
Künstliche Intelligenz soll Unternehmen effizienter machen. Doch der technologische Wandel hat auch Folgen für die Beschäftigten. In Deutschland berichten zahlreiche Fachkräfte davon, dass Kollegen wegen KI-bedingter Veränderungen ihren Arbeitsplatz verlassen haben. Gleichzeitig sieht eine deutliche Mehrheit der KI-Nutzer Verbesserungen bei der Produktivität. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts YouGov.
Der Einsatz von KI in MINT-Berufen verändert nicht nur einzelne Arbeitsabläufe, sondern auch die Erwartungen an Beschäftigte. Laut einer Befragung im Auftrag der britischen Personalberatung SThree haben 38,4 Prozent der befragten Fachkräfte in Deutschland erlebt, dass Kollegen innerhalb der vergangenen zwölf Monate aus Gründen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz das Unternehmen verlassen haben.
Für die Untersuchung wurden zwischen dem 10. Juli und dem 1. September 2026 insgesamt 4.126 Beschäftigte in Deutschland, Großbritannien, den USA, den Niederlanden und Japan befragt. Auf Deutschland entfielen 817 Teilnehmer. Die Untersuchung umfasst Fachkräfte aus IT, Ingenieurwesen und Biowissenschaften.
Die Ergebnisse beruhen auf den Beobachtungen der Befragten. Die Zahl von 38,4 Prozent beschreibt deshalb nicht den Anteil der Beschäftigten, die selbst wegen KI gekündigt haben. Auch eine allgemeine Kündigungsquote lässt sich daraus nicht ableiten.
Bei den Gründen für die beobachteten Personalabgänge spielen Veränderungen der beruflichen Tätigkeit eine zentrale Rolle. 52,2 Prozent der Betroffenen nannten eine grundlegende Veränderung des bisherigen Aufgabenprofils. Fehlende berufliche Entwicklungsmöglichkeiten wurden mit 46,5 Prozent ebenfalls häufig genannt. Weitere 36,9 Prozent verwiesen auf eine Arbeitsbelastung, die nicht mehr tragbar gewesen sei.
Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung nach den Umfrageergebnissen im Bereich Life Sciences, zu dem unter anderem Biowissenschaften und medizinische Forschung gehören. Hier berichteten 56,8 Prozent der Befragten von KI-bezogenen Abgängen innerhalb ihrer Teams.
In der IT lag dieser Anteil bei 28,9 Prozent, im Ingenieurwesen bei 29,6 Prozent. Die unterschiedlichen Werte zeigen, dass die Auswirkungen des technologischen Wandels je nach Tätigkeitsbereich verschieden wahrgenommen werden.
Neben den Veränderungen beim Personal zeigen die Umfrageergebnisse deutliche Vorteile des KI-Einsatzes. Von den befragten KI-Nutzern in Deutschland erklärten 66,8 Prozent, dass ihr Team inzwischen produktiver arbeite als noch vor zwei Jahren.
Die gewonnene Zeit wird nach Angaben der Befragten unterschiedlich eingesetzt. 38 Prozent nutzen sie verstärkt für strategische Überlegungen, 29 Prozent für Weiterbildungen und 29,4 Prozent für zusätzliche Aufgaben.
Auch die grundsätzliche Einstellung zur Technologie fällt überwiegend positiv aus. Unter den genannten Assoziationen zum KI-Einsatz finden sich vor allem Anregung, Neugier und Spannung. Druck und Angst werden deutlich seltener genannt.
Allerdings bedeutet eine höhere wahrgenommene Produktivität nicht zwangsläufig weniger Arbeit. Im internationalen Teil der SThree-Untersuchung gaben 46 Prozent der Befragten an, mehr Zeit für die Überprüfung von KI-Ergebnissen aufzuwenden.
Der Wandel trifft auf einen Arbeitsmarkt, in dem spezialisiertes Fachwissen weiterhin gefragt ist. Über alle fünf untersuchten Länder hinweg berichteten 45 Prozent der Teilnehmer, dass ihr Unternehmen innerhalb des vergangenen Jahres Schwierigkeiten gehabt habe, ausgeschiedene Fachkräfte zu ersetzen. Diese Angabe umfasst allerdings Personalabgänge unabhängig von deren Ursache.
Die Veränderungen betreffen auch den beruflichen Nachwuchs. International erklärten 32 Prozent der Befragten, dass erfahrene Beschäftigte inzwischen Aufgaben übernehmen, die zuvor von Berufseinsteigern erledigt wurden.
Für Unternehmen entsteht damit die Herausforderung, neue Technologien einzuführen und gleichzeitig die fachliche Entwicklung ihrer Mitarbeiter zu sichern. In offenen Antworten der Befragung wurden insbesondere bessere Schulungsangebote, verbindliche Regeln für den KI-Einsatz und eine frühzeitige Beteiligung der Beschäftigten genannt.
Die Ergebnisse passen zu einer breiteren Entwicklung auf dem internationalen Arbeitsmarkt. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO stellte in einem Forschungsüberblick vom Juni 2026 fest, dass generative Künstliche Intelligenz bereits Arbeitsabläufe und Aufgaben verändert. Eine umfassende Verdrängung von Beschäftigten durch KI sei bislang jedoch nur begrenzt zu beobachten.
Zudem fallen die nachweisbaren Produktivitätsgewinne je nach Tätigkeit und Unternehmen unterschiedlich aus. Auch neue Anforderungen an Qualifikation, Kontrolle und Arbeitsorganisation spielen eine wichtige Rolle.
Damit entwickelt sich der Umgang mit KI zunehmend zu einer Personalfrage. Nicht allein die technischen Möglichkeiten bestimmen den Wandel, sondern auch die Art, wie Unternehmen neue Arbeitsabläufe gestalten und ihre Beschäftigten darauf vorbereiten.
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