Öltanker vor Oman getroffen: Crew sicher, Schiff außer Fahrt

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Ein Angriff auf einen Öltanker in der Straße von Hormus hat die ohnehin angespannte Lage auf einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt weiter verschärft. Ein unbekanntes Projektil traf das Schiff in der Nacht zum Dienstag vor der Küste Omans. Nach Angaben der britischen Seefahrtsstelle UK Maritime Trade Operations, kurz UKMTO, wurde der Maschinenraum beschädigt und der Tanker dadurch manövrierunfähig. Die Besatzung sei in Sicherheit. Wer für den Angriff verantwortlich ist, war zunächst unklar.

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Projektil trifft Maschinenraum vor der Küste Omans

Der Vorfall ereignete sich nach den vorliegenden Angaben rund neun Seemeilen, etwa 17 Kilometer, nordöstlich von Ash Shishah an der omanischen Küste. Der Kapitän des Tankers meldete UKMTO, das Schiff sei von einem unbekannten Projektil getroffen worden. Dabei sei der Maschinenraum beschädigt worden. Das Schiff habe anschließend nicht mehr aus eigener Kraft manövrieren können.

Die Besatzung wurde als sicher gemeldet. Zu möglichen Umweltschäden gab es zunächst keine gesicherten Angaben. UKMTO rief Schiffe in dem Gebiet dazu auf, besonders vorsichtig zu fahren und verdächtige Aktivitäten zu melden. Die Behörden untersuchen den Vorfall.

Die britische Stelle veröffentlichte zunächst keinen Namen des betroffenen Tankers. Maritime Fachpublikationen identifizierten das Schiff als die unter liberianischer Flagge fahrende „Metro Venetian“. Das Schiff wurde 2025 gebaut und gehört zur Größenklasse Aframax beziehungsweise LR2. Eine unabhängige Bestätigung, dass es sich tatsächlich um dieses Schiff handelt, lag in der ersten offiziellen UKMTO-Meldung nicht vor.

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Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus bereits stark reduziert

Der Vorfall trifft eine Route, deren Verkehr bereits deutlich unter dem früheren Niveau liegt. Nach Daten des Schiffsanalysedienstes Kpler passierten am vergangenen Wochenende weniger als 20 Frachtschiffe die Straße von Hormus. Am Sonntag wurden zunächst vier Durchfahrten registriert, am Samstag 13. Da einige Schiffe ihre AIS-Transponder abschalten, können sich diese Zahlen nachträglich verändern.

UKMTO bezifferte die per AIS erfassten Passagen zuletzt auf rund 90 Prozent unter dem Niveau vor Beginn des aktuellen Konflikts. In der Woche bis zum 21. August wurden 89 auslaufende und 103 einlaufende Schiffe registriert. Tanker stellten dabei den größten Anteil. Seit Anfang Juli hat UKMTO zudem zahlreiche Vorfälle mit Projektiltreffern und Schäden an Handelsschiffen in der Meerenge und ihrer Umgebung erfasst.

Für Reedereien bedeutet die Situation höhere Risiken und zusätzliche Kosten. Schiffe können Fahrten verschieben, Routen ändern oder auf weitere Sicherheitsmaßnahmen angewiesen sein. Vollwertige Ausweichmöglichkeiten für die Straße von Hormus gibt es jedoch nur begrenzt.

Straße von Hormus bleibt zentrale Route für Öl und Gas

Die Meerenge zwischen Oman und Iran gehört zu den wichtigsten Nadelöhren des weltweiten Energiehandels. Nach Daten der US-Energiebehörde EIA wurden im ersten Halbjahr 2025 im Schnitt rund 20,9 Millionen Barrel Rohöl und andere flüssige Erdölprodukte pro Tag durch die Straße von Hormus transportiert. Im Jahr 2024 waren es rund 20,7 Millionen Barrel täglich.

Das entsprach in früheren Vergleichszeiträumen etwa einem Fünftel des weltweiten Verbrauchs flüssiger Erdölprodukte. Hinzu kommt ein erheblicher Teil des internationalen Handels mit Flüssigerdgas. Vor allem Katar ist bei seinen LNG-Ausfuhren stark auf die Passage angewiesen.

Nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über größere Pipelinekapazitäten, mit denen sich ein Teil der Ölexporte an der Meerenge vorbeiführen lässt. Diese Kapazitäten reichen jedoch nicht aus, um die gesamte normalerweise durch Hormus transportierte Menge zu ersetzen.

Ölpreise reagieren zunächst nicht mit einem neuen Sprung

Trotz des erneuten Zwischenfalls stiegen die Ölpreise am Dienstagmorgen zunächst nicht deutlich an. Im Gegenteil: Brent-Rohöl verbilligte sich bis 06.30 Uhr GMT um rund ein Prozent auf 91,27 US-Dollar je Barrel. Die US-Sorte West Texas Intermediate verlor 0,9 Prozent auf 84,25 Dollar. Bereits am Montag hatten beide wichtigen Referenzsorten mehr als zwei Prozent nachgegeben.

Damit zeigte sich zunächst keine unmittelbare starke Marktreaktion auf den Tankerangriff. Der Ölmarkt wird derzeit von mehreren gegenläufigen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören die bereits bestehenden Lieferunterbrechungen in der Region, die eingeschränkte Nutzung der Straße von Hormus, US-Sanktionen gegen Iran sowie Erwartungen über das weitere militärische und diplomatische Vorgehen.

Die Risiken für den Energiehandel bleiben dennoch erheblich. Schon kleinere Veränderungen bei der Zahl der durchfahrenden Tanker können sich auf Frachtkosten, Lieferzeiten und regionale Preisunterschiede auswirken. Die US-Energiebehörde hatte bereits für das zweite Quartal 2026 festgestellt, dass die Einschränkungen in der Straße von Hormus zu höheren und deutlich volatileren Ölpreisen beigetragen hatten.

Urheberschaft des Angriffs bleibt offen

Wer das Projektil abgefeuert hat, war am Dienstagvormittag nicht bestätigt. UKMTO machte dazu keine Angaben. Eine unabhängige Bestätigung für eine konkrete Verantwortlichkeit lag zunächst nicht vor.

Der Angriff erhöht damit vor allem den Druck auf die kommerzielle Schifffahrt. Für Reedereien und Energieunternehmen bleibt entscheidend, ob sich weitere Schiffe sicher durch die Meerenge bewegen können und ob der zuletzt stark verringerte Verkehr wieder zunimmt. Solange die Passage nur eingeschränkt genutzt wird, bleibt die Straße von Hormus ein zentraler Unsicherheitsfaktor für den internationalen Öl- und Gasmarkt.

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