
Südkoreas Leitindex KOSPI hat eine besonders verlustreiche Handelswoche hinter sich. Nach starken Kursrückgängen bei großen Halbleiterunternehmen schloss der Index am Freitag, 6. November 2026, bei 5.059,69 Punkten. Das entsprach einem Tagesverlust von 6,02 Prozent. Über die gesamte Woche summierte sich das Minus auf 11,71 Prozent. Ausgelöst wurde die jüngste Verkaufswelle vor allem durch Sorgen über mögliche Einschränkungen beim Ausbau amerikanischer KI-Rechenzentren nach den US-Zwischenwahlen. Besonders deutlich verloren die Aktien von Samsung Electronics und SK Hynix.
Der südkoreanische Aktienmarkt geriet bereits am Donnerstag erheblich unter Druck. Nach Angaben der Korea Exchange fiel der KOSPI am 5. November um 5,28 Prozent auf 5.383,80 Punkte. Am folgenden Handelstag setzte sich die Abwärtsbewegung fort. Der Index erreichte zwischenzeitlich einen Stand von 4.911,28 Punkten und unterschritt damit die Marke von 5.000 Punkten deutlich.
Wegen des außergewöhnlich starken Kursrückgangs setzte die Börse den Handel am Freitagmorgen für 20 Minuten aus. Auslöser war ein Rückgang von mehr als acht Prozent kurz nach Handelsbeginn. Solche automatischen Handelsunterbrechungen sollen bei extremen Kursbewegungen zusätzliche Zeit für die Verarbeitung neuer Informationen schaffen.
Im weiteren Tagesverlauf erholte sich der Index teilweise und beendete den Handel wieder oberhalb von 5.000 Punkten. Dennoch blieb ein Tagesverlust von 324,11 Punkten. Verglichen mit dem Schlussstand von 5.730,74 Punkten am 30. Oktober verlor der Leitindex innerhalb einer Handelswoche rund 671 Punkte.
Die Kursverluste beschränkten sich nicht auf den großen Aktienindex. Auch der stärker von kleineren und technologieorientierten Unternehmen geprägte KOSDAQ gab am Freitag deutlich nach. Er schloss bei 644,27 Punkten und verlor damit rund fünf Prozent.
Ein wesentlicher Auslöser der jüngsten Verkaufswelle war das Ergebnis der amerikanischen Zwischenwahlen vom 3. November. Die Demokratische Partei gewann die Kontrolle über beide Kammern des US-Kongresses. Damit verändern sich ab Januar 2027 die politischen Mehrheitsverhältnisse in Washington erheblich.
An den Finanzmärkten entstand daraufhin die Befürchtung, dass eine demokratische Mehrheit strengere Anforderungen an den Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz durchsetzen könnte. Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob neue politische Vorgaben große Infrastrukturprojekte verzögern oder verteuern könnten.
Für Technologieunternehmen und ihre Zulieferer wäre eine geringere Investitionsgeschwindigkeit von Bedeutung. Neue KI-Rechenzentren benötigen leistungsfähige Prozessoren, große Mengen an Speicherchips und weitere technische Komponenten. Werden entsprechende Projekte verschoben, könnte dies auch die Nachfrage nach Halbleitern beeinflussen.
Allerdings handelt es sich bei diesen Auswirkungen bislang um Erwartungen und Befürchtungen der Marktteilnehmer. Aus dem Wahlergebnis folgt nicht automatisch eine Beschränkung des Rechenzentrumsausbaus. Ob die neuen Mehrheitsverhältnisse tatsächlich zu konkreten gesetzlichen Änderungen führen und wie weit diese reichen könnten, blieb zunächst offen.
Die Folgen der Verkaufswelle waren bei Südkoreas beiden großen Halbleiterunternehmen besonders ausgeprägt. Samsung Electronics verlor am Freitag 6,35 Prozent. Die Aktie von SK Hynix gab sogar um 10,44 Prozent nach. Beide Unternehmen haben zusammen ein sehr hohes Gewicht im südkoreanischen Leitindex und beeinflussen dessen Entwicklung entsprechend stark.
Die Kursrückgänge verdeutlichen, wie eng der südkoreanische Aktienmarkt mit den Erwartungen an den weltweiten KI-Ausbau verbunden ist. Samsung gehört zu den größten Elektronik- und Halbleiterherstellern der Welt. SK Hynix ist insbesondere im Geschäft mit Speicherchips von großer Bedeutung.
Für moderne KI-Systeme spielt sogenannter Hochbandbreitenspeicher eine wichtige Rolle. Diese Speichertechnik ermöglicht die schnelle Verarbeitung großer Datenmengen und wird in Verbindung mit leistungsfähigen KI-Beschleunigern eingesetzt. Der Ausbau entsprechender Rechenkapazitäten ist deshalb ein wichtiger Nachfragefaktor für die Halbleiterindustrie.
Sinkende Erwartungen an das Wachstum der KI-Infrastruktur können die Bewertungen der beteiligten Unternehmen belasten. Die Aktienkurse reagieren dabei nicht nur auf aktuelle Umsätze und Gewinne, sondern auch auf die erwartete Geschäftsentwicklung in den kommenden Jahren.
Aus den jüngsten Kursverlusten lässt sich allerdings nicht unmittelbar auf bereits eingetretene Einbußen bei der Nachfrage nach Speicherchips schließen. Entscheidend ist, in welchem Umfang Betreiber großer Rechenzentren ihre Investitionsprogramme tatsächlich verändern.
Die Verkaufswelle wurde durch umfangreiche Kapitalabflüsse ausländischer Investoren verstärkt. Am Donnerstag verkauften sie an der südkoreanischen Hauptbörse per saldo Aktien im Wert von rund 3,39 Billionen Won. Am Freitag kamen weitere Nettoverkäufe von rund 2,8 Billionen Won hinzu.
Damit überstiegen die Nettoverkäufe ausländischer Anleger innerhalb von zwei Handelstagen sechs Billionen Won. Inländische institutionelle Investoren und Privatanleger kauften dagegen am Freitag per saldo Aktien hinzu. Diese Nachfrage trug dazu bei, dass sich der KOSPI im Tagesverlauf von seinem Tiefstand erholte.
Der Verkaufsdruck traf auch den südkoreanischen Won. Die Landeswährung verlor gegenüber dem US-Dollar an Wert. Damit wirkte sich die Verunsicherung nicht ausschließlich auf den Aktienmarkt aus, sondern zeigte sich ebenfalls am Devisenmarkt.
Die Entwicklung verdeutlicht die internationale Bedeutung der südkoreanischen Technologiebranche. Veränderungen der amerikanischen Investitionsaussichten können sich über die Nachfrage nach Halbleitern unmittelbar auf die Bewertung asiatischer Unternehmen auswirken.
Zusätzliche Aufmerksamkeit richtet sich auf die südkoreanische Zentralbank. Die Bank of Korea hatte ihren Leitzins am 22. Oktober 2026 unverändert bei 3,00 Prozent belassen. Zuvor hatte sie die Zinsen im Juli und August zweimal hintereinander erhöht.
Die Währungshüter begründeten ihre Entscheidung im Oktober mit der Notwendigkeit, die wirtschaftliche Entwicklung und die Folgen der bisherigen Zinsschritte genauer zu beobachten. Gleichzeitig verwiesen sie auf anhaltenden Inflationsdruck, eine robuste Exportwirtschaft und Risiken für die Finanzstabilität.
Die südkoreanische Inflationsrate hatte im September bei 2,9 Prozent gelegen und damit weiterhin über dem Inflationsziel der Zentralbank von zwei Prozent. Auch die starke Nachfrage nach südkoreanischen Halbleitern hatte zuvor zum wirtschaftlichen Wachstum beigetragen.
Die Zentralbank schloss weitere Zinserhöhungen ausdrücklich nicht aus. Bereits vor dem jüngsten Börseneinbruch rechneten Ökonomen in einer Mitte Oktober durchgeführten Umfrage für November mit einer Anhebung des Leitzinses auf 3,25 Prozent. Eine solche Erhöhung wäre jedoch erst nach einem entsprechenden Beschluss verbindlich.
Die nächste reguläre geldpolitische Entscheidung ist für den 26. November vorgesehen. Bis dahin muss die Bank of Korea mehrere Entwicklungen gegeneinander abwägen. Einerseits sprechen die erhöhte Inflation und das starke Wirtschaftswachstum für eine weiterhin restriktive Geldpolitik. Andererseits könnten anhaltende Turbulenzen an den Finanzmärkten die wirtschaftlichen Aussichten verändern.
Der starke Wochenverlust des KOSPI steht im Zusammenhang mit einer umfassenderen Neubewertung von Technologieaktien an den internationalen Börsen. Auch in den USA und anderen asiatischen Märkten gerieten Unternehmen unter Druck, deren Geschäft stark vom Ausbau künstlicher Intelligenz abhängt.
Die Entwicklung betrifft eine globale Lieferkette. Amerikanische Technologiekonzerne investieren in Rechenzentren und KI-Systeme. Asiatische Unternehmen liefern dafür unter anderem Speicherchips, Prozessoren und elektronische Bauteile. Änderungen bei den Investitionsplänen großer Auftraggeber können deshalb Auswirkungen weit über den amerikanischen Markt hinaus haben.
Für Südkorea kommt hinzu, dass die Halbleiterindustrie eine zentrale Rolle für die Exportwirtschaft spielt. Die Bank of Korea hatte noch im Oktober auf die Bedeutung der starken Chipnachfrage für die wirtschaftliche Entwicklung hingewiesen. Eine tatsächliche Abschwächung der Investitionen in KI-Infrastruktur könnte sich daher nicht nur auf Aktienbewertungen, sondern auch auf die Wachstumsaussichten auswirken.
Nach dem Handelsende vom 6. November bleibt der KOSPI mit 5.059,69 Punkten knapp oberhalb der 5.000-Punkte-Marke. Die weitere Entwicklung hängt unter anderem davon ab, ob sich die Befürchtungen über strengere US-Vorschriften konkretisieren, wie internationale Technologieunternehmen ihre Investitionen fortsetzen und welche Entscheidung die südkoreanische Zentralbank Ende November trifft.
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