Krankenhäuser im Krisenfall: ARD-Doku zeigt die Grenzen der Sicherheit

Lecker aufs Land heute im SWR: Folge 104 aus dem Landkreis Rottweil
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Wie gut können deutsche Krankenhäuser ihre Patienten versorgen, wenn Hochwasser ganze Gebäude lahmlegt, Hacker die IT-Systeme angreifen oder eine militärische Krise zusätzliche Verletzte in die Kliniken bringt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Dokumentation „Im Ernstfall verletzlich: Wie krisenfest sind unsere Krankenhäuser?“, die am heutigen Mittwoch, 21. Oktober 2026, um 22:50 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird. Der Film von Mareike Müller zeigt an mehreren Klinikstandorten, welche Erfahrungen das Gesundheitssystem mit schweren Ausnahmesituationen gemacht hat und wie sich Krankenhäuser auf neue Gefahren vorbereiten.

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ARD Story zeigt Krisenerfahrungen aus drei Krankenhäusern

Die 45-minütige ARD Story untersucht die Krisenfestigkeit deutscher Krankenhäuser anhand konkreter Ereignisse und aktueller Vorsorgemaßnahmen. Im Mittelpunkt stehen das St.-Antonius-Hospital in Eschweiler, das Universitätsklinikum Frankfurt und die Berliner Charité.

Dabei geht es nicht allein um die medizinische Behandlung von Patienten. Auch die technische Infrastruktur, die Organisation von Evakuierungen, der Schutz sensibler Daten und die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen spielen eine Rolle. Denn Krankenhäuser sind auf funktionierende Versorgungswege, Kommunikationssysteme und ausreichend qualifiziertes Personal angewiesen.

Die Dokumentation verbindet bereits eingetretene Krisen mit möglichen zukünftigen Szenarien. Neben Naturkatastrophen und Cyberangriffen beschäftigt sie sich mit der veränderten europäischen Sicherheitslage und den daraus entstehenden Anforderungen an das Gesundheitswesen.

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Flutkatastrophe in Eschweiler machte Evakuierung notwendig

Ein Beispiel für die Folgen einer Naturkatastrophe liefert das St.-Antonius-Hospital in Eschweiler. Während der schweren Überschwemmungen im Juli 2021 musste das Krankenhaus rund 300 Patientinnen und Patienten evakuieren.

Die Ereignisse verdeutlichen, wie schwierig die Aufrechterhaltung einer medizinischen Versorgung werden kann, wenn die Infrastruktur einer Klinik unmittelbar betroffen ist. Anders als bei gewöhnlichen Gebäuderäumungen müssen in Krankenhäusern auch Menschen transportiert werden, die auf medizinische Geräte, Betreuung oder eine kontinuierliche Behandlung angewiesen sind.

Der Film greift die damaligen Erfahrungen auf und beschäftigt sich damit, welche Bedeutung sie für die heutige Katastrophenvorsorge haben. Hochwasser ist dabei nur eines von mehreren möglichen Szenarien. Auch extreme Hitze und andere Wetterereignisse können den Betrieb medizinischer Einrichtungen zusätzlich beanspruchen.

Cyberangriff auf Universitätsklinikum Frankfurt im Mittelpunkt

Ein weiterer Schwerpunkt ist die digitale Sicherheit. Das Universitätsklinikum Frankfurt musste nach einem Hackerangriff sein internes Netzwerk vom Internet trennen.

Dieser Fall zeigt eine besondere Herausforderung moderner Krankenhäuser. Medizinische Einrichtungen arbeiten mit zahlreichen vernetzten Systemen, etwa zur Dokumentation von Behandlungen, zur Organisation von Untersuchungen und zur Übermittlung diagnostischer Informationen.

Wenn solche Systeme nicht mehr regulär zur Verfügung stehen, müssen Krankenhäuser alternative Arbeitsabläufe nutzen. Das erfordert entsprechende Notfallpläne und Personal, das auch unter eingeschränkten technischen Bedingungen handlungsfähig bleibt.

Die Dokumentation untersucht am Frankfurter Beispiel, welche Bedeutung Cyberangriffe für die Krisenfestigkeit von Kliniken haben. Dabei steht nicht die Suche nach Verantwortlichen im Vordergrund, sondern die Frage, wie sich die medizinische Versorgung bei erheblichen digitalen Störungen absichern lässt.

Berliner Charité trainiert gemeinsam mit der Bundeswehr

An der Berliner Charité richtet die Dokumentation den Blick auf die Vorbereitung für außergewöhnliche Krisenlagen. Das Universitätsklinikum arbeitet dabei auch mit der Bundeswehr zusammen.

In gemeinsamen Übungen werden mögliche Szenarien durchgespielt und organisatorische Abläufe überprüft. Dazu gehört die Frage, wie medizinische Einrichtungen reagieren können, wenn innerhalb kurzer Zeit zahlreiche zusätzliche Patienten versorgt werden müssen.

Die veränderte Sicherheitslage in Europa hat diese Planungen stärker in den Mittelpunkt gerückt. Für einen möglichen NATO-Bündnisfall wird in der ARD-Programmbeschreibung mit täglich rund 1.000 zusätzlichen Patienten gerechnet. Dabei handelt es sich um eine Planungsannahme für ein Krisenszenario, nicht um eine aktuelle Patientenzahl.

Eine solche Situation würde die Zusammenarbeit zwischen zivilem Gesundheitswesen, Rettungsdiensten und militärischen Stellen besonders wichtig machen. Krankenhäuser müssten gleichzeitig ihre reguläre Versorgung aufrechterhalten und zusätzliche Behandlungskapazitäten organisieren.

Der Film zeigt, wie entsprechende Vorbereitungen an der Charité aussehen und welche Fragen sich daraus für andere Kliniken ergeben.

Gesundheitssicherstellungsgesetz soll Vorsorge stärken

Die Krisenfestigkeit des Gesundheitswesens beschäftigt auch die Bundespolitik. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet an einem Gesundheitssicherstellungsgesetz, mit dem die medizinische Versorgung in schweren Krisen besser abgesichert werden soll.

Zu den bereits öffentlich benannten Handlungsfeldern gehören widerstandsfähige Infrastrukturen, die Verfügbarkeit von medizinischem Personal, stabile Lieferketten und eine engere Zusammenarbeit zwischen zivilen und militärischen Einrichtungen.

Daneben verändert die Krankenhausreform die stationäre Versorgung in Deutschland. Sie soll unter anderem Leistungen stärker bündeln und die Qualität der Behandlung durch Spezialisierung verbessern. Für die Umgestaltung der Krankenhausstrukturen sieht der Bund einen Transformationsfonds mit einem Gesamtvolumen von bis zu 50 Milliarden Euro bis 2035 vor.

Auch die Reform der Notfallversorgung ist Teil der aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklung. Der Bundestag hat am 15. Oktober 2026 entsprechende gesetzliche Änderungen beschlossen. Vorgesehen sind unter anderem eine engere digitale Vernetzung von Rettungsleitstellen und medizinischen Einrichtungen sowie neue integrierte Notfallzentren.

Die reguläre Neuordnung der Krankenhausversorgung und die Vorbereitung auf Katastrophen verfolgen allerdings unterschiedliche Aufgaben. Während es im normalen Klinikbetrieb um eine möglichst effiziente und qualitativ hochwertige Behandlung geht, müssen bei außergewöhnlichen Krisen zusätzliche Kapazitäten und Ausweichmöglichkeiten bereitstehen.

Schweden liefert internationalen Vergleich

Die ARD-Dokumentation beschränkt sich nicht auf Deutschland. Ein Blick nach Schweden zeigt, wie sich ein anderes europäisches Land mit den Anforderungen einer veränderten Sicherheitslage auseinandersetzt.

Gerade für die medizinische Krisenvorsorge ist die internationale Zusammenarbeit von Bedeutung. Großflächige Katastrophen, Pandemien oder militärische Konflikte können Auswirkungen haben, die nicht an nationalen Grenzen enden.

Daraus ergeben sich gemeinsame Herausforderungen bei der Beschaffung von Arzneimitteln, der Bereitstellung medizinischer Ausrüstung und der Abstimmung zwischen unterschiedlichen Einrichtungen.

Der Vergleich mit Schweden ergänzt die Beispiele aus deutschen Kliniken und erweitert den Blick auf die Frage, welche Strukturen erforderlich sind, damit eine Gesundheitsversorgung auch unter außergewöhnlichen Belastungen funktioniert.

Personalmangel und Investitionsbedarf erschweren die Vorsorge

Neben akuten Bedrohungen behandelt die Dokumentation auch längerfristige Schwierigkeiten des deutschen Gesundheitssystems. Dazu zählen fehlendes Personal, wirtschaftliche Belastungen und ein Investitionsrückstand bei der Infrastruktur.

Diese Probleme wirken sich auch auf die Krisenplanung aus. Zusätzliche Kapazitäten lassen sich nicht allein durch bauliche Maßnahmen oder technische Geräte schaffen. Entscheidend ist ebenso, ob ausreichend Fachkräfte verfügbar sind und ob wichtige Abläufe unter veränderten Bedingungen funktionieren.

Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie haben gezeigt, wie stark die Belastung medizinischer Einrichtungen innerhalb kurzer Zeit zunehmen kann. Gleichzeitig benötigen Krankenhäuser Ressourcen, um sich auf Ereignisse vorzubereiten, die möglicherweise über längere Zeit nicht eintreten.

Damit rückt auch die Finanzierung der Vorsorge in den Mittelpunkt. Denn Notfallplanung, technische Absicherung und regelmäßige Übungen verursachen Kosten, während Krankenhäuser gleichzeitig ihren regulären Versorgungsauftrag erfüllen müssen.

ARD-Dokumentation heute um 22:50 Uhr im Ersten

Die ARD Story „Im Ernstfall verletzlich: Wie krisenfest sind unsere Krankenhäuser?“ läuft am Mittwoch, 21. Oktober 2026, von 22:50 Uhr bis 23:35 Uhr im Ersten. Der Film stammt von Autorin Mareike Müller und wurde von DOCDAYS Productions im Auftrag von rbb und HR produziert.

Die Erstausstrahlung wird am Donnerstag, 22. Oktober, um 3:20 Uhr im Ersten wiederholt. Auch auf tagesschau24 sind weitere Ausstrahlungen vorgesehen.

Darüber hinaus steht der Film in der ARD-Mediathek zur Verfügung. Die ARD gibt als Ende der Verfügbarkeit den 21. Oktober 2028 um 23:59 Uhr an.

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