Lenkungsproblem: Hunderttausende VW müssen in die Werkstatt

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Volkswagen hat einen der größten Rückrufe der Marke der vergangenen Jahre gestartet. Allein in Deutschland sind nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes 895.832 Fahrzeuge betroffen, weltweit sind es 2.159.054. Ursache ist eine Befestigungsschraube an der Lenkung, die unter bestimmten Bedingungen korrodieren und schließlich abreißen kann. Dann kann die Funktion der Lenkung beeinträchtigt werden. Für einen Teil der Halter könnte die Aktion zudem nicht mit einem einzigen Werkstatttermin erledigt sein.

Diese VW-Modelle sind vom Rückruf betroffen

Das Kraftfahrt-Bundesamt führt den Volkswagen-Rückruf unter der Referenznummer 17016R. Der Herstellercode lautet 48VS. Betroffen sind nach den veröffentlichten Angaben Fahrzeuge der Baureihen Golf, Golf Variant, Tiguan, Touran und Caddy, die zwischen dem 24. September 2013 und dem 1. Juli 2024 produziert wurden. Entscheidend ist allerdings nicht allein Modell und Baujahr. Ob ein konkretes Fahrzeug tatsächlich unter die Aktion fällt, muss anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer geprüft werden.

Volkswagen hatte das mögliche Problem nach eigenen Angaben bei internen Qualitätsprüfungen festgestellt. Unter bestimmten Umwelteinflüssen und insbesondere nach langjährigem Betrieb mit Streusalzeinwirkung könne Korrosion an einer Befestigungsverschraubung der Lenkung entstehen. Schreitet die Korrosion ausreichend weit fort, kann die Schraube geschwächt werden. Das KBA nennt als mögliche Folge eines Schraubenabrisses einen Ausfall der Lenkung.

Bislang sind nach den Angaben von KBA und Herstellern keine Personen- oder weitergehenden Sachschäden im Zusammenhang mit diesem Mangel bekannt. Volkswagen behandelt die Maßnahme dennoch als vorsorglichen sicherheitsrelevanten Rückruf.

Warum manche Fahrzeuge zweimal in die Werkstatt müssen

Zusätzliche Bedeutung bekommt die Rückrufaktion durch die Versorgung mit Ersatzteilen. Die für die endgültige Reparatur vorgesehene korrosionsbeständigere Schraube steht zum Beginn der Aktion möglicherweise nicht überall in ausreichender Menge zur Verfügung.

Aus einer internen Volkswagen-Werkstattinformation zur Ersatzteilversorgung, die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, geht hervor, dass Werkstätten bei fehlender Verfügbarkeit zunächst eine andere Schraube einbauen dürfen. Ein Volkswagen-Sprecher bestätigte diese Vorgehensweise und bezeichnete sie als sinnvoll. Damit soll verhindert werden, dass ein Fahrzeug mit festgestellter Korrosion ohne eine Reparatur wieder an den Kunden übergeben werden muss.

Für die betroffenen Halter hat die Übergangslösung allerdings eine praktische Folge: Die Rückrufaktion gilt für dieses Fahrzeug damit noch nicht als endgültig abgeschlossen. Sobald die vorgesehene korrosionsbeständigere Schraube verfügbar ist, muss das Auto erneut in die Werkstatt und das endgültige Bauteil eingebaut werden. Ein zweiter Termin ist damit möglich, aber nicht für alle knapp 900.000 in Deutschland betroffenen Volkswagen automatisch erforderlich.

Die interne Anweisung nennt für die endgültige Ausführung die Teilenummer WHT 013461. Entscheidend für Kunden ist diese Nummer jedoch nicht. Für die Zuordnung des Rückrufs sind die FIN und der Volkswagen-Aktionscode 48VS beziehungsweise die KBA-Referenznummer 17016R maßgeblich.

Audi und Seat ebenfalls von dem Lenkungsproblem betroffen

Das technische Problem beschränkt sich nicht auf Volkswagen. Das KBA führt eine eigene Aktion für den Audi Q3. Betroffen sind Fahrzeuge aus dem Produktionszeitraum vom 31. Oktober 2017 bis zum 23. Mai 2024. Die Behörde nennt 696.547 Fahrzeuge weltweit, darunter 58.555 in Deutschland. Die KBA-Referenznummer lautet 17014R, bei Audi wird der Rückruf unter dem Code 48LG geführt.

Auch Seat Ateca und Tarraco aus Produktionszeiträumen zwischen April 2016 und September 2024 sind betroffen. Das KBA führt diese Aktion unter der Referenznummer 17017R. Nach den veröffentlichten Zahlen geht es um 66.224 Fahrzeuge weltweit und 43.574 in Deutschland.

Damit summieren sich allein die derzeit veröffentlichten KBA-Zahlen für Volkswagen, Audi und Seat auf 997.961 Fahrzeuge in Deutschland und rund 2,92 Millionen Fahrzeuge weltweit.

Was VW-Fahrer jetzt tun müssen

Volkswagen will die Halter der tatsächlich betroffenen Fahrzeuge anschreiben. Wer einen Golf, Golf Variant, Tiguan, Touran oder Caddy aus dem genannten Produktionszeitraum besitzt, kann zusätzlich mit der 17-stelligen Fahrzeug-Identifizierungsnummer bei einem Volkswagen-Servicepartner klären, ob das eigene Auto zur Aktion gehört. Die FIN steht unter anderem in der Zulassungsbescheinigung Teil I und ist bei vielen Fahrzeugen außerdem durch die Windschutzscheibe sichtbar.

Nach Angaben von Volkswagen können die betroffenen Fahrzeuge grundsätzlich weiter genutzt werden. Anders als bei Rückrufen, bei denen der Hersteller ausdrücklich ein sofortiges Fahrverbot ausspricht, liegt für diese Aktion keine entsprechende generelle Stilllegungsempfehlung vor. Das tatsächliche Korrosionsrisiko hängt unter anderem von Alter und Einsatzbedingungen des Fahrzeugs ab. Ein bereits erhaltener Rückruf sollte dennoch zeitnah abgearbeitet werden.

In der Werkstatt wird die betroffene Lenkungsverschraubung überprüft und die Schraube durch eine widerstandsfähigere Ausführung ersetzt. Die Arbeiten sind für die Fahrzeughalter kostenlos. Volkswagen rechnet für die eigentliche Instandsetzung mit einer Dauer von bis zu einer Stunde. Sollte zunächst nur die Übergangslösung verfügbar sein, folgt später ein weiterer kostenloser Werkstatttermin für den endgültigen Austausch.

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