Westfalen musste 2025 erneut Insolvenzverfahren durchlaufen. Vorausgegangen waren bereits Sanierungen und erhebliche Einschnitte in früheren Jahren.

Die verbliebenen gut 40 Geschäfte und Outlets in Deutschland wurden geschlossen. Auch die frühere Unternehmenszentrale wurde aufgegeben. Rund 280 Beschäftigte waren dort betroffen, weitere etwa 280 arbeiteten zuletzt in den deutschen Filialen.

Die Marke selbst verschwand jedoch nicht. Die spanische Victrix-Gruppe, zu der die Modemarke Punt Roma gehört, übernahm die Markenrechte und kündigte einen Neustart von Gerry Weber mit eigenen Strukturen an. Der Vertrieb soll sich stärker auf Handelspartner konzentrieren, statt wieder ein großes eigenes Filialnetz aufzubauen.

Der Fall unterscheidet sich deutlich von Hugo Boss. Hugo Boss ist nicht insolvent, erzielt weiterhin Milliardenumsätze und erwirtschaftet operative Gewinne. Dennoch stehen beide Entwicklungen für den tiefgreifenden Umbau des Modegeschäfts. Stationärer Handel, internationale Markenpositionierung, Onlinevertrieb und Kostenstrukturen müssen gleichzeitig neu austariert werden.

Bei Hugo Boss kommt nun zusätzlich die Eigentümerfrage hinzu. Frasers fehlt nur noch ein vergleichsweise kleiner Schritt zur Mehrheit. Ob daraus später auch Veränderungen im Vorstand oder Aufsichtsrat folgen, ist derzeit nicht entschieden. Bestätigt ist bislang lediglich, dass Frasers seinen Einfluss weiter ausbauen will und Hugo Boss darauf bereits mit dem Stopp seines Aktienrückkaufs reagiert hat.

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