Lenzing will mit neuen Aktien 300 Millionen Euro einnehmen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der österreichische Faserhersteller Lenzing steht vor dem Abschluss einer umfangreichen Kapitalerhöhung. Mit der Ausgabe neuer Aktien will das Unternehmen rund 300 Millionen Euro einnehmen und seine finanzielle Stabilität verbessern. Für bestehende Aktionäre endet die vorgesehene Bezugsfrist am Dienstag, 20. Oktober 2026. Die Maßnahme ist Teil eines größeren Finanzierungs- und Umbauprogramms, mit dem Lenzing sein Geschäft neu ausrichtet.

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Kapitalerhöhung der Lenzing AG: Neue Aktien für 8,65 Euro

Im Rahmen der Kapitalerhöhung der Lenzing AG sollen insgesamt 34.756.362 neue Aktien ausgegeben werden. Der Bezugspreis beträgt 8,65 Euro pro Aktie. Damit strebt das Unternehmen einen Bruttoerlös von rund 300 Millionen Euro an.

Das Bezugsverhältnis liegt bei zehn zu neun. Wer zehn bestehende Aktien beziehungsweise die entsprechende Anzahl an Bezugsrechten hält, kann neun zusätzliche Aktien erwerben. Insgesamt wächst die Zahl der ausgegebenen Aktien bei vollständiger Durchführung damit um rund 90 Prozent.

Die Bezugsfrist begann am 6. Oktober und läuft nach dem veröffentlichten Zeitplan bis einschließlich 20. Oktober. Der reguläre Börsenhandel mit den Bezugsrechten war dagegen nur bis zum 14. Oktober vorgesehen. Nicht rechtzeitig ausgeübte oder verkaufte Bezugsrechte verfallen wertlos.

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Großaktionäre unterstützen die Finanzierung

Die Kapitalerhöhung wird von einem Bankenkonsortium vollständig garantiert, wobei die Zusagen an vertragliche Bedingungen geknüpft sind. Die indirekten Mehrheitsaktionäre B&C-Gruppe und der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano haben sich verpflichtet, ihre Bezugsrechte auszuüben. Auch die österreichische Oberbank beteiligt sich entsprechend ihrem Aktienanteil.

Allein auf das Aktionärssyndikat von B&C und Suzano entfallen Zeichnungsverpflichtungen im Umfang von rund 157 Millionen Euro. Die Oberbank will weitere rund 11,6 Millionen Euro einbringen.

Aktien, die nicht über Bezugsrechte gezeichnet werden, können im Rahmen einer internationalen Privatplatzierung angeboten werden. Diese ist für den 20. Oktober vorgesehen. Der Handelsbeginn der neuen Lenzing-Aktien ist für den 23. Oktober geplant, sofern die erforderliche Eintragung der Kapitalerhöhung erfolgt.

Lenzing kämpft mit hohen Finanzverbindlichkeiten

Die zusätzlichen Mittel sollen die Kapitalstruktur des Unternehmens stärken. Lenzing hatte Ende Juni 2026 eine Nettofinanzverschuldung von rund 1,36 Milliarden Euro ausgewiesen. Die bereinigte Eigenkapitalquote lag bei 29,7 Prozent.

Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 1,27 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 1,34 Milliarden Euro gewesen. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) sank von 268,6 Millionen auf 239,2 Millionen Euro.

Gleichzeitig stieg das Ergebnis nach Steuern von 15,2 Millionen auf 35,6 Millionen Euro. Zu dieser Verbesserung trugen insbesondere positive Effekte aus der Fremdwährungsbewertung bei. Die Zahlen verdeutlichen die gemischte Entwicklung: Lenzing schreibt wieder einen höheren Nettogewinn, steht aber weiterhin vor erheblichen finanziellen und operativen Herausforderungen.

Faserhersteller richtet Textilgeschäft neu aus

Mit seiner Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ will Lenzing künftig stärker auf Fasern für Vliesstoffe setzen, die beispielsweise in Hygieneprodukten verwendet werden. Gleichzeitig soll das Textilgeschäft auf höherwertige Spezialfasern ausgerichtet werden.

Der Konzern plant, sich schrittweise aus wenig profitablen Standardfasern zurückzuziehen und seine Produktionsstruktur anzupassen. Bereits im Juli hatte Lenzing angekündigt, die Faserproduktion im österreichischen Heiligenkreuz bis Ende 2026 und am britischen Standort Grimsby bis Ende 2027 einstellen zu wollen.

Für 2026 erwartet das Unternehmen im Zusammenhang mit der Neuordnung nicht zahlungswirksame Wertminderungen von bis zu 150 Millionen Euro. Zusätzlich wurden mögliche Restrukturierungsrückstellungen für Personalmaßnahmen von bis zu 40 Millionen Euro angekündigt.

Die Kapitalerhöhung ist zugleich Voraussetzung für ein umfassenderes Refinanzierungspaket. Dieses soll neue Finanzierungsvereinbarungen im Umfang von bis zu 300 Millionen Euro und längere Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten bis 2030 umfassen.

Lenzing-Aktie schließt bei 10,76 Euro

An der Wiener Börse schloss die Lenzing-Aktie am Freitag, 16. Oktober 2026, bei 10,76 Euro. Das entsprach einem Tagesverlust von 1,65 Prozent gegenüber dem Schlusskurs des Vortags von 10,94 Euro. Quelle sind die historischen Handelsdaten der Wiener Börse vom 16. Oktober 2026, Stand nach Handelsschluss.

Bei der Bewertung der jüngsten Kursentwicklung spielt die Kapitalmaßnahme eine wesentliche Rolle. Seit dem 2. Oktober werden die bestehenden Aktien ohne Bezugsrecht gehandelt. Kursvergleiche mit der Zeit vor diesem Stichtag müssen deshalb den rechnerischen Effekt der Abtrennung der Bezugsrechte berücksichtigen.

Mit dem vorgesehenen Ende der Bezugsfrist am 20. Oktober erreicht die Finanzierung nun einen wichtigen Termin. Ob die neuen Aktien wie geplant ab dem 23. Oktober gehandelt werden können, hängt von der ordnungsgemäßen Durchführung und Eintragung der Kapitalerhöhung ab.

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