
Der US-Technologiekonzern Oracle plant eine weitere milliardenschwere Kapitalbeschaffung, um seinen Ausbau von Cloud-Diensten und Infrastruktur für künstliche Intelligenz voranzutreiben. Insgesamt sollen 20 Milliarden US-Dollar durch neue Aktien und Anleihen zusammenkommen. Die Finanzierung erfolgt in einer Phase hoher Investitionsausgaben und wachsender Aufmerksamkeit für die Verschuldung des Unternehmens.
Oracle plant 20 Milliarden Dollar über die Ausgabe neuer Aktien und Anleihen einzusammeln. Aus den am Montag, 2. November 2026, bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Unterlagen geht hervor, dass der Konzern Stammaktien im Umfang von zehn Milliarden Dollar anbieten will. Weitere zehn Milliarden Dollar sollen durch Unternehmensanleihen aufgenommen werden. Beide Transaktionen sind voneinander unabhängig und können getrennt abgeschlossen werden.
Die geplanten Anleihen verteilen sich auf sechs Tranchen mit Laufzeiten bis 2029, 2031, 2033, 2037 und 2046. Eine Tranche sieht einen variablen Zinssatz vor, die übrigen fünf sollen fest verzinst werden. Die endgültigen Zinssätze, Ausgabepreise und die Zahl der neu auszugebenden Aktien standen zunächst noch nicht fest.
Der Hintergrund ist der Ausbau von Oracles Cloud-Infrastruktur. Das Unternehmen investiert erhebliche Summen in Rechenzentren, Server und leistungsfähige Chips, um zusätzliche Rechenkapazitäten für KI-Anwendungen bereitzustellen. Zu den großen Kunden des Cloud-Geschäfts zählt auch OpenAI. Oracle konkurriert in diesem Markt unter anderem mit Microsoft und Amazon.
Wie hoch der finanzielle Aufwand bereits ist, zeigen die jüngsten Quartalszahlen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das Ende August 2026 endete, lagen die Investitionsausgaben bei rund 28,5 Milliarden Dollar. Im entsprechenden Vorjahresquartal waren es etwa 8,5 Milliarden Dollar gewesen. Oracle führte den deutlichen Anstieg vor allem auf die Erweiterung seiner Rechenzentren zurück.
Die geplanten Einnahmen aus den neuen Wertpapieren sind allerdings nicht ausschließlich für KI-Projekte vorgesehen. Nach den SEC-Unterlagen kann Oracle die Mittel auch zur Rückzahlung bestehender Schulden, für weitere Investitionen, Übernahmen, Dividenden oder Aktienrückkäufe einsetzen.
Die Kapitalbeschaffung trifft auf eine bereits umfangreiche Finanzierung des Unternehmens. Zum 31. August 2026 beliefen sich Oracles ausgewiesene Kreditverbindlichkeiten und sonstige Finanzschulden auf rund 125,3 Milliarden Dollar. Gleichzeitig hatte der Konzern im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2027 bereits rund 19,9 Milliarden Dollar netto durch ein früheres Aktienverkaufsprogramm eingenommen.
Für die bisherigen Aktionäre bedeutet die erneute Ausgabe von Stammaktien eine mögliche Verwässerung ihrer Beteiligung. Durch zusätzliche Anleihen entstehen dem Unternehmen wiederum weitere Zins- und Rückzahlungsverpflichtungen. Wie stark sich beide Maßnahmen tatsächlich auswirken, hängt von den endgültigen Konditionen ab.
An der Börse reagierten Anleger zunächst zurückhaltend. Die Oracle-Aktie gab am Montag im vorbörslichen US-Handel um knapp sechs Prozent nach. Die Angabe stammt von Reuters mit Meldungsstand vom 2. November 2026, 14.22 Uhr MEZ.
Erst am 28. Oktober hatte Oracle seine längerfristigen Finanzziele vorgestellt. Demnach soll der Jahresumsatz im Geschäftsjahr 2030 auf mindestens 225 Milliarden Dollar steigen. Zugleich erwartet das Management, dass die Investitionsausgaben in den Geschäftsjahren 2027 und 2028 ihren Höhepunkt erreichen und anschließend zurückgehen.
Nach den Unternehmensprognosen soll der freie Cashflow in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028 wieder positiv werden. Für das Geschäftsjahr 2029 stellt Oracle einen freien Cashflow von mindestens 30 Milliarden Dollar in Aussicht. Dabei handelt es sich um Unternehmensziele, deren Erreichen von der weiteren Geschäftsentwicklung abhängt.
Mit der jetzt konkretisierten Kapitalaufnahme setzt Oracle zugleich den Finanzierungsrahmen um, den das Unternehmen Ende Oktober angekündigt hatte. Demnach sollen bis zum Geschäftsjahr 2030 zusätzlich höchstens 20 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt aufgenommen werden, ausgenommen die Refinanzierung bestehender Schulden. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, wie schnell die hohen Ausgaben für KI-Rechenzentren zu entsprechenden Einnahmen und frei verfügbaren Finanzmitteln führen.
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