IG Metall verlangt höhere Löhne in der angeschlagenen Stahlindustrie

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die IG Metall fordert für rund 60.000 Beschäftigte der nordwestdeutschen Stahlindustrie eine Lohnerhöhung von fünf Prozent. Die zuständige Tarifkommission beschloss die Forderung am Montag, 2. November 2026. Damit zeichnet sich eine anspruchsvolle Tarifrunde ab, denn die Unternehmen kämpfen weiterhin mit hohen Energiekosten, internationaler Konkurrenz und einer schwachen Nachfrage. Gleichzeitig sieht die Gewerkschaft erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung.

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Fünf Prozent mehr Lohn für rund 60.000 Beschäftigte

Die Stahltarifrunde 2026 betrifft vor allem Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen sowie einen Stahlstandort in Hessen. Zu den großen Unternehmen des Tarifgebiets gehören Thyssenkrupp Steel und der Salzgitter-Konzern. Für Stahlunternehmen im Saarland und in Ostdeutschland gelten eigenständige Tarifverträge.

Mit der Forderung nach fünf Prozent mehr Geld setzt die Gewerkschaft auf eine deutlich stärkere Entgeltsteigerung als beim vergangenen Abschluss. Der derzeitige Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 15 Monaten und endet am 31. Dezember 2026. Nach drei Monaten ohne Lohnerhöhung stiegen die tariflichen Entgelte zum 1. Januar 2026 um 1,75 Prozent. Auszubildende erhielten damals monatlich 75 Euro mehr.

IG Metall-Verhandlungsführer Knut Giesler begründete die neue Forderung mit den Belastungen der Beschäftigten. Sie hätten in den vergangenen Jahren unter schwierigen Bedingungen gearbeitet und den tiefgreifenden Umbau der Stahlindustrie mitgetragen. Zugleich seien die Lebenshaltungskosten für viele Arbeitnehmer weiterhin hoch. Die Gewerkschaft halte eine stärkere Beteiligung an einer möglichen wirtschaftlichen Erholung deshalb für gerechtfertigt.

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Stahlbranche kämpft mit hohen Kosten und internationaler Konkurrenz

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben schwierig. Deutsche Stahlhersteller stehen insbesondere durch hohe Energiepreise, schwache Nachfrage aus wichtigen Industriezweigen und den Wettbewerb mit Produzenten aus Asien unter Druck. Hinzu kommen erhebliche Investitionen, die für den Umbau zu einer klimafreundlicheren Stahlproduktion erforderlich sind.

Wie angespannt die Situation weiterhin ist, verdeutlichen aktuelle Produktionszahlen der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Im September 2026 sank die deutsche Rohstahlerzeugung gegenüber dem Vorjahresmonat um 13 Prozent auf rund 2,63 Millionen Tonnen. Im Zeitraum von Januar bis September lag die Produktion mit rund 26,53 Millionen Tonnen allerdings noch vier Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert.

Die Zahlen zeigen damit eine uneinheitliche Entwicklung. Während die Stahlproduktion im bisherigen Jahresverlauf insgesamt zugelegt hat, ist die zwischenzeitliche Erholung zuletzt ins Stocken geraten. Die Gewerkschaft verweist dennoch auf verbesserte Auftragseingänge und Investitionen einzelner Unternehmen.

Gewerkschaft und Arbeitgeber bewerten die wirtschaftliche Lage unterschiedlich

Die IG Metall sieht trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Spielraum für höhere Einkommen. Aus ihrer Sicht haben die Beschäftigten wesentlich dazu beigetragen, die Produktion aufrechtzuerhalten und die Umstellung der Branche voranzutreiben. Eine Entgelterhöhung soll zugleich die Kaufkraft stärken.

Auf Unternehmensseite stehen dagegen vor allem die Kostenbelastung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt. Besonders die Energiepreise und die schwache Nachfrage erschweren nach Einschätzung der Stahlwirtschaft eine nachhaltige Erholung. Der Arbeitgeberverband Stahl ist der zuständige Tarifpartner für die anstehenden Verhandlungen.

Eine konkrete Gegenforderung oder ein neues Entgeltangebot der Arbeitgeber für die Tarifrunde 2026 lag zunächst nicht vor. Welche finanziellen Zugeständnisse die Unternehmen machen wollen, war damit noch offen.

Erste Tarifverhandlung für den 18. Dezember angesetzt

Die ersten Tarifverhandlungen zwischen der IG Metall und den Arbeitgebern der nordwestdeutschen Stahlindustrie sind für den 18. Dezember 2026 vorgesehen. Der bestehende Entgelttarifvertrag läuft zum Jahresende aus. Gleichzeitig endet am 31. Dezember die Friedenspflicht.

Sollten sich beide Seiten bis dahin nicht einigen, wären nach Ablauf der Friedenspflicht auch Warnstreiks im Rahmen der Tarifauseinandersetzung möglich. Eine Entscheidung über entsprechende Arbeitskampfmaßnahmen ist damit jedoch noch nicht verbunden.

Parallel dazu läuft bereits die gesonderte Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Dort fordert die IG Metall ebenfalls fünf Prozent mehr Geld. Anders als in der Stahlindustrie haben die Verhandlungen in diesem Bereich bereits begonnen und erste Warnstreiks finden statt. Die beiden Tarifrunden betreffen unterschiedliche Tarifverträge und werden unabhängig voneinander geführt.

Für die Stahlbeschäftigten wird sich in den kommenden Wochen entscheiden, ob Gewerkschaft und Arbeitgeber angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen einen gemeinsamen Weg für höhere Einkommen finden.

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