
Die Stuttgarter Lapp-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2026 erstmals die Umsatzmarke von zwei Milliarden Euro überschritten. Nach vorläufigen Berechnungen erreichte der Kabel- und Verbindungstechnikspezialist Erlöse von mehr als 2,3 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte der Umsatz bei 1,93 Milliarden Euro gelegen. Damit ergibt sich ein Zuwachs von mehr als 19 Prozent. Die Zahlen veröffentlichte das Familienunternehmen am Dienstag, 20. Oktober 2026.
Der Umsatz der Lapp-Gruppe wächst damit deutlich schneller als im vorangegangenen Geschäftsjahr. Die Entwicklung hat jedoch mehrere Ursachen: Neben mehr Geschäft aus eigener Kraft haben höhere Kupferpreise und Unternehmensübernahmen zum Anstieg beigetragen. Während Asien und Amerika besonders stark zulegten, bleibt das wirtschaftliche Umfeld im europäischen Heimatmarkt angespannt.
Wie groß der Anteil des organischen Wachstums am gesamten Umsatzplus ist, bezifferte Lapp zunächst nicht. Das Unternehmen verweist ausdrücklich auf ein höheres Absatzvolumen, zugleich aber auch auf den kräftigen Anstieg der Kupferpreise. Kupfer ist ein wichtiger Werkstoff bei der Herstellung elektrischer Leitungen. Änderungen seines Preises können sich deshalb im Umsatz eines Kabelherstellers niederschlagen, ohne dass im gleichen Umfang mehr Produkte verkauft werden.
Auch Zukäufe vergrößern das ausgewiesene Geschäftsvolumen. Zum Jahreswechsel weitete Lapp insbesondere seine Präsenz in Südostasien aus. Das Unternehmen übernahm das bisher gemeinsam mit Jebsen & Jessen geführte Unternehmen JJ-LAPP vollständig. Die Übernahme der verbliebenen 50 Prozent wurde Ende 2025 abgeschlossen und im Januar 2026 bekannt gegeben. Nach damaligen Unternehmensangaben beschäftigte JJ-LAPP rund 350 Menschen und hatte unter anderem Standorte in Singapur, Indonesien, Malaysia, Thailand, Vietnam und auf den Philippinen.
Welche Beiträge der Kupferpreis und die Übernahmen jeweils zum Umsatz des Geschäftsjahres 2026 leisteten, geht aus den vorläufigen Angaben nicht hervor. Der ausgewiesene Zuwachs von mehr als 19 Prozent ist deshalb nicht mit einem gleich hohen Anstieg der verkauften Stückzahlen oder des Gewinns gleichzusetzen. Für den Zeitraum vom 1. Oktober 2025 bis zum 30. September 2026 veröffentlichte Lapp zunächst keine Gewinnzahl.
Besonders starke Zuwächse erzielte die Gruppe nach eigenen Angaben in der Region Asien-Pazifik sowie in Nord- und Südamerika. Für beide Regionen nennt das Unternehmen in der aktuellen Mitteilung allerdings keine konkreten Wachstumsraten. Ein Schwerpunkt liegt auf einer stärkeren Präsenz vor Ort. Dazu zählen eigene Unternehmen und Produktionsstandorte, mit denen Lapp die Nachfrage in den jeweiligen Ländern bedienen will.
Europa, der Nahe Osten und Afrika bilden gemeinsam die Unternehmensregion EMEA. Sie steuert weiterhin den größten Anteil zum weltweiten Umsatz bei. Trotz schwieriger Bedingungen bezeichnet Lapp die Entwicklung in dieser Region als robust. Eine Aufschlüsselung nach Deutschland und den übrigen europäischen Ländern liegt mit den vorläufigen Zahlen nicht vor. Vorstandschef Matthias Lapp verweist insbesondere für Deutschland auf anhaltende Herausforderungen im internationalen Wettbewerb. Die Auftragseingänge der vergangenen Monate bewertet er positiver, sieht darin aber noch keinen Anlass für eine umfassende Entwarnung.
Bereits im Geschäftsjahr 2025 zeigte sich ein ähnliches regionales Muster. Damals waren Asien-Pazifik und Amerika nach der später veröffentlichten Jahresbilanz jeweils zweistellig gewachsen, während EMEA nur ein leichtes Plus erreicht hatte. Zu den damals genannten Wachstumsregionen gehörten Indien, China und Südkorea sowie verschiedene Märkte auf dem amerikanischen Kontinent. Die aktuellen Angaben für 2026 zeigen, dass das Auslandsgeschäft weiterhin wesentlich zum Umsatz der Unternehmensgruppe beiträgt.
Zum Ende des Geschäftsjahres am 30. September 2026 beschäftigte Lapp weltweit rund 6.300 Menschen. Ein Jahr zuvor lag die Zahl nach Unternehmensangaben bei etwa 5.700. Das entspricht einem Anstieg um rund 600 Beschäftigte. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers gegenüber der Nachrichtenagentur dpa ist der Zuwachs vor allem auf Übernahmen zurückzuführen. Daraus lässt sich daher kein entsprechender Aufbau neuer Stellen allein im bisherigen Geschäft ableiten.
Die 1959 gegründete und bis heute familiengeführte Gruppe bietet weit mehr als klassische Stromkabel an. Zum Sortiment gehören flexible Leitungen, industrielle Steckverbinder, Zubehör und kundenspezifische Verbindungslösungen. Zu den wichtigen Abnehmern zählen Maschinen- und Anlagenbauer sowie Unternehmen aus Logistik, Energie und Mobilität. Im Geschäftsjahr 2026 verzeichnete Lapp nach eigenen Angaben unter anderem in der Intralogistik, der Elektromobilität und der industriellen Automatisierung deutliche Zuwächse.
Für das neue Geschäftsjahr 2027 setzt die Unternehmensführung stärker auf die wirtschaftliche Nutzung bereits geschaffener Kapazitäten. In den vergangenen Jahren floss Geld in Produktionsanlagen, Logistik und Digitalisierung. Allein im Geschäftsjahr 2025 investierte Lapp nach eigenen Angaben rund 56 Millionen Euro in Lieferketten und neue Technologien. Jetzt sollen die aufgebauten Kapazitäten besser ausgelastet werden. Als Ziel nennt die Geschäftsführung profitables Wachstum.
Wie ertragreich der jüngste Umsatzrekord tatsächlich war, ist offen. Für 2026 machte Lapp keine Angaben zum Konzerngewinn. Im Geschäftsjahr 2025 lag das Konzernergebnis nach Steuern laut dem im Unternehmensregister veröffentlichten Abschluss bei 48,3 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es rund 55,5 Millionen Euro gewesen. Der Rückgang des Gewinns bei gleichzeitig gestiegenem Umsatz zeigt, weshalb die Umsatzentwicklung allein wenig über die Ertragslage aussagt.
Für 2027 formuliert das Unternehmen einen vorsichtig zuversichtlichen Ausblick, ohne mit den vorläufigen Zahlen eine konkrete Umsatz- oder Gewinnprognose zu veröffentlichen. Geopolitische Unsicherheiten und die schwierigen Bedingungen in Deutschland bleiben aus Sicht der Unternehmensführung bestehen. Der nächste Schritt nach der überschrittenen Zwei-Milliarden-Marke ist damit nicht allein weiteres Umsatzwachstum, sondern die Frage, wie viel Ertrag das weltweit ausgebaute Geschäft erwirtschaftet.
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