
Die ING wirbt derzeit nicht mehr ausschließlich bei Neukunden mit deutlich höheren Tagesgeldzinsen. Ausgewählte Bestandskunden erhalten ein personalisiertes Angebot mit 3,75 Prozent Zinsen pro Jahr für vier Monate auf neu eingezahltes Geld. Die Aktion fällt in eine Phase, in der sich die Konditionen für Tagesgeld und Festgeld bei mehreren Banken nach oben bewegen. Der jüngste Zinsschritt der Europäischen Zentralbank verstärkt den Druck auf den Markt zusätzlich.
Die EZB beschloss am Donnerstag, 10. September 2026, ihre drei Leitzinsen jeweils um 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Der für Sparer besonders relevante Einlagenzins steigt damit mit Wirkung zum 16. September von 2,25 auf 2,50 Prozent. Banken erhalten diesen Satz, wenn sie überschüssige Liquidität über Nacht bei der Zentralbank hinterlegen. Veränderungen des Einlagenzinses beeinflussen deshalb auch den Wettbewerb um Kundeneinlagen, werden aber nicht automatisch oder vollständig an Sparer weitergegeben.
Beim ING Tagesgeld für Bestandskunden handelt es sich nach den bislang verfügbaren Angaben um keine generelle Zinserhöhung für sämtliche bestehenden Kunden. Das Angebot wird personalisiert ausgespielt und richtet sich damit nur an Kunden, denen die ING die Aktion ausdrücklich anbietet.
Für diese ausgewählten Bestandskunden lag der Aktionszins mit Stand 11. September 2026 bei 3,75 Prozent pro Jahr für vier Monate. Voraussetzung ist, dass mindestens 2.500 Euro neues Geld von einer anderen Bank auf das Extra-Konto fließt. Berücksichtigt werden nach den vorliegenden Aktionsbedingungen bis zu 500.000 Euro. Die Einzahlung muss demnach bis zum 25. September 2026 erfolgen. Einzahlungen und Auszahlungen während der Einzahlungsphase werden miteinander verrechnet.
Eine allgemein zugängliche Ankündigung der ING, wonach sämtliche Bestandskunden diese Konditionen erhalten, lag zunächst nicht vor. Der reguläre variable Zinssatz für bestehende Extra-Konten lag nach Angaben der Bank mit Stand 11. September weiterhin bei 0,75 Prozent pro Jahr.
Für Neukunden gelten andere Konditionen. Wer die Voraussetzungen für ein erstes Extra-Konto erfüllt, erhält bei der ING mit Stand 11. September 2026 für vier Monate 3,20 Prozent pro Jahr auf Guthaben bis 250.000 Euro. Bei gleichzeitiger Eröffnung eines Girokontos und des ersten Extra-Kontos lag der Aktionszins bei 3,75 Prozent pro Jahr für vier Monate. Anschließend gilt nach derzeitigem Stand der variable Basiszins von 0,75 Prozent.
Der neue Wettbewerb um Spargeld trifft auf eine veränderte Geldpolitik. Die EZB begründete ihre Zinserhöhung mit anhaltendem Inflationsdruck. Für 2026 erwartet die Zentralbank in ihrem Basisszenario eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,0 Prozent. Für 2027 lag die Prognose bei 2,5 Prozent und für 2028 bei 2,1 Prozent.
Die Zentralbank legte sich zugleich nicht auf weitere Zinsschritte fest. Aussagen über zusätzliche Erhöhungen bleiben deshalb Prognosen. Für Banken bedeutet der höhere Einlagenzins zunächst, dass die Verzinsung überschüssiger Mittel bei der EZB attraktiver wird. Wie stark und wie schnell einzelne Institute diesen Effekt in Form höherer Tagesgeldzinsen an Kunden weitergeben, entscheiden sie selbst.
Die Entwicklung bei Sparzinsen hatte bereits vor dem EZB-Beschluss Fahrt aufgenommen. Hintergrund waren unter anderem gestiegene Kapitalmarktzinsen und Erwartungen an eine straffere Geldpolitik. Deshalb lässt sich nicht jede aktuelle Erhöhung unmittelbar auf die Entscheidung vom 10. September zurückführen.
Der Zinswettbewerb war Anfang September bereits sichtbar. Die Nordax Bank erhöhte ihren Tagesgeldzins nach Daten von Verivox am 9. September 2026 von 2,18 auf 2,20 Prozent pro Jahr. Die Volkswagen Bank bot seit dem 8. September einen Aktionszins von 3,50 Prozent pro Jahr für sechs Monate an.
Auch beim Festgeld gab es Anpassungen. Die SWK Bank erhöhte am 8. September mehrere Laufzeiten. Bei zwölf Monaten lag der Zinssatz anschließend bei 3,01 Prozent pro Jahr nach zuvor 2,90 Prozent. Für 24 und 36 Monate lag er bei jeweils 3,21 Prozent nach zuvor 3,10 Prozent. Die estnische Coop Pank hob am 9. September den Zins für sechsmonatiges Festgeld von 2,72 auf 2,77 Prozent pro Jahr an.
Diese Änderungen erfolgten noch vor der formellen EZB-Entscheidung. Eine breite neue Runde von Zinserhöhungen, die eindeutig erst als Reaktion auf den Beschluss vom 10. September vorgenommen wurde, war bis Freitag, 11. September, noch nicht belastbar dokumentiert.
Bei der Einordnung der aktuellen Angebote ist zwischen befristeten Sonderzinsen und dauerhaft variablen Konditionen zu unterscheiden. Aktionszinsen gelten häufig nur für Neukunden, neues Geld oder einen festgelegten Zeitraum. Nach Ablauf greift der jeweilige Basiszins des Anbieters.
Am deutschen Tagesgeldmarkt lagen die höchsten zeitlich begrenzten Angebote Anfang September teilweise oberhalb von vier Prozent pro Jahr. Vergleichsdaten zeigten mit Stand 10. September beispielsweise Aktionszinsen bis 4,25 Prozent. Solche Spitzenwerte sagen jedoch nichts darüber aus, welcher Zinssatz nach Ende einer Aktion gilt.
Die ING-Aktion für ausgewählte Bestandskunden ist deshalb vor allem ein Zeichen dafür, dass sich der Wettbewerb um Einlagen nicht mehr ausschließlich auf neue Kunden beschränkt. Ob daraus eine dauerhafte Anhebung des regulären Bestandskundenzinses oder weitere breit zugängliche Aktionen entstehen, war am 11. September nicht offiziell bestätigt.
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