Neue Sprachregeln an Lettlands Schulen: Was jetzt gilt

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Symbolbild mit KI erstellt

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An Lettlands Schulen hat mit dem Schuljahr 2026/27 eine weitreichende Änderung des Fremdsprachenunterrichts begonnen. Neue Schülerjahrgänge dürfen Russisch nicht mehr als zweite Fremdsprache beginnen. Stattdessen müssen die Schulen eine offizielle Sprache der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums anbieten oder eine Sprache, deren Unterricht durch ein zwischenstaatliches Bildungsabkommen geregelt ist. Besonders Deutsch, aber auch Französisch und Spanisch sollen dadurch an Bedeutung gewinnen.

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Ein vollständiges Verbot von Russisch als Fremdsprache in Lettland ist die Regelung allerdings nicht. Schüler, die vor der Umstellung bereits Russisch als zweite Fremdsprache begonnen hatten, dürfen den Unterricht während festgelegter Übergangsfristen fortsetzen. Die Reform wird damit schrittweise umgesetzt und betrifft zunächst vor allem neue Jahrgänge.

Neue Regel gilt seit dem 1. September 2026

In der Grundbildung betrifft die Neuregelung zunächst Schüler der fünften Klasse. Kinder, die am 1. September 2025 in die vierte Klasse kamen, lernten im Schuljahr 2025/26 zunächst nur ihre erste Fremdsprache. Seit dem 1. September 2026 beginnt für diesen Jahrgang die zweite Fremdsprache. Dafür kommen nun nur noch die im neuen Standard zugelassenen Sprachen infrage.

Wer bereits vor dem 1. September 2025 mit einer anderen zweiten Fremdsprache begonnen hatte, darf diese bis zum Ende der Grundbildung weiterlernen. Für Russisch reicht diese Übergangsregelung längstens bis zum Ende des Schuljahres 2029/30. Damit findet auch im laufenden Schuljahr weiterhin regulärer Russischunterricht statt.

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Regierung regelte auch die weiterführenden Schulen neu

Die Grundlage für die Umstellung bilden mehrere Änderungen des lettischen Bildungsrechts. Das Kabinett änderte im April 2024 mit der Verordnung Nr. 259 den staatlichen Standard für die Grundbildung. Das Parlament ergänzte im Mai 2024 das Bildungsgesetz und regelte zugleich den Ausstieg und die Übergangsfristen für Schüler, die Russisch bereits gelernt hatten.

Für die allgemeine Sekundarbildung folgte im Mai 2025 die Verordnung Nr. 317. Auch dort gilt seit dem 1. September 2026, dass neu begonnene zweite Fremdsprachen aus dem Kreis der EU- oder EWR-Amtssprachen beziehungsweise aus durch zwischenstaatliche Bildungsabkommen erfassten Sprachen stammen müssen. Wer spätestens im Schuljahr 2025/26 bereits Russisch begonnen hatte, kann den Unterricht weiterführen, längstens bis zum Ende des Schuljahres 2027/28.

Deutsch, Französisch und Spanisch rücken nach

Die Regel schreibt nicht eine einzige Ersatzsprache vor. Schulen können entsprechend ihren personellen Möglichkeiten verschiedene europäische Sprachen anbieten. Das Bildungsministerium nennt vor allem Deutsch, Französisch und Spanisch als Schwerpunkte. Bis Mitte 2031 sollen nach den Regierungsplanungen bis zu 350 zusätzliche Lehrkräfte insbesondere für diese drei Sprachen qualifiziert werden. Kooperationen mit dem Goethe-Institut und dem Institut français sollen dabei helfen, bestehende Lehrer zusätzlich auszubilden.

Besonders deutlich ist der Zuwachs beim Deutschen. Im Schuljahr 2024/25 lernten nach offiziellen Angaben 53.515 Schüler Deutsch als zweite Fremdsprache. Russisch lag damals mit 71.193 Schülern noch an erster Stelle. Französisch wurde von 6.625 Schülern als zweite Fremdsprache gelernt, Spanisch von 4.784. Die Zahlen zeigen zugleich, wie groß die praktische Umstellung für das Schulsystem ist.

Für 2026 werden inzwischen rund 57.000 Kinder genannt, die Deutsch lernen. An den Schulen arbeiten demnach knapp 600 Deutschlehrkräfte.

Mehr als 70.000 Schüler lernten zuletzt Russisch

Wie viele Kinder unmittelbar durch die neuen Vorgaben ihren ursprünglichen Sprachwunsch ändern mussten, lässt sich aus den älteren Gesamtzahlen nicht direkt ableiten. Die zuletzt detailliert veröffentlichten Angaben des Bildungsministeriums zeigen aber die Dimension: Im Schuljahr 2024/25 lernten 71.193 Schüler an 464 Bildungseinrichtungen Russisch als zweite Fremdsprache.

Nicht alle diese Schüler mussten anschließend wechseln. Ein erheblicher Teil fällt unter die Übergangsregeln und kann den begonnenen Russischunterricht abschließen. Schon vor Inkrafttreten der neuen Vorgaben konnten Schüler beziehungsweise ihre Eltern außerdem schriftlich erklären, dass sie Russisch nicht weiterlernen wollten. Schulen beziehungsweise deren Träger mussten dann eine andere zweite Fremdsprache ermöglichen.

Die Regierung begründete diesen vorgezogenen Wechsel ausdrücklich auch mit Anträgen von Eltern nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine. Gleichzeitig verfolgt sie das Ziel, Schüler stärker auf Sprachen auszurichten, die ihnen Studium und Arbeit innerhalb Europas erleichtern sollen.

Russisch bleibt für einen großen Teil der Bevölkerung Alltagssprache

Die Reform berührt ein gesellschaftlich sensibles Thema. Anfang 2026 lebten nach Angaben des lettischen Statistikamtes 426.408 Menschen russischer ethnischer Zugehörigkeit in Lettland. Bei insgesamt rund 1,845 Millionen Einwohnern entspricht das etwa 23 Prozent der Bevölkerung. Die ethnische Zugehörigkeit ist dabei nicht mit der im Alltag verwendeten Sprache gleichzusetzen.

Eine amtliche Befragung aus dem Jahr 2022 ergab, dass 34,6 Prozent der 18- bis 69-Jährigen zu Hause überwiegend Russisch verwendeten. 62 Prozent nannten Lettisch. Russisch ist damit gesellschaftlich deutlich verbreiteter, als sich allein aus der Zahl ethnischer Russen ableiten lässt.

Parallel zum Fremdsprachenunterricht hat Lettland auch die Unterrichtssprache verändert. Eine 2022 beschlossene Reform stellte Vorschulen und die Grundbildung schrittweise vollständig auf Lettisch um. Der Prozess begann 2023 mit einzelnen Jahrgängen und wurde zum 1. September 2025 auf die verbliebenen Klassen ausgeweitet. Minderheitensprachen und die jeweilige Kulturgeschichte können weiterhin in dafür vorgesehenen ergänzenden Programmen vermittelt werden.

Kritik richtet sich gegen Wahlfreiheit und praktische Probleme

Die Pläne waren von Beginn an umstritten. Bei einer öffentlichen Beteiligung zur Reform gingen 2024 mehr als 300 Stellungnahmen von Privatpersonen und Verbänden ein. Nach Angaben des lettischen Rundfunks sprach sich die Mehrheit der eingegangenen Stellungnahmen gegen den geplanten schrittweisen Ausstieg aus Russisch als zweiter Fremdsprache aus. Zu den Argumenten gehörten die Forderung nach größerer Wahlfreiheit und die Auffassung, Sprachunterricht solle nicht von politischen Entwicklungen abhängig gemacht werden.

Elternvertreter verwiesen zudem auf eine praktische Frage: Schulen benötigen genügend Lehrer für Deutsch, Französisch, Spanisch und andere Sprachen. Der Staat reagierte darauf mit Qualifizierungsprogrammen und Kooperationen mit ausländischen Kulturinstituten.

Kritik internationaler Institutionen betrifft vor allem Lettlands umfassendere Minderheitensprachenpolitik. Der Beratende Ausschuss des Europarats zum Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten äußerte 2024 Bedenken wegen der starken Einschränkung von Minderheitensprachen im Bildungssystem und forderte Lettland auf, Rechte nationaler Minderheiten und den interkulturellen Dialog stärker zu berücksichtigen. Diese Stellungnahme bezog sich insbesondere auf den Wechsel vom bilingualen zum lettischsprachigen Unterricht und darf nicht mit der speziellen Regel zur zweiten Fremdsprache gleichgesetzt werden.

Seit dem Ukraine-Krieg verändert sich die Sprachenpolitik im Baltikum

Der russische Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat die Debatte über Sprache, Integration und Sicherheit in den baltischen Staaten deutlich beschleunigt. Lettland verbindet seine heutigen Maßnahmen zugleich mit der Erfahrung der sowjetischen Besatzungszeit und der damaligen Russifizierung. Die Regierung betrachtet die stärkere Stellung des Lettischen und anderer europäischer Sprachen als Teil einer langfristigen Neuorientierung des Bildungssystems.

Auch Estland stellt sein Bildungssystem um. Dort begann 2024 der schrittweise Übergang zu estnischsprachigem Unterricht in Kindergärten sowie in der ersten und vierten Klasse. In der Grundbildung soll der Wechsel bis 2030 abgeschlossen sein.

Litauen verfolgt dagegen beim Fremdsprachenunterricht bislang einen anderen Weg. Russisch steht dort auch 2026 weiterhin auf der offiziellen Liste möglicher zweiter Fremdsprachen, gemeinsam mit unter anderem Deutsch, Französisch, Spanisch, Polnisch und Ukrainisch. Zugleich sinkt die Nachfrage nach Russisch deutlich. Im Schuljahr 2025/26 verzichteten nach Angaben des litauischen Bildungsministeriums 51 Schulen ganz auf Russisch als zweite Fremdsprache.

Lettland geht damit bei der Wahl der zweiten Fremdsprache weiter als sein südlicher Nachbar. Der Wandel erfolgt jedoch nicht über Nacht. Noch bis zum Ende des Jahrzehnts werden Schüler in lettischen Schulen Russisch lernen können, sofern sie vor Beginn der neuen Regelungen damit angefangen haben.

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