Zwei Industrie-Rückzüge treffen Speyer: 1.230 Jobs betroffen

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Rund 1.000 Menschen haben am Samstag in Speyer gegen die geplanten Einschnitte bei MANN+HUMMEL und TE Connectivity demonstriert. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich Beschäftigte und Unterstützer an dem von der IG Metall organisierten Protestzug durch die Innenstadt. Hintergrund sind Entscheidungen der beiden Industrieunternehmen, die den Wirtschaftsstandort in den kommenden Jahren erheblich verändern könnten. Insgesamt sind rund 1.230 Arbeitsplätze betroffen.

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Die Arbeitsplätze in Speyer stehen dabei nicht allein wegen eines einzelnen Sparprogramms unter Druck. Innerhalb weniger Wochen hatten im Frühjahr zwei große Arbeitgeber weitreichende Veränderungen angekündigt. MANN+HUMMEL will seinen Standort vollständig schließen. TE Connectivity plant, seine Produktion in der Stadt einzustellen und nur einen deutlich kleineren Bereich mit Engineering und Verwaltung zu erhalten.

MANN+HUMMEL will Standort bis Ende 2028 schließen

Der Filterspezialist MANN+HUMMEL hatte seine Pläne bereits Mitte April bekanntgegeben. Das Unternehmen beabsichtigt, den Standort in Speyer spätestens Ende 2028 vollständig zu schließen. Dort arbeiten rund 600 Menschen. Etwa 400 von ihnen sind nach Unternehmensangaben in der Produktion oder in produktionsnahen Bereichen beschäftigt.

Die Fertigung von Filtrationsprodukten sowie damit verbundene Logistikaktivitäten sollen schrittweise auf andere Werke innerhalb der Unternehmensgruppe verteilt werden. MANN+HUMMEL begründet die geplante Neuordnung seines europäischen Produktionsnetzes unter anderem mit schwachem Wirtschaftswachstum, hohen Energie- und Arbeitskosten sowie zusätzlichen Belastungen durch Zölle und geopolitische Unsicherheiten.

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Das Unternehmen will Produktionsvolumen stärker an bestehenden Standorten bündeln und dort Skaleneffekte sowie automatisierte Fertigung besser nutzen. Zugleich betont MANN+HUMMEL, dass die geplante Schließung keine Bewertung der Arbeit der Speyerer Belegschaft sei.

Mit dem Betriebsrat sollen Lösungen für die Beschäftigten ausgehandelt werden. Dazu gehören Gespräche über einen möglichen Interessenausgleich und einen Sozialplan. Eine Rücknahme der Standortentscheidung hat das Unternehmen bislang nicht angekündigt.

Bei TE Connectivity sollen 630 Produktionsstellen entfallen

Nur wenige Wochen später folgte eine weitere Nachricht mit erheblichen Folgen für den Industriestandort. TE Connectivity kündigte Anfang Mai an, die Produktion am Standort in der Siemensstraße bis Dezember 2028 schrittweise einzustellen.

Von den Plänen sind rund 630 Produktionsarbeitsplätze betroffen. Anders als bei MANN+HUMMEL soll der Speyerer Standort jedoch nicht vollständig aufgegeben werden. Rund 140 Stellen in Engineering und Verwaltung sollen erhalten bleiben.

TE Connectivity begründet den Umbau mit einem schwierigen Marktumfeld im Automobilsektor. Das Unternehmen nennt eine schwache Nachfrage in Westeuropa sowie anhaltenden Kosten- und Wettbewerbsdruck. Auch Anforderungen an Kosten, Qualität und Nachhaltigkeit spielten nach Darstellung des Unternehmens bei der Neuordnung der Fertigungsstrukturen eine Rolle.

Für den Stellenabbau sollen bestehende tarifvertragliche Regelungen und ein Rahmensozialplan angewendet werden. TE Connectivity hat außerdem angekündigt, Beschäftigte mit Qualifizierungsangeboten, Bewerbungsunterstützung und externen Beratungsangeboten zu begleiten. Auch Gespräche mit der Arbeitsagentur und möglichen neuen Arbeitgebern in der Region sind vorgesehen. Auszubildende sollen ihre Ausbildung nach Unternehmensangaben abschließen können.

Rund 1.000 Menschen ziehen durch Speyer

Gegen die Pläne beider Unternehmen mobilisierte die IG Metall am Samstag zu einem gemeinsamen Aktionstag. Der Protest begann an der Stadthalle und führte durch die Speyerer Innenstadt zum Domplatz. Dort fand anschließend eine Kundgebung statt.

Nach Polizeiangaben nahmen rund 1.000 Menschen teil. Die IG Metall hatte Beschäftigte beider Unternehmen, Angehörige und Unterstützer aus der Region zur Teilnahme aufgerufen.

Die Gewerkschaft fordert für beide Standorte industrielle Zukunftskonzepte und Investitionen. Bei MANN+HUMMEL verlangt sie eine verbindliche Zukunftsvereinbarung mit dem Ziel, Standort und Beschäftigung zu sichern. Auch bei TE Connectivity führt sie Gespräche mit dem Unternehmen.

Nach Angaben der Gewerkschaft geht es dabei unter anderem darum, Alternativen zu den angekündigten Einschnitten zu prüfen und gemeinsam mit den Beschäftigten nach Möglichkeiten für effizientere Abläufe und eine Zukunft der Produktion zu suchen. Konkrete Vereinbarungen, mit denen die angekündigten Stellenstreichungen verhindert würden, waren zunächst nicht bekannt.

Speyer sieht fast jeden vierten Industriearbeitsplatz betroffen

Die Größenordnung ist für die Stadt erheblich. Nach Berechnungen der Stadt Speyer entsprechen die rund 1.230 betroffenen Stellen bei beiden Unternehmen nahezu jedem vierten Arbeitsplatz im Verarbeitenden Gewerbe der Stadt.

Der Stadtrat reagierte deshalb bereits im Juni mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution. Darin werden MANN+HUMMEL und TE Connectivity aufgefordert, die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen ergebnisoffen zu führen und mögliche Alternativen zu den angekündigten Standortentscheidungen ernsthaft zu prüfen.

Zugleich richtet sich der Appell an die Landesregierung von Rheinland-Pfalz und die Bundesregierung. Beide sollen sich nach dem Willen des Stadtrats stärker für industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung einsetzen.

Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler unterstützt den Erhalt der Arbeitsplätze und nahm auch an der Kundgebung am Samstag teil. Vertreter der rheinland-pfälzischen Landesregierung hatten sich bereits Anfang August mit Betriebsräten der betroffenen Unternehmen ausgetauscht. Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Wirtschaftsminister Michael Ebling kündigten dabei an, den Kontakt zur Stadt und zu den Arbeitnehmervertretungen fortzuführen.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz war von der Stadt zu einem Austausch nach Speyer eingeladen worden. Das Bundeskanzleramt verwies in seiner Antwort auf die strukturellen Herausforderungen der Automobilindustrie und Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts. Einen persönlichen Besuch des Kanzlers stellte es zunächst nicht in Aussicht.

Stellenabbau trifft Zulieferindustrie bundesweit

Die Entwicklung in Speyer steht in einem größeren wirtschaftlichen Zusammenhang. Die Beschäftigung in der deutschen Automobilindustrie geht derzeit deutlich zurück. Ende des ersten Halbjahres 2026 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 691.500 Menschen in der Branche beschäftigt. Das waren 42.300 weniger als ein Jahr zuvor und der niedrigste Stand seit 2005.

Besonders deutlich war der Rückgang bei Herstellern von Teilen und Zubehör für Kraftwagen. Dort sank die Beschäftigtenzahl innerhalb eines Jahres um 7,6 Prozent auf rund 219.500.

Die Entscheidungen in Speyer unterscheiden sich in ihrer konkreten Ausgestaltung. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass beide Unternehmen Wettbewerbs- und Kostendruck sowie veränderte Marktbedingungen als Gründe für ihre Pläne nennen. Für die Beschäftigten und die Stadt konzentriert sich die Auseinandersetzung nun darauf, ob in den laufenden Gesprächen noch industrielle Beschäftigung gesichert oder neue Perspektiven für die Betroffenen geschaffen werden können.

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