Studie verbindet mehr Alltagsbewegung mit besserer Psyche

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

Mehr Bewegung im Alltag könnte bei Jugendlichen mit einer günstigeren psychischen Entwicklung zusammenhängen. Eine neue US-Studie mit 5.515 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigt, dass Jugendliche mit höheren täglichen Schrittzahlen ein Jahr später im Durchschnitt weniger psychische Probleme aufwiesen. Erfasst wurden unter anderem Symptome wie Angst, Niedergeschlagenheit sowie Aufmerksamkeits- und Verhaltensprobleme. Die Untersuchung belegt allerdings nicht, dass zusätzliche Schritte diese Unterschiede verursachen.

Die Arbeit wurde am 1. Oktober 2026 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht. Beteiligt waren Forschende des King’s College London und der University of Massachusetts Amherst. Die Daten stammen aus der großen US-amerikanischen Adolescent Brain Cognitive Development Study, kurz ABCD Study.

Jugendliche trugen drei Wochen lang Schrittzähler

Die untersuchten Jugendlichen waren zum Zeitpunkt der Bewegungsmessung im Durchschnitt knapp zwölf Jahre alt. Sie trugen für einen Zeitraum von rund drei Wochen Fitbit-Geräte, mit denen ihre täglichen Schritte objektiv erfasst wurden. Im Mittel kamen die Teilnehmer auf rund 9.600 Schritte am Tag.

Etwa ein Jahr später wurde ihre psychische Gesundheit erneut untersucht. Dabei zeigte sich ein abgestufter Zusammenhang: Je höher die zuvor gemessene Schrittzahl war, desto niedriger lagen im Durchschnitt die Werte für psychische Probleme.

Für eine zusätzliche Analyse teilten die Forschenden die Jugendlichen in fünf Gruppen ein. Diese reichten von weniger als 5.000 Schritten am Tag über mehrere Zwischenstufen bis zu mindestens 12.000 Schritten täglich. Im Vergleich zur Gruppe mit weniger als 5.000 Schritten wiesen sämtliche Gruppen mit höheren Schrittzahlen niedrigere durchschnittliche Werte bei den erfassten psychischen Problemen auf.

Damit sprechen die Daten nicht für eine einzelne Schwelle, ab der Bewegung plötzlich mit günstigeren Ergebnissen verbunden wäre. Vielmehr zeigte sich innerhalb des untersuchten Bereichs ein gradueller Zusammenhang.

Auch kleinere Unterschiede bei den Schritten waren relevant

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass tägliche Schritte bei Jugendlichen eine leicht erfassbare Größe sein können, um Alltagsbewegung abzubilden. Dazu müssen Jugendliche nicht zwingend intensiven Sport treiben. Zusätzliche Wege zu Fuß, Bewegung in der Freizeit oder ein aktiver Schulweg können die tägliche Schrittzahl erhöhen.

Ein Schulweg zu Fuß wurde in der Untersuchung allerdings nicht gesondert untersucht. Die Daten erlauben deshalb keine Aussage darüber, ob gerade das Gehen zur Schule einen besonderen Effekt auf die psychische Gesundheit hat. Es handelt sich vielmehr um ein praktisches Beispiel dafür, wie mehr Bewegung in den Tagesablauf integriert werden kann.

Auch lässt sich aus der Studie keine feste Schrittzahl ableiten, die Jugendliche erreichen müssten. Die beobachteten Zusammenhänge reichten in den Daten bis zur höchsten untersuchten Gruppe von mindestens 12.000 Schritten pro Tag. Ob sich dieser Verlauf bei deutlich höheren Werten fortsetzt, lässt sich daraus nicht bestimmen.

Unterschiede auch in zwei Hirnregionen festgestellt

Die Forschenden untersuchten zusätzlich MRT-Aufnahmen des Gehirns. Dabei war eine höhere tägliche Schrittzahl mit einer etwas größeren Dicke der Großhirnrinde in zwei Regionen verbunden. Betroffen waren der parazentrale Bereich sowie der rostrale anteriore cinguläre Cortex. Diese Regionen werden unter anderem mit Bewegung und der Verarbeitung von Emotionen in Verbindung gebracht.

In einer statistischen Analyse zeigte sich außerdem, dass Unterschiede im parazentralen Cortex einen kleinen Teil des Zusammenhangs zwischen Schrittzahl und späterer psychischer Gesundheit erklären konnten.

Daraus lässt sich jedoch kein nachgewiesener biologischer Wirkmechanismus ableiten. Die Unterschiede im Gehirn waren klein, und die Autoren weisen selbst darauf hin, dass die Ergebnisse solcher statistischen Vermittlungsanalysen vorsichtig interpretiert werden müssen.

Kein allgemeiner Vorteil bei den schulischen Leistungen

Neben psychischer Gesundheit und Gehirnstruktur untersuchte das Forschungsteam auch schulische Leistungen. Für die tägliche Schrittzahl zeigte sich insgesamt kein belastbarer Zusammenhang mit besseren akademischen Ergebnissen.

Damit unterscheiden sich die Befunde zur psychischen Gesundheit von den Ergebnissen für die schulische Leistung. Mehr Alltagsbewegung ging in dieser Untersuchung also nicht automatisch mit besseren Ergebnissen in beiden Bereichen einher.

Studie kann Ursache und Wirkung nicht beweisen

Entscheidend für die Interpretation ist das Studiendesign. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Die Forschenden konnten zwar zahlreiche Faktoren statistisch berücksichtigen und die Verbindung zwischen Schrittzahl und späteren psychischen Symptomen blieb auch bestehen, wenn frühere psychische Probleme einbezogen wurden. Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung lässt sich daraus dennoch nicht ableiten.

So ist beispielsweise möglich, dass Jugendliche mit geringerer psychischer Belastung bereits von sich aus körperlich aktiver sind. Ebenso können weitere Unterschiede zwischen Familien, Wohnumfeld, Gesundheit und Lebensgewohnheiten eine Rolle spielen.

Hinzu kommt, dass die für die Analyse verfügbaren Teilnehmer im Durchschnitt aus sozial günstigeren Verhältnissen kamen und weniger psychische Probleme hatten als ausgeschlossene Teilnehmer der übergeordneten Studie. Das begrenzt die Übertragbarkeit auf alle Jugendlichen.

Die Schrittzahl erfasst zudem vor allem gehende und laufende Bewegung. Andere Aktivitäten wie Schwimmen, bestimmte Sportarten oder unterschiedliche Belastungsintensitäten werden dadurch nur unvollständig abgebildet.

Schrittzahl ersetzt keine Bewegungsempfehlung

Die Ergebnisse liefern deshalb keine neue offizielle Vorgabe für eine bestimmte Zahl von Schritten pro Tag. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Kindern und Jugendlichen im Alter von fünf bis 17 Jahren weiterhin durchschnittlich mindestens 60 Minuten moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Tag. Dazu sollten regelmäßig auch intensivere sowie muskel- und knochenstärkende Aktivitäten gehören.

Die neue Studie ergänzt diese Empfehlungen um eine alltagsnahe Perspektive. Auch Bewegung, die sich über den ganzen Tag ansammelt, kann mit der psychischen Gesundheit zusammenhängen. Ob zusätzliche Schritte tatsächlich Angst oder depressive Symptome verhindern oder verringern können, müsste jedoch durch weitere Langzeitstudien und kontrollierte Untersuchungen geklärt werden.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu