
Der chinesische Elektroautohersteller Leapmotor wächst 2026 mit hohem Tempo und entwickelt sich auch außerhalb seines Heimatmarktes zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber etablierter Autobauer. In den ersten acht Monaten des Jahres lieferte das Unternehmen weltweit 560.883 Fahrzeuge aus. Das waren 70,55 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im August erreichte Leapmotor mit 103.129 ausgelieferten Fahrzeugen einen neuen Monatsrekord. Bereits im Juli hatte die Marke erstmals die Schwelle von 100.000 Fahrzeugen innerhalb eines Monats überschritten.
Für Volkswagen ist diese Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil Leapmotor gleichzeitig in China und Europa expandiert. Während der deutsche Konzern auf seinem wichtigsten asiatischen Markt mit einem stark schrumpfenden Gesamtmarkt und intensivem Wettbewerb durch chinesische Hersteller kämpft, baut Leapmotor seine Produktion, seine Modellpalette und sein europäisches Vertriebsnetz aus.
Die Wachstumskurve des 2015 gegründeten Herstellers hat sich 2026 deutlich beschleunigt. Im ersten Halbjahr wurden 356.487 Fahrzeuge ausgeliefert. Im Juni waren es 93.376 Einheiten, im Juli 101.267 und im August schließlich 103.129 Fahrzeuge. Allein gegenüber August 2025 stiegen die Auslieferungen damit nach Unternehmensangaben um 80,72 Prozent.
Der Begriff „New Energy Vehicle“, kurz NEV, umfasst auf dem chinesischen Markt neben reinen Elektroautos auch Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range Extender. Deshalb sind die Leapmotor-Zahlen nicht unmittelbar mit reinen Elektroauto-Verkaufszahlen europäischer Hersteller vergleichbar.
Dennoch zeigt die Größenordnung, wie schnell das Unternehmen wächst. Noch 2024 verfügte Leapmotor nach Angaben von Stellantis an seinen beiden Produktionsbereichen in Jinhua über eine ausgewiesene Kapazität von zusammen 420.000 Fahrzeugen pro Jahr. Seitdem wurden Produktion und industrielle Strukturen weiter ausgebaut.
Neue Satellitenaufnahmen des Produktionsstandorts Jinhua dokumentieren zusätzliche Aktivitäten rund um die Leapmotor-Werke. Eine von WirtschaftsWoche und dem Satellitendaten-Spezialisten LiveEO veröffentlichte Auswertung zeigt unter anderem einen großflächigen Produktionskomplex und die Ansiedlung weiterer Zulieferer in unmittelbarer Umgebung. Anfang des Jahres waren zudem große Flächen des Auslieferparkplatzes mit fertigen Fahrzeugen belegt.
Leapmotor setzt in der Produktion auf eine hohe vertikale Integration. Das Unternehmen fertigt wesentliche Komponenten wie elektrische Antriebssysteme, Batteriesysteme und Elektronik selbst. Bereits früher hatte Leapmotor für seine Werke Kapazitäten von mehreren hunderttausend Einheiten pro Jahr bei Batteriepaketen, Antrieben und elektronischen Komponenten ausgewiesen.
Welche zusätzliche jährliche Fahrzeugkapazität durch die jüngsten baulichen Erweiterungen tatsächlich entsteht, ist dagegen nicht abschließend bestätigt. Eine konkrete neue Gesamtzahl für die chinesischen Fahrzeugwerke wurde bislang nicht belastbar veröffentlicht.
Ein entscheidender Unterschied zu vielen anderen chinesischen Neueinsteigern ist die Zusammenarbeit mit Stellantis. Der Konzern hinter Marken wie Opel, Peugeot, Fiat und Citroën erwarb 2023 rund 21 Prozent an Leapmotor und wurde damit größter Einzelaktionär. Gleichzeitig gründeten beide Unternehmen Leapmotor International. Stellantis hält an dem Gemeinschaftsunternehmen 51 Prozent, Leapmotor 49 Prozent. Leapmotor International besitzt die exklusiven Rechte für Vertrieb und Produktion der Marke außerhalb Greater China.
In Europa startete Leapmotor 2024 mit den Modellen T03 und C10. 2025 wurden nach Angaben von Stellantis bereits mehr als 40.000 Fahrzeuge nach Europa ausgeliefert. Im September 2026 verfügte Leapmotor über 1.020 Vertriebsstandorte in 36 europäischen Ländern.
Besonders deutlich ist die Entwicklung im August geworden: Europa machte nach Unternehmensangaben 27 Prozent der weltweiten Leapmotor-Auslieferungen aus. Damit erreichte der europäische Anteil einen bisherigen Höchststand.
Auch Deutschland gewinnt für die Marke an Bedeutung. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte Leapmotor unter Berufung auf Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes 8.402 Neuzulassungen. Das waren 306 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Juli kamen knapp 2.750 weitere Neuzulassungen hinzu.
Die Partnerschaft geht inzwischen deutlich über den Vertrieb hinaus. Stellantis und Leapmotor prüfen eine Produktion des kompakten Elektro-SUV B10 im spanischen Werk Figueruelas bei Saragossa. Der Produktionsstart könnte nach bisherigen Planungen bereits 2026 erfolgen. Am selben Standort soll später auch ein neues elektrisches Opel-SUV entstehen.
Für das Stellantis-Werk Villaverde in Madrid wird zusätzlich die Fertigung weiterer Leapmotor-Modelle geprüft. Ein erstes neues Modell könnte dort ab der ersten Jahreshälfte 2028 produziert werden. Stellantis und Leapmotor diskutieren zudem darüber, das Werk an die spanische Tochter von Leapmotor International zu übertragen. Die Pläne befanden sich zuletzt noch in der Prüfung und standen unter dem Vorbehalt endgültiger Vereinbarungen und Genehmigungen.
Eine Produktion innerhalb Europas hätte für Leapmotor einen zusätzlichen Vorteil: In China produzierte batterieelektrische Fahrzeuge unterliegen in der EU zusätzlichen Ausgleichszöllen. Eine lokalisierte Fertigung könnte diese Belastung für entsprechende Fahrzeuge vermeiden und zugleich Transportwege verkürzen.
Die Entwicklung trifft Volkswagen in einer schwierigen Phase. Der Konzern lieferte im ersten Halbjahr 2026 weltweit rund 4,13 Millionen Fahrzeuge aus. In China gingen die Auslieferungen jedoch besonders stark zurück. Nach Unternehmensangaben lag der chinesische Gesamtmarkt in der ersten Jahreshälfte rund 20 Prozent unter dem Vorjahr. Volkswagen selbst kam in China auf rund 971.000 Auslieferungen, etwa 26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Besonders im zweiten Quartal verschärfte sich der Rückgang: Die Auslieferungen des Volkswagen-Konzerns in China sanken gegenüber dem Vorjahresquartal um 36,6 Prozent. Volkswagen führt einen erheblichen Teil der Entwicklung auf den eingebrochenen Gesamtmarkt zurück, zugleich wächst jedoch der Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter.
Volkswagen reagiert mit einer umfangreichen China-Offensive. Unter der Strategie „In China, for China“ entwickelt der Konzern neue Elektrofahrzeuge und Software stärker direkt im Land und arbeitet dafür unter anderem mit chinesischen Technologiepartnern zusammen. Konzernchef Oliver Blume verwies zugleich darauf, dass chinesische Hersteller ihre Exporte nach Europa deutlich ausweiten.
Trotz des schnellen Wachstums unterscheiden sich die Größenordnungen weiterhin erheblich. Volkswagen lieferte allein im ersten Halbjahr weltweit mehr als vier Millionen Fahrzeuge aus. Leapmotor erreichte in den ersten acht Monaten rund 561.000 Einheiten. Ein direkter Vergleich der Gesamtvolumina würde deshalb die Marktpositionen verzerren.
Relevant ist vielmehr die Geschwindigkeit, mit der Leapmotor zusätzliche Stückzahlen erreicht und neue Märkte erschließt. Das Unternehmen verbindet vergleichsweise kostengünstige chinesische Entwicklung und Fertigung mit dem europäischen Händler-, Service- und Produktionsnetz eines etablierten Autokonzerns. Für Volkswagen entsteht damit neben BYD, Geely, Chery und weiteren chinesischen Herstellern ein zusätzlicher Wettbewerber, der nicht mehr ausschließlich aus China nach Europa exportiert, sondern seine Strukturen zunehmend direkt im europäischen Markt verankert.






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu