
Die Aktie des KI-Cloud-Anbieters Nebius Group ist am Freitag, 16. Oktober 2026, an der US-Börse deutlich gefallen. Um 13.10 Uhr New Yorker Zeit, entsprechend 19.10 Uhr deutscher Zeit, notierte die Nebius-Aktie laut Stock Analysis bei 168,29 US-Dollar. Gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag bei 188,41 Dollar entsprach das einem Rückgang von 10,68 Prozent. Der Handel an der Nasdaq lief zu diesem Zeitpunkt noch.
Der Kursrückgang bei Nebius fällt in eine Phase wachsender Zweifel an der Finanzierung großer KI-Rechenzentren. Steigende Finanzierungskosten, Probleme am Anleihemarkt und neue Prognosen zur Wirtschaftlichkeit der KI-Infrastruktur setzen mehrere Unternehmen der Branche unter Druck.
Ein wichtiger Hintergrund der Verkaufswelle ist die Entwicklung beim amerikanischen KI-Infrastrukturanbieter CoreWeave. Das Unternehmen steht wegen seiner hohen Verschuldung und steigender Risikoprämien am Anleihemarkt unter Druck. Die Rendite einer bis 2031 laufenden CoreWeave-Anleihe überschritt am Donnerstag zeitweise 16 Prozent.
Nach Angaben von Reuters belasteten die Finanzierungssorgen auch andere Anbieter von KI-Rechenleistung. Neben Nebius verloren am Freitag unter anderem CoreWeave, IREN und Applied Digital deutlich an Börsenwert. Die höheren Inflationszahlen aus den USA hatten zuvor Befürchtungen verstärkt, dass weitere Zinserhöhungen die Kapitalbeschaffung verteuern könnten.
Zusätzliche Unsicherheit brachte eine am 14. Oktober veröffentlichte Prognose des Marktforschungsunternehmens Gartner. Demnach könnten mehr als 80 Prozent der spezialisierten KI-Cloud-Anbieter bis 2030 ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit verlieren. Gemeint sind sogenannte Neoclouds, die Rechenkapazitäten speziell für künstliche Intelligenz bereitstellen.
Gartner schätzt, dass bis Ende 2030 weltweit KI-Infrastrukturinvestitionen im Umfang von mehr als 3,5 Billionen US-Dollar einem Wertminderungsrisiko ausgesetzt sein könnten, sofern die Unternehmen ihre bisherigen Investitionspläne fortsetzen.
Hintergrund ist die mögliche Differenz zwischen den enormen Ausgaben für Rechenzentren und den erwarteten Einnahmen aus KI-Anwendungen. Die Zahlen sind Prognosen für die gesamte Branche und keine konkrete Vorhersage über die Zukunft von Nebius.
Nebius mit Hauptsitz in Amsterdam betreibt eine Plattform für KI-Rechenleistung und baut seine Infrastruktur international aus. Die Nebius Group ist an der Nasdaq unter dem Kürzel NBIS notiert.
Erst im August 2026 schloss das Unternehmen die Ausgabe von Wandelanleihen mit einem Gesamtvolumen von 5,75 Milliarden US-Dollar ab. Die Papiere laufen bis 2030 beziehungsweise 2034. Nach Unternehmensangaben soll das Kapital unter anderem für neue Rechenzentren, zusätzliche Grafikprozessoren und den Ausbau der Cloud-Plattform eingesetzt werden.
Diese Investitionen sollen die Kapazitäten des Unternehmens vergrößern. Gleichzeitig hängt die Wirtschaftlichkeit davon ab, dass künftig ausreichend Nachfrage nach KI-Rechenleistung besteht und sich die hohen Ausgaben über entsprechende Einnahmen amortisieren.
Der jüngste Kursrückgang trifft Nebius damit in einer Phase, in der Investoren die Finanzierung des KI-Ausbaus kritischer betrachten. Anders als große Technologiekonzerne mit breit aufgestellten Geschäftsmodellen sind spezialisierte Cloud-Anbieter stärker von der Auslastung ihrer KI-Infrastruktur abhängig.
Die Finanzierungsschwierigkeiten bei CoreWeave zeigen, wie empfindlich der Markt auf steigende Kapitalkosten reagieren kann. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass Nebius selbst vor vergleichbaren Liquiditätsproblemen steht.
Ob zusätzlich zu den allgemeinen Branchensorgen unternehmensspezifische Faktoren zum Kursverlust am Freitag beitrugen, blieb zunächst offen.
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