
Beschädigte Kabel bei Backnang haben zu Einschränkungen im Zugverkehr sowie zu Störungen bei Internet und Telefon geführt. Unbekannte hatten sich am Sonntagnachmittag Zugang zu einem Betonschacht an der Bahnstrecke zwischen Backnang und dem Stadtteil Maubach in Baden-Württemberg verschafft und dort mehrere Kabel mit Werkzeug durchtrennt. Die Kriminalpolizei ermittelt. Nach Angaben eines Polizeisprechers befasst sich die Fachinspektion Staatsschutz mit dem Verdacht auf Sabotage. Ob tatsächlich ein gezielter Sabotageakt vorliegt, war am Dienstag zunächst nicht geklärt.
Nach Angaben des Polizeipräsidiums Aalen ereignete sich der Vorfall am Sonntagnachmittag, dem 23. August 2026. Die Unbekannten gelangten demnach an einen Betonschacht in der Nähe der Gleise zwischen Backnang und Maubach. Dort wurden mehrere Kabel mit Werkzeug durchtrennt. Welche Leitungen im Einzelnen beschädigt wurden und wem sie jeweils gehören, geht aus der veröffentlichten Polizeimeldung nicht hervor.
Fest steht nach Angaben der Polizei, dass die Beschädigungen Datenausfälle auslösten. In der Folge kam es sowohl zu Einschränkungen im Bahnverkehr als auch zu Störungen der Internet- und Telefonversorgung in Backnang. Damit wirkte sich die Beschädigung nicht ausschließlich auf den Schienenverkehr aus, sondern zugleich auf Telekommunikationsverbindungen in der rund 38.000 Einwohner zählenden Stadt nordöstlich von Stuttgart.
Wie groß die Beeinträchtigungen konkret waren, blieb zunächst offen. Angaben dazu, wie viele Züge betroffen waren oder wie lange die Einschränkungen im Bahnverkehr dauerten, lagen am Dienstagvormittag nicht vor. Auch zum Umfang der Ausfälle bei Internet und Telefon veröffentlichte die Polizei zunächst keine Zahlen.
Die Ermittlungen liegen bei der Kriminalpolizei. Darüber hinaus ermittelt nach Angaben eines Polizeisprechers die Fachinspektion Staatsschutz wegen des Verdachts auf Sabotage. Damit steht eine vorsätzliche Beschädigung kritischer Infrastruktur als mögliche Erklärung im Raum. Dass die Kabel tatsächlich mit einem entsprechenden Motiv durchtrennt wurden, ist damit jedoch nicht festgestellt.
Die Ermittler schließen nach dem bisherigen Stand auch nicht aus, dass sich Personen wegen Arbeiten an der Strecke an dem Kabelschacht aufgehalten haben könnten. Nach Angaben des Polizeisprechers werde allerdings davon ausgegangen, dass die Deutsche Bahn bei regulären Arbeiten an dieser Stelle informiert gewesen wäre. Zu den genauen Umständen gab es zunächst keine gesicherten Angaben.
Ein politischer Hintergrund wurde von den Behörden für den Fall bei Backnang bislang nicht bestätigt. Auch Hinweise auf ein Bekennerschreiben oder eine bestimmte Gruppierung wurden nicht bekanntgegeben. Ebenso wenig liegen bestätigte Angaben zu möglichen Tatverdächtigen vor.
Für die Ermittlungen sucht die Polizei nach Personen, die am Sonntagnachmittag auf Feld- oder Wanderwegen zwischen Backnang und Maubach Beobachtungen gemacht haben. Von Interesse sind insbesondere Hinweise auf Personen, die möglicherweise wie Arbeiter wirkten oder Werkzeug mitführten. Auch andere auffällige Beobachtungen im Umfeld der Bahnstrecke können für die Ermittlungen von Bedeutung sein. Hinweise nimmt das Polizeipräsidium Aalen entgegen.
Dass die Polizei ausdrücklich auch nach möglichen Arbeitern fragt, unterstreicht die weiterhin offene Ausgangslage. Der derzeitige Ermittlungsstand erlaubt noch keine abschließende Aussage darüber, warum die Kabel durchtrennt wurden und wer dafür verantwortlich ist.
Der Fall zeigt zugleich, wie eng Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur an einzelnen Standorten miteinander verbunden sein können. Kabeltrassen entlang von Bahnstrecken dienen nicht zwangsläufig ausschließlich dem Eisenbahnbetrieb. In Kabelschächten und entlang von Verkehrswegen können unterschiedliche Daten- und Telekommunikationsleitungen verlaufen. Welche technische Konstellation bei Backnang zu den parallelen Störungen führte, wurde bislang nicht näher erläutert.
Dass Beschädigungen an Kabelschächten unterschiedliche Auswirkungen haben können, zeigte erst Anfang August ein anderer Fall in Leverkusen. Dort hatten Unbekannte nach Angaben der Polizei Köln mehrere Daten-, Strom- und Glasfaserkabel in einem unterirdischen Schacht durchtrennt. Die betroffenen Leitungen der Deutschen Bahn wurden nicht mehr genutzt, sodass der Bahnverkehr unbeeinträchtigt blieb. Ein Telekommunikationsanbieter meldete jedoch Störungen bei rund 400 Haushalten. Der Kölner Staatsschutz ging dort von Sabotage zum Nachteil der Deutschen Bahn aus. Eine Verbindung zwischen diesem Fall und den aktuellen Ermittlungen bei Backnang ist nicht bekannt.
Bereits im Juli hatte zudem ein vorsätzlich gelegter Brand in einem Kabelschacht der Deutschen Bahn bei Leverkusen zu Störungen im Bahnbetrieb geführt. Damals übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen, weil ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden konnte. Auch daraus ergibt sich keine belegte Verbindung zum Vorfall in Baden-Württemberg.
Für Backnang steht damit zunächst fest, dass mehrere Kabel gewaltsam durchtrennt wurden und anschließend Störungen in unterschiedlichen Infrastrukturnetzen auftraten. Die Ermittlungen zum möglichen Hintergrund befinden sich noch am Anfang.
Offen ist insbesondere, wer Zugang zu dem Schacht hatte, weshalb die Kabel beschädigt wurden und ob gezielt bestimmte Leitungen ausgewählt wurden. Ebenso ist bislang nicht bekannt, welcher Sachschaden entstanden ist und wann sämtliche technischen Folgen vollständig behoben waren. Bestätigt ist lediglich, dass die Beschädigungen Datenausfälle verursachten und sowohl den Bahnverkehr als auch Internet und Telefon in Backnang beeinträchtigten.
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