Neue Hoffnung für Deutschlands Konjunktur, aber Risiken bleiben

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Deutschlands Wirtschaft könnte 2026 deutlich stärker wachsen als noch im Frühjahr erwartet. Nach einem Bericht des Handelsblatts rechnen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer neuen Gemeinschaftsdiagnose inzwischen mit einem Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent. Im Frühjahr hatten sie für das laufende Jahr lediglich 0,6 Prozent erwartet. Für 2027 soll die Prognose von 0,9 auf 1,1 Prozent angehoben worden sein.

Anzeige

Die Zahlen sind noch nicht offiziell veröffentlicht. Die Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2026 soll am Donnerstag, 24. September, in Berlin vorgestellt werden. Bis dahin können sich einzelne Werte noch ändern. Die neue Konjunkturprognose für Deutschland würde jedoch zu den jüngsten Einschätzungen mehrerer beteiligter Institute passen, die ihre Erwartungen bereits deutlich nach oben gesetzt haben.

Hinter der besseren Entwicklung stehen vor allem stärkere Exporte und die expansive Finanzpolitik. Hinzu kommt, dass die wirtschaftlichen Folgen der geopolitischen Krisen nach den bislang vorliegenden Einschätzungen weniger stark ausfallen als noch im Frühjahr angenommen. Gleichzeitig fließen deutlich höhere staatliche Mittel in Infrastruktur, Verteidigung und andere Investitionsbereiche.

Staatliche Milliardenprogramme stützen die Wirtschaft

Ein wichtiger Wachstumstreiber sind die hohen öffentlichen Ausgaben. Der Bund verfügt über ein Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität mit einer Kreditermächtigung von bis zu 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre. Für 2026 sind allein aus diesem Sondervermögen rund 58 Milliarden Euro eingeplant. Zusammen mit weiteren Investitionen des Bundes und dem Klima- und Transformationsfonds sind für das laufende Jahr Investitionsausgaben von deutlich mehr als 100 Milliarden Euro vorgesehen.

Anzeige

Zusätzlich wurden die Verschuldungsregeln für bestimmte Sicherheits- und Verteidigungsausgaben verändert. Dadurch kann der Staat höhere Ausgaben finanzieren, ohne dass sämtliche zusätzlichen Mittel unter die bisherigen Grenzen der Schuldenbremse fallen. Diese Ausgaben erhöhen kurzfristig die Nachfrage nach Bauleistungen, Ausrüstung und anderen Gütern und können damit die Wirtschaftsleistung stützen.

Auch die einzelnen Institute sehen darin inzwischen einen wesentlichen Grund für die bessere Entwicklung. Das ifo Institut erwartet in seiner Anfang September veröffentlichten Herbstprognose für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent und für 2027 von 1,2 Prozent. Gegenüber seiner Sommerprognose hob es die Erwartung für das laufende Jahr um 0,6 Prozentpunkte an. Das DIW Berlin prognostiziert für 2026 ein Plus von 1,2 Prozent und für 2027 von 1,0 Prozent. Das IWH Halle erwartet in diesem Jahr 1,4 Prozent und im kommenden Jahr 0,8 Prozent.

Exporte sorgen für zusätzliche Unterstützung

Neben den Staatsausgaben spielte die Entwicklung des Außenhandels im ersten Halbjahr eine wichtige Rolle. Mehrere Institute bewerten die deutschen Exporte inzwischen besser als noch vor einigen Monaten. Das DIW verweist auf unerwartet kräftige Ausfuhren im zweiten Quartal, während auch ifo stärkere Impulse aus dem Ausland berücksichtigt.

Damit erhält die exportorientierte deutsche Wirtschaft vorübergehend Unterstützung aus zwei Richtungen. Öffentliche Ausgaben stärken die Binnennachfrage, während eine robustere internationale Konjunktur Unternehmen zusätzliche Aufträge verschafft. Gerade nach der langen Schwächephase der deutschen Industrie ist dieser Effekt für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bedeutsam.

Eine dauerhafte Rückkehr zu hohen Wachstumsraten lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Die Institute verweisen weiterhin auf strukturelle Probleme wie hohe Energie- und Produktionskosten, eine schwächere Wettbewerbsfähigkeit einzelner Industriezweige und die demografische Entwicklung. Auch die Nachfrage aus wichtigen Absatzmärkten wie China bleibt für viele deutsche Unternehmen ein Unsicherheitsfaktor.

Arbeitsmarkt reagiert bislang nur schwach

Die bessere Konjunkturlage schlägt sich bislang nur begrenzt auf dem Arbeitsmarkt nieder. Offizielle Detailzahlen zum Arbeitsmarkt aus der noch unveröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose lagen am Montag zunächst nicht vor. Bereits veröffentlichte Einzelprognosen der beteiligten Institute zeigen jedoch, dass eine schnelle Verbesserung nicht erwartet wird.

Das ifo Institut rechnet für 2026 im Jahresdurchschnitt mit rund 2,98 Millionen Arbeitslosen und einer Arbeitslosenquote nach Definition der Bundesagentur für Arbeit von 6,3 Prozent. Für 2027 erwartet das Institut einen Rückgang auf etwa 2,84 Millionen Arbeitslose und eine Quote von 6,0 Prozent. Das DIW geht für das laufende Jahr von knapp 2,99 Millionen Arbeitslosen und einer Quote von 6,4 Prozent aus. Für 2027 erwartet es eine Quote von 6,2 Prozent.

Die aktuellen Daten zeigen ebenfalls einen weiterhin schwachen Arbeitsmarkt. Im August nahm die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit leicht zu. Gleichzeitig war die Erwerbstätigkeit zuletzt rückläufig und die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb verhalten. Eine stärkere Wirtschaftsleistung dürfte daher nicht automatisch zu einer schnellen Verbesserung bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit führen.

Inflation bleibt ein Belastungsfaktor

Auch die Preisentwicklung begrenzt den Spielraum für eine kräftigere Erholung des privaten Konsums. Die Verbraucherpreise lagen im August 2026 nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums 2,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ein wesentlicher Faktor waren höhere Energiepreise.

Die beteiligten Forschungsinstitute erwarten auch für den Jahresdurchschnitt eine Inflation deutlich oberhalb von zwei Prozent. Das ifo Institut prognostiziert für 2026 eine Inflationsrate von 2,8 Prozent und für 2027 von 3,0 Prozent. Das DIW erwartet 2,7 Prozent in diesem und 2,6 Prozent im kommenden Jahr. Diese Zahlen stammen aus den jeweiligen Einzelprognosen und nicht aus der bislang unveröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose.

Höhere Preise für Energie treffen sowohl private Haushalte als auch Unternehmen. Sie schwächen die Kaufkraft und verteuern insbesondere in energieintensiven Industrien die Produktion. Gleichzeitig können steigende öffentliche Ausgaben zusätzlichen Preisauftrieb erzeugen, wenn Kapazitäten in Bauwirtschaft und anderen Bereichen knapp werden.

Risiken für die Erholung bleiben erheblich

Die angehobenen Wachstumsprognosen bedeuten deshalb nicht, dass die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands überwunden sind. Zu den Risiken zählen weiterhin hohe Energiepreise, geopolitische Konflikte, Handelshemmnisse und eine mögliche Abschwächung der Weltwirtschaft. Auch Niedrigwasser auf wichtigen deutschen Flüssen kann Transportwege und industrielle Produktion beeinträchtigen.

Hinzu kommen die langfristigen Belastungen durch den demografischen Wandel und das schwache Produktivitätswachstum. Die staatlichen Milliardenprogramme können die Nachfrage und Investitionen über mehrere Jahre erhöhen. Ob daraus dauerhaft ein höheres Wachstumspotenzial entsteht, hängt jedoch auch davon ab, wie produktiv die zusätzlichen Mittel eingesetzt werden und wie sich private Investitionen entwickeln.

Die vorläufig erwarteten 1,3 Prozent Wachstum für 2026 wären dennoch eine deutliche Verbesserung gegenüber der Frühjahrsprognose der führenden Institute. Für 2027 deutet der bislang bekannt gewordene Wert von 1,1 Prozent auf eine weitere Expansion hin, allerdings mit etwas geringerem Tempo. Die endgültigen Zahlen sowie die detaillierten Prognosen zu Inflation, Beschäftigung, Staatsfinanzen und Weltwirtschaft sollen mit der Gemeinschaftsdiagnose am 24. September veröffentlicht werden.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu