
Der Asiatische Laubholzbockkäfer in Magdeburg beschäftigt die Pflanzenschutzbehörden seit fast zwölf Jahren. Der erste bestätigte Fund stammt vom 21. August 2014 aus dem Stadtteil Rothensee. Trotz umfangreicher Fällungen und jahrelanger Kontrollen ist die Tilgung noch nicht abgeschlossen. Nach dem aktuellen Auftretensregister des Julius Kühn-Instituts ist Magdeburg derzeit das letzte deutsche Gebiet, in dem die Bekämpfung eines ALB-Befalls noch fortgeführt wird. Die letzten in den Unterlagen der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt, kurz LLG, ausgewiesenen Nachweise stammen aus dem August 2025.
Die LLG hat das Monitoring im Sommer 2026 erneut verstärkt. Nach Behördenangaben vom 4. August wurden in der Quarantänezone mehr als 300 Pheromonfallen an Bäumen angebracht. Der Aktionsplan der Behörde mit Stand 16. April 2026 sah rund 350 solcher Fallen vor. Sie dienen dazu, fliegende Käfer möglichst früh zu entdecken. Zusätzlich werden Bäume vom Boden aus mit Ferngläsern kontrolliert, Baumkletterer untersuchen Kronen in Risikobereichen und bei Verdachtsfällen kommen auch Spürhunde und Drohnen zum Einsatz. Im Oktober 2025 hatte die LLG die Zahl der innerhalb der damaligen Zone jährlich mindestens einmal zu kontrollierenden Bäume mit rund 500.000 angegeben.
Der jüngste bestätigte Rückschlag ereignete sich im August 2025. Nach Angaben der LLG wurden drei Käfer in einer Lockstofffalle gefangen und zwei befallene Bäume am östlichen Rand des Biederitzer Buschs entdeckt. Die Untersuchung durch das Nationale Referenzlabor am Julius Kühn-Institut bestätigte den Befall. Die beiden Befallsbäume wurden gefällt und vernichtet. Anschließend mussten auch die spezifizierten Wirtspflanzen im vorgeschriebenen Umfeld entfernt und untersucht werden.
Die Funde aus dem Jahr 2025 hatten direkte Folgen für die Abgrenzung des Gebiets. Nach der im April 2026 veröffentlichten Allgemeinverfügung der LLG wuchs die Quarantänezone von 50,48 auf 52,72 Quadratkilometer. Sie umfasst vor allem Teile Magdeburgs und reicht in die angrenzenden Landkreise Jerichower Land und Börde. In der Allgemeinverfügung mit Kartenstand März 2026 sind seit Beginn des Ausbruchs 72 Fundorte erfasst, davon 70 im Stadtgebiet Magdeburg sowie jeweils einer in den beiden benachbarten Landkreisen.
Die Zone besteht aus Befallsbereichen und einer Pufferzone. Wird ein befallener Baum bestätigt, müssen nach der aktuell geltenden Regelung in einem Radius von 100 Metern die spezifizierten Wirtspflanzen gefällt, untersucht und vernichtet werden. Um den Befallsbaum wird zudem eine Pufferzone mit einem Radius von zwei Kilometern eingerichtet. Innerhalb des abgegrenzten Gebiets gelten zusätzliche Meldepflichten. Fällungen, Schnittarbeiten, Transporte, Lagerung, Entsorgung und Neupflanzungen bestimmter Wirtspflanzen müssen der LLG grundsätzlich mindestens 14 Tage vorher angezeigt werden.
Wie viele Bäume und Gehölze seit 2014 insgesamt gefällt wurden, lässt sich aus den aktuellen Behördenunterlagen nicht belastbar beziffern. Eine fortgeschriebene Gesamtsumme für 2026 veröffentlicht die LLG dort nicht. Behördliche Angaben dazu lagen zunächst nicht vor. Eine amtliche Zwischenbilanz aus einer Fachpräsentation der LLG vom November 2018 nennt für den Zeitraum von September 2014 bis Oktober 2018 insgesamt 9.523 gefällte und vernichtete Laubgehölze. Diese Zahl ist deshalb nur ein historischer Zwischenstand und keine aktuelle Gesamtsumme.
Seit 2018 kamen weitere Maßnahmen hinzu. Das Julius Kühn-Institut bestätigte im April 2026, dass im Jahr 2025 alle spezifizierten Pflanzen im Umkreis von 100 Metern um die damaligen Befallsbäume gefällt und untersucht wurden. Die LLG teilte zudem im März 2026 mit, dass die entsprechenden Arbeiten im Biederitzer Busch Ende 2025 abgeschlossen worden seien. Wie viele zusätzliche Bäume dabei entfernt wurden, bezifferte die Behörde in ihrer Mitteilung nicht.
Die Bekämpfung richtet sich inzwischen nach der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1952, die den früheren europäischen Durchführungsbeschluss ersetzt hat. Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist als prioritärer Unionsquarantäneschädling eingestuft. Für Magdeburg bedeutet das eine langfristige Überwachung. Nach der aktuell von der LLG veröffentlichten Regelung besteht der Quarantänestatus für mindestens vier Jahre. Werden während dieser Zeit neue Befallsbäume oder Käfer in Fallen nachgewiesen, verlängert sich die Quarantäne entsprechend. Die Nachweise von 2024 und 2025 verhindern deshalb bislang eine endgültige Freigabe des gesamten Gebiets.
Mit der neuen EU-Regelung wurde zugleich die Liste der für die Tilgungsmaßnahmen besonders relevanten Baumgattungen angepasst. Als spezifizierte Wirtspflanzen gelten seit April 2026 in Magdeburg Ahorn, Rosskastanie, Birke, Esche, Pappel, Weide und Ulme. Für diese Pflanzen gelten in der Quarantänezone besonders strenge Vorgaben zu Fällung, Transport, Entsorgung und Neupflanzung.
Dass Magdeburg heute eine Sonderstellung einnimmt, liegt an den wiederholten Nachweisen. In Bayern wurden nach Angaben der dortigen Landesanstalt für Landwirtschaft sämtliche sieben früheren ALB-Quarantänezonen aufgehoben. Zuletzt endete die Quarantäne in Miesbach Ende 2024. Voraussetzung für eine Freigabe ist eine mehrjährige Phase ohne Befallsanzeichen und ohne lebende Käferstadien. Auch in Baden-Württemberg konnten frühere Gebiete nach entsprechend langer negativer Überwachung geschlossen werden. Neue Funde wie zuletzt in Magdeburg verlängern dagegen die vorgeschriebene Kontrollzeit.
Die Freigabe anderer Regionen bedeutet nicht, dass der Schädling in Deutschland keine Rolle mehr spielt. Wegen seines Quarantänestatus wird weiterhin an Risikostandorten kontrolliert. Der Käfer stammt aus Ostasien und wurde nach Einschätzung der LLG wahrscheinlich mit Verpackungsholz wie Kisten oder Paletten eingeschleppt. Der Magdeburger Befall ist deshalb auch überregional relevant. Internationale Warenströme können neue Einschleppungen ermöglichen, während eine frühzeitige Entdeckung entscheidend dafür ist, einen Befallsherd wieder zu beseitigen.
Der Asiatische Laubholzbockkäfer befällt anders als viele heimische Bockkäfer auch gesunde und vitale Laubbäume. Besonders problematisch sind die Larven. Sie fressen sich durch Bast und Splintholz und können dadurch den Saftstrom beeinträchtigen. Die bis zu 30 Zentimeter langen Fraßgänge schwächen zudem die Stabilität des Holzes und schaffen Eintrittsstellen für weitere Schaderreger. Nach Angaben der LLG können jüngere Bäume bereits bei geringem Befall absterben. Bei älteren Bäumen können nach mehrjährigem starkem Befall zunächst Kronenteile und später auch der gesamte Baum absterben.
Für Magdeburg bleibt deshalb die Suche nach einzelnen verbliebenen Käfern und Befallsbäumen entscheidend. Anfang August 2026 erklärte die LLG, lebende Stadien des Schädlings würden nur noch selten gefunden. Die Behörde sieht die Bekämpfung damit in einer fortgeschrittenen Phase. An den rechtlichen Anforderungen ändert das nichts. Solange innerhalb der maßgeblichen Kontrollfrist weitere Befallsbäume oder Fallenfänge auftreten, bleibt die Quarantäne bestehen und die Überwachung muss fortgesetzt werden.
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