Deutsche werden bei Künstlicher Intelligenz deutlich zurückhaltender

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Grzegorz Walczak

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Die Zustimmung zu Künstlicher Intelligenz hat in Deutschland deutlich nachgelassen. Im aktuellen Ipsos AI Monitor sehen nur noch 37 Prozent der Befragten in KI-gestützten Produkten und Dienstleistungen mehr Vorteile als Nachteile. Ein Jahr zuvor waren es noch 49 Prozent. Damit verliert die positive Bewertung innerhalb eines Jahres zwölf Prozentpunkte. Auch die Begeisterung für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz sinkt. Deutschland gehört im internationalen Vergleich zu den besonders zurückhaltenden Ländern.

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Die KI-Akzeptanz in Deutschland unterscheidet sich damit deutlich von der Stimmung in vielen anderen Teilen der Welt. Im Durchschnitt der 32 untersuchten Länder halten 55 Prozent die Vorteile von KI-Produkten und -Dienstleistungen für größer als deren Nachteile. Der Abstand zu Deutschland beträgt 18 Prozentpunkte. Von einer halb so hohen Zustimmung wie im weltweiten Durchschnitt kann allerdings nicht gesprochen werden.

Positive Bewertung von KI fällt innerhalb eines Jahres deutlich

Besonders auffällig ist weniger der absolute Wert als dessen Entwicklung. 2025 hatten noch 49 Prozent der Befragten in Deutschland angegeben, KI-Produkte und -Dienstleistungen brächten insgesamt mehr Vorteile als Nachteile. 2026 sind es 37 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil derjenigen, die dieser Aussage widersprechen, auf 44 Prozent.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der emotionalen Bewertung. 37 Prozent der Deutschen sagen, Produkte und Dienstleistungen mit Künstlicher Intelligenz begeisterten sie. Im Vorjahr waren es 45 Prozent. Der Rückgang um acht Prozentpunkte gehört zu den stärksten Veränderungen unter den Ländern, die sowohl 2025 als auch 2026 untersucht wurden.

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Zurückhaltung bedeutet dabei nicht automatisch stärkere Angst vor der Technologie. 41 Prozent der Deutschen geben an, KI-Produkte und -Dienstleistungen machten sie nervös. Im Durchschnitt der 32 untersuchten Länder liegt dieser Wert bei rund 50 Prozent. Die deutschen Ergebnisse zeigen somit eher eine vergleichsweise schwache positive Bewertung als eine außergewöhnlich hohe Nervosität.

Deutschland liegt im internationalen Vergleich weit hinten

Die Unterschiede zwischen den untersuchten Ländern sind erheblich. In China sind 85 Prozent der Befragten der Ansicht, dass KI-Produkte und -Dienstleistungen mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringen. In Indien sind es 80 Prozent und in Indonesien 77 Prozent. Auch Thailand, Peru, Malaysia und Singapur erreichen deutlich höhere Zustimmungswerte.

Deutschland kommt dagegen auf 37 Prozent. Niedriger liegt unter den 32 untersuchten Märkten nur Kanada mit 34 Prozent. Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und die USA bewegen sich ebenfalls im unteren Bereich der Rangliste. Damit zeigt sich eine deutliche regionale Trennlinie. Vor allem in mehreren asiatischen und lateinamerikanischen Staaten werden die Vorteile Künstlicher Intelligenz wesentlich positiver bewertet als in vielen europäischen Ländern und Nordamerika.

Der internationale Durchschnitt ist allerdings nicht als nach Bevölkerungsgröße gewichteter Weltwert zu verstehen. Ipsos bildet für den sogenannten 32-Länder-Durchschnitt den Mittelwert der Ergebnisse der untersuchten Märkte. Ein bevölkerungsreiches Land wie Indien oder China beeinflusst diesen Wert deshalb nicht stärker als ein kleineres Untersuchungsland.

KI verändert den deutschen Alltag bislang seltener

Auch bei der wahrgenommenen Bedeutung im eigenen Leben liegt Deutschland unter dem internationalen Vergleichswert. 33 Prozent der Befragten geben an, KI-gestützte Produkte und Dienstleistungen hätten ihren Alltag in den vergangenen drei bis fünf Jahren grundlegend verändert. Über alle 32 Länder hinweg liegt der entsprechende Durchschnitt bei 54 Prozent.

Für die Zukunft erwarten allerdings deutlich mehr Menschen in Deutschland einen starken Einfluss. 55 Prozent gehen davon aus, dass KI ihren Alltag in den kommenden drei bis fünf Jahren grundlegend verändern wird. International sind es im Durchschnitt 66 Prozent.

Das zeigt eine auffällige Diskrepanz: Viele Menschen rechnen mit einer zunehmenden Bedeutung der Technologie, ohne ihre bisherigen Auswirkungen oder Vorteile besonders positiv einzuschätzen. Der erwartete Einfluss von KI ist damit größer als die gegenwärtige Begeisterung.

Bei Gesundheit, Finanzen und Bewerbungen sinkt die Zustimmung

Wie stark Künstliche Intelligenz akzeptiert wird, hängt zudem vom jeweiligen Einsatzgebiet ab. Bei einer KI-gestützten Bestellannahme im Restaurant fühlen sich 51 Prozent der Deutschen wohl. Bei der Verwendung von KI für Online-Suchergebnisse liegt der Anteil bei 61 Prozent.

Deutlich zurückhaltender sind die Befragten, wenn Entscheidungen ihre Gesundheit, Finanzen oder beruflichen Chancen betreffen. Mit einer KI-gestützten Diagnose von Krankheiten fühlen sich 32 Prozent wohl. Bei der Unterstützung persönlicher Finanzentscheidungen sind es 29 Prozent.

Besonders skeptisch wird eine automatisierte Vorauswahl von Bewerbern bewertet. Nur 24 Prozent fühlen sich damit wohl, während 64 Prozent einen solchen KI-Einsatz ablehnen. Auch eine Nutzung für Aufgaben im Bereich nationaler Sicherheit oder Verteidigung findet mit 27 Prozent nur bei einer Minderheit Zustimmung.

Zugleich sprechen sich drei Viertel der Befragten in Deutschland dafür aus, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Produkten und Dienstleistungen kenntlich zu machen. Transparenz spielt damit selbst bei einer Technologie eine wichtige Rolle, deren Verwendung inzwischen in immer mehr Alltagssituationen erwartet wird.

Auch am Arbeitsplatz bleibt der Nutzen vergleichsweise gering

Besonders deutlich fällt der internationale Abstand bei der Arbeit aus. 38 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland geben an, dass KI ihnen innerhalb der vergangenen zwölf Monate Arbeitszeit gespart habe. Im Durchschnitt der untersuchten Länder liegt dieser Anteil bei 62 Prozent.

Gleichzeitig erwarten 45 Prozent der berufstätigen Befragten in Deutschland, dass Künstliche Intelligenz den eigenen Arbeitsplatz innerhalb der nächsten fünf Jahre verändern wird. Einen vollständigen Ersatz des eigenen Arbeitsplatzes durch KI halten dagegen 16 Prozent für wahrscheinlich.

Die Ergebnisse zeichnen damit kein Bild einer grundsätzlichen Ablehnung der Technologie. Vielmehr zeigt sich eine Bevölkerung, die mit einem wachsenden Einfluss von KI rechnet, deren konkrete Vorteile aber deutlich zurückhaltender bewertet als Menschen in vielen anderen untersuchten Ländern.

Für den Ipsos AI Monitor wurden zwischen dem 20. März und dem 3. April 2026 insgesamt 23.532 Menschen in 32 Ländern online befragt. In Deutschland umfasste die Stichprobe rund 1.000 Personen. Nach Angaben von Ipsos kann die deutsche Stichprobe als repräsentativ für die Bevölkerung der untersuchten Altersgruppe gelten.

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