
Der Kali- und Salzproduzent K+S blickt nach einem starken ersten Halbjahr zuversichtlicher auf das Geschäftsjahr 2026. Der Konzern aus Kassel hat seine Prognose für das operative Ergebnis erneut angehoben. Treiber sind eine hohe Nachfrage nach Kali, gestiegene Absatzmengen, höhere Preise und ein starkes Salzgeschäft. Gleichzeitig werden die extrem niedrigen Wasserstände deutscher Flüsse zu einem zunehmenden Risikofaktor für die Produktion.
K+S rechnet für 2026 inzwischen mit einem operativen EBITDA zwischen 680 und 760 Millionen Euro. Zuvor hatte das Unternehmen 630 bis 730 Millionen Euro erwartet. Zum Jahresbeginn hatte die Prognose noch bei 600 bis 700 Millionen Euro gelegen. Zum Vergleich: 2025 erzielte K+S ein EBITDA von knapp 613 Millionen Euro.
K+S hebt Prognose an und geht damit davon aus, dass sich das bislang erreichte Preisniveau bei Agrarprodukten im Durchschnitt des zweiten Halbjahres ungefähr halten kann. Diese Annahme ist allerdings Bestandteil der Unternehmensprognose und keine bereits feststehende Entwicklung.
Grundlage für den höheren Ausblick sind vor allem die Geschäftszahlen für das zweite Quartal. Der Umsatz stieg von 871 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 978 Millionen Euro. Das operative EBITDA verbesserte sich von 110 Millionen auf 176 Millionen Euro.
Damit lag das operative Ergebnis auch über der damaligen durchschnittlichen Markterwartung von 149 Millionen Euro. Im gesamten ersten Halbjahr erreichte K+S einen Umsatz von rund 2,04 Milliarden Euro. Das EBITDA summierte sich auf rund 455 Millionen Euro, nach etwa 310 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025.
Der bereinigte Freie Cashflow erreichte nach sechs Monaten 101 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 24 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen inzwischen einen positiven bereinigten Freien Cashflow im mittleren bis höheren zweistelligen Millionenbereich. Zuvor hatte K+S mindestens einen ausgeglichenen Wert in Aussicht gestellt.
Die Investitionen sollen 2026 weiterhin bei rund 600 Millionen Euro liegen. Ein erheblicher Teil der Mittel fließt in den Umbau des großen Kaliwerks an der Werra und in den Ausbau des kanadischen Standorts Bethune.
Besonders das Geschäft mit Produkten für die Landwirtschaft entwickelte sich im zweiten Quartal positiv. Der Umsatz dieses Kundensegments stieg von knapp 618 Millionen auf rund 700 Millionen Euro. Ohne Handelsware setzte K+S etwa 1,90 Millionen Tonnen ab, nach 1,74 Millionen Tonnen ein Jahr zuvor.
Die höheren Mengen trafen zugleich auf höhere Kalipreise. Der durchschnittliche Verkaufspreis im Agrargeschäft ohne Handelsware lag im zweiten Quartal bei rund 343 Euro je Tonne. Ein Jahr zuvor waren es etwa 336 Euro.
Im Überseegeschäft war der Preisanstieg noch ausgeprägter. K+S verwies insbesondere auf eine robuste internationale Nachfrage. Für den Rest des Jahres erwartet das Unternehmen weiterhin eine hohe Auslastung der weltweiten Produktionskapazitäten für Kali.
Für die Ergebnisentwicklung ist das bedeutsam, weil Kalidünger weltweit gehandelt wird und sich Veränderungen von Angebot und Nachfrage vergleichsweise schnell in den regionalen Preisen niederschlagen können. Zu den wichtigen internationalen Absatzmärkten gehört Brasilien, einer der weltweit größten Importeure von Kalidüngemitteln.
Auch das Salzgeschäft lieferte im ersten Halbjahr Unterstützung. Nach dem kalten Winter war die Nachfrage nach Auftausalz hoch. Im Segment Industrie+ erhöhte sich der Absatz im zweiten Quartal auf 1,47 Millionen Tonnen nach 1,31 Millionen Tonnen im Vorjahreszeitraum.
Parallel zum guten operativen Geschäft verschärft die Trockenheit die Bedingungen an mehreren deutschen Flüssen. Am Rhein erreichten die Wasserstände im August außergewöhnlich niedrige Werte. An wichtigen Engstellen wurde die Binnenschifffahrt teilweise stark eingeschränkt. Schiffe können bei sehr niedrigem Wasserstand erheblich weniger Ladung aufnehmen, wodurch Transportkapazitäten sinken und Frachtkosten steigen.
Für K+S richtet sich der unmittelbare Blick vor allem auf das Werk Werra in Hessen und Thüringen. Es ist der größte deutsche Kalistandort des Konzerns und fördert jährlich rund 20 Millionen Tonnen Rohsalz.
Konzernchef Christian Meyer erklärte bei der Vorlage der Halbjahreszahlen, K+S beobachte die niedrigen Pegel sehr genau. Wasser wird dort unter anderem für Teile des Produktionsprozesses und zur Kühlung benötigt. Das Unternehmen arbeitet allerdings daran, wasserintensive Verfahren schrittweise durch trockene Aufbereitungstechniken zu ersetzen.
Nach Angaben des Managements ist im mittleren Wert der Jahresprognose kein länger andauernder schwerer Niedrigwassereffekt unterstellt. Für das untere Ende der Prognosespanne hat K+S dagegen ein Szenario berücksichtigt, in dem niedrige Wasserstände einige Wochen anhalten könnten.
Auch bei salzhaltigen Wässern spielt der Wasserstand eine Rolle. Bei zu niedrigem Abfluss sind Einleitungen in Flüsse nicht möglich. K+S kann solche Wässer teilweise per Bahn oder Lkw zu anderen Entsorgungsorten transportieren. Der Konzern investiert zugleich in Verfahren, die den Anfall von Prozesswasser am Werk Werra deutlich reduzieren sollen.
An der Börse wurden die Halbjahreszahlen am Tag ihrer Veröffentlichung zunächst positiv aufgenommen. Die K+S Aktie schloss am 12. August auf Xetra bei 14,83 Euro und damit nach historischen Kursdaten rund 2,3 Prozent höher als am Vortag. Im Tagesverlauf hatte sie zeitweise 15,20 Euro erreicht.
Die Kursentwicklung verlief anschließend jedoch nicht geradlinig. Bereits am folgenden Handelstag gab die Aktie wieder nach. Bis Freitag, 28. August, stieg der Xetra-Kurs dann auf 16,33 Euro. Damit lag die Aktie rund zehn Prozent über dem Schlusskurs des Tages, an dem die Halbjahreszahlen veröffentlicht wurden. Aus dieser Entwicklung lässt sich jedoch nicht ableiten, dass allein die Prognoseanhebung für den Kursanstieg verantwortlich war. Aktienkurse werden von zahlreichen Unternehmens-, Branchen- und Marktinformationen beeinflusst.
Für K+S hängt der weitere Jahresverlauf nun vor allem davon ab, ob Nachfrage und höhere Kalipreise Bestand haben, wie sich Energie- und Transportkosten entwickeln und wie lange die Trockenheit anhält. Die erhöhte EBITDA-Spanne von 680 bis 760 Millionen Euro bleibt eine Unternehmensprognose, deren Erreichen von diesen und weiteren Annahmen abhängt.
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