KI verändert die Cybergefahr: Infrastruktur stärker im Fokus

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Grzegorz Walczak

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Künstliche Intelligenz verändert nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden die Bedrohung durch Cyberangriffe. Leistungsfähige KI-Modelle können Angriffe automatisieren, Schwachstellen schneller finden und technische Hürden für Angreifer senken. Gleichzeitig wächst in der Sicherheitspolitik der Druck, zivile und kritische Infrastruktur in Deutschland besser gegen digitale und hybride Angriffe zu schützen. Auch der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Thomas Röwekamp von der CDU, hat den Schutz ziviler Infrastruktur wiederholt als sicherheitspolitische Aufgabe bezeichnet.

Eine aktuelle, eigenständige Stellungnahme Röwekamps, in der er am 10. September ausdrücklich vor KI-gestützten Cyberangriffen auf zivile Infrastruktur warnt, war zunächst nicht über eine Primärquelle des Bundestages dokumentiert. Offiziell bestätigt ist, dass Röwekamp seit Mai 2025 den Verteidigungsausschuss leitet. Seine bisherigen öffentlichen Äußerungen zeigen zudem, dass er Cyberangriffe, Drohnen und andere hybride Bedrohungen nicht nur als militärisches Problem betrachtet, sondern auch den Schutz ziviler Einrichtungen fordert.

Sicherheitsbehörden sehen durch KI eine neue Angriffsdynamik

Die grundsätzliche Gefahr wird von den zuständigen Bundesbehörden deutlich beschrieben. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik rechnen wegen leistungsfähigerer KI-Systeme mit einer verschärften Lage im Cyberraum. Nach Angaben der Behörden können solche Systeme bei der Vorbereitung, Automatisierung und Skalierung von Cyberoperationen eingesetzt werden. Das bedeutet, dass einzelne Arbeitsschritte schneller ablaufen und Angriffe auf eine größere Zahl möglicher Ziele ausgeweitet werden können.

Das BSI verweist zudem darauf, dass moderne KI-Modelle zunehmend in der Lage sind, Schwachstellen in Software zu erkennen. Nach der im August bekannt gewordenen Einschätzung der Behörde können besonders leistungsfähige Modelle teilweise auch dabei eingesetzt werden, gefundene Sicherheitslücken auszunutzen. Noch begrenzen Rechenaufwand und Kosten den breiten Einsatz der leistungsfähigsten Systeme. Sinkende Hardwarekosten könnten diese Hürde jedoch reduzieren.

KI ist dabei nicht ausschließlich ein Werkzeug für Angriffe. Verfassungsschutz und BSI weisen ebenfalls darauf hin, dass dieselbe Technologie für die Verteidigung genutzt werden kann. Dazu gehören automatisierte Angriffserkennung, die Analyse großer Datenmengen und eine schnellere Suche nach verdächtigen Aktivitäten in Netzwerken. Das BSI beschreibt KI ausdrücklich als Technologie, die sowohl Angriffsmöglichkeiten verbessern als auch Schutzmechanismen unterstützen kann.

Kritische Infrastruktur hat besondere Bedeutung

Besonders relevant sind Cyberangriffe dort, wo digitale Systeme unmittelbar mit zentralen Versorgungsleistungen verbunden sind. Zu den Kritischen Infrastrukturen zählen unter anderem Bereiche wie Energie, Wasser, Informationstechnik, Telekommunikation und weitere Dienstleistungen, deren Ausfall weitreichende Folgen haben könnte. Das BSI bezeichnet Betreiber solcher Einrichtungen grundsätzlich als besonders gefährdete Angriffsziele.

Mit der zunehmenden Digitalisierung steigt zugleich die Zahl möglicher Angriffspunkte. Stromnetze, industrielle Anlagen oder Kommunikationssysteme werden zunehmend digital gesteuert und untereinander vernetzt. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag beschäftigt sich deshalb auch mit den Sicherheitsrisiken KI-gestützter Anwendungen in dezentralen Stromsystemen. Dabei geht es ausdrücklich um Cyberangriffe, technische Störungen sowie Möglichkeiten, Anomalien frühzeitig zu erkennen.

Ein erfolgreicher Angriff auf ein Unternehmen bedeutet deshalb nicht zwangsläufig lediglich den Verlust von Daten. Werden beispielsweise Steuerungs- oder Kommunikationssysteme einer Versorgungsinfrastruktur beeinträchtigt, können daraus Auswirkungen auf den realen Betrieb entstehen. Genau deshalb spielt bei Kritischen Infrastrukturen neben der Verhinderung eines Eindringens auch die sogenannte Resilienz eine zentrale Rolle. Systeme sollen auch bei Störungen möglichst funktionsfähig bleiben oder schnell wiederhergestellt werden können.

Röwekamp fordert seit längerem besseren Schutz ziviler Anlagen

Röwekamp hat bereits in früheren Äußerungen dafür geworben, zivile Infrastruktur stärker in die deutsche Sicherheitsplanung einzubeziehen. Bei einer Veranstaltung im Frühjahr erklärte er, Deutschland müsse seine Infrastruktur widerstandsfähiger gegen militärische Bedrohungen machen. Dabei verwies er insbesondere auf Erfahrungen aus dem russischen Krieg gegen die Ukraine, in dem auch Energie- und Versorgungsanlagen angegriffen werden.

Im Zusammenhang mit Drohnenvorfällen ging Röwekamp noch einen Schritt weiter. Nach dem Fund einer mit Sprengstoff versehenen Drohne am Flughafen Leipzig/Halle forderte er im August eine zentralere Organisation der Drohnenabwehr. Nach seiner Darstellung reichen die derzeit auf Bund und Länder verteilten Zuständigkeiten nicht aus, um zivile Infrastruktur zuverlässig zu schützen. Die Zuständigkeit solle stärker beim Bundesinnenministerium beziehungsweise bei der Bundespolizei gebündelt werden.

Diese Forderungen beziehen sich zwar vor allem auf physische und hybride Bedrohungen durch Drohnen. Sie zeigen jedoch, dass der Ausschussvorsitzende den Schutz ziviler Einrichtungen ausdrücklich als Teil der Sicherheitsvorsorge betrachtet. Bereits im Sommer 2025 hatte er Cyberangriffe, Spionage und Sabotage als Bedrohungen für Deutschland genannt.

KI kann Angriffe schneller und günstiger machen

Die besondere Bedeutung von KI liegt weniger darin, dass völlig neue Formen von Cyberangriffen entstehen. Viele bekannte Methoden bleiben bestehen. Dazu gehören das Ausspähen von Zugangsdaten, Schadsoftware, das Ausnutzen ungepatchter Sicherheitslücken oder Versuche, Beschäftigte zur Herausgabe sensibler Informationen zu bewegen.

KI kann diese Verfahren jedoch erheblich beschleunigen. Programme können große Mengen öffentlich verfügbarer Informationen auswerten, Software analysieren oder Nachrichten automatisiert an unterschiedliche Zielpersonen anpassen. Die Qualität künstlich erzeugter Texte, Stimmen und Bilder erhöht zudem die Anforderungen an Beschäftigte und technische Schutzsysteme.

Das BSI weist grundsätzlich darauf hin, dass mit wachsender Digitalisierung auch die Angriffsfläche von Unternehmen zunimmt. Kritische Infrastrukturen stehen dabei wegen ihrer Bedeutung für Staat, Wirtschaft und Bevölkerung besonders im Fokus der Sicherheitsvorsorge.

Schutz vor Cyberangriffen wird zur dauerhaften Aufgabe

Für Deutschland geht es deshalb nicht allein darum, einzelne Angriffe abzuwehren. Bund, Länder, Sicherheitsbehörden und Betreiber müssen zugleich Vorsorge für Situationen treffen, in denen Schutzmaßnahmen versagen. Das BSI setzt dabei unter anderem auf Meldestrukturen, Informationsaustausch und ein nationales IT-Krisenmanagement. Für Betreiber Kritischer Infrastrukturen bestehen eigene Verfahren zur Meldung von Sicherheitsvorfällen.

KI verschärft diese Herausforderung, kann gleichzeitig aber Teil der Lösung sein. Automatisierte Systeme können verdächtige Vorgänge schneller erkennen und Sicherheitsfachleute bei der Analyse unterstützen. Der technologische Wettlauf findet damit auf beiden Seiten statt. Je leistungsfähiger KI-Systeme werden, desto wichtiger werden zugleich abgesicherte IT-Strukturen, aktuelle Software, funktionierende Notfallpläne und eine schnelle Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Behörden.

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