Lithium aus Ostdeutschland soll Europas Rohstoffversorgung stärken

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Europäische Union will bei wichtigen Rohstoffen unabhängiger von Importen werden und setzt dabei auch auf zwei Lithiumprojekte in Ostdeutschland. Die EU-Kommission hat am Freitag, 9. Oktober 2026, Vorhaben in Sachsen und Sachsen-Anhalt als strategisch bedeutsam eingestuft. Die Entscheidung betrifft die geplante Lithiumgewinnung von Neptune Energy in der Altmark sowie das Bergbauprojekt von Zinnwald Lithium im Erzgebirge. Beide Unternehmen sollen künftig von vereinfachten Genehmigungsverfahren und einem besseren Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten profitieren. Eine endgültige Genehmigung für den industriellen Abbau ist mit der Einstufung allerdings nicht verbunden.

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EU wählt 46 neue Rohstoffprojekte aus

Die beiden deutschen Lithiumvorhaben gehören zu insgesamt 46 neuen strategischen Projekten, die von der Europäischen Kommission ausgewählt wurden. Sie verteilen sich auf 16 Mitgliedstaaten. Acht davon befinden sich in Deutschland. Neben der Gewinnung von Rohstoffen stehen deren Verarbeitung und das Recycling im Mittelpunkt.

Die Entscheidung erfolgt auf Grundlage des europäischen Gesetzes über kritische Rohstoffe, des sogenannten Critical Raw Materials Act. Die Verordnung ist seit Mai 2024 in Kraft und soll die Versorgung der europäischen Industrie langfristig absichern.

Die EU verfolgt dabei konkrete Ziele. Bis 2030 sollen die europäischen Kapazitäten ausreichen, um mindestens zehn Prozent des jährlichen Bedarfs an strategischen Rohstoffen durch eigene Förderung abzudecken. Bei der Verarbeitung strebt die EU einen Anteil von 40 Prozent an, beim Recycling 25 Prozent.

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Lithium gehört zu den besonders wichtigen Rohstoffen, weil es für wiederaufladbare Batterien benötigt wird. Diese werden unter anderem in Elektroautos, stationären Stromspeichern und elektronischen Geräten eingesetzt.

Altmark: Neptune Energy will Lithium aus Thermalwasser gewinnen

In Sachsen-Anhalt verfolgt Neptune Energy einen vergleichsweise neuen Ansatz zur Lithiumgewinnung. Anders als beim klassischen Erzbergbau soll der Rohstoff aus salzhaltigem Thermalwasser gewonnen werden.

Das Unternehmen arbeitet dafür in der Region um Salzwedel. Dort befindet sich Lithium in tiefen geologischen Formationen, deren Thermalwasser durch Bohrungen erschlossen werden soll. Nach Unternehmensangaben liegt das lithiumhaltige Wasser in Tiefen zwischen 3.000 und 4.000 Metern.

Die Gewinnung soll durch ein Verfahren erfolgen, bei dem gelöstes Lithium gezielt aus dem Wasser abgetrennt wird. Dafür testet Neptune Energy verschiedene Materialien und technische Abläufe. Im August 2026 begann eine zweite Pilotphase, in der das Unternehmen gemeinsam mit dem Fraunhofer IEG ein Adsorptionsverfahren optimiert.

Das wirtschaftliche Potenzial ist nach den bisherigen Berechnungen erheblich. Eine 2025 im Auftrag des Unternehmens erstellte Ressourcenschätzung beziffert das Vorkommen auf rund 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent. Diese Einheit ermöglicht die rechnerische Darstellung unterschiedlicher lithiumhaltiger Verbindungen.

Die Schätzung beschreibt die geologische Ressource und nicht die Menge, die bereits wirtschaftlich gewonnen werden kann.

Neptune Energy strebt für die 2030er-Jahre eine jährliche Produktion von bis zu 25.000 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent an. Nach Berechnungen des Unternehmens könnte diese Menge für Batterien von ungefähr 500.000 Elektroautos ausreichen. Voraussetzung dafür ist eine erfolgreiche technische und wirtschaftliche Umsetzung.

Derzeit befindet sich das Projekt weiterhin in der Erprobungsphase.

Zinnwald: Lithiumförderung im Erzgebirge geplant

Das zweite ausgewählte Vorhaben liegt im Osterzgebirge nahe der tschechischen Grenze. Dort plant Zinnwald Lithium den untertägigen Abbau von lithiumhaltigem Gestein.

Das Projekt umfasst ein Bergwerk im Bereich Zinnwald-Georgenfeld und eine Aufbereitungsanlage im Altenberger Ortsteil Liebenau. Nach den bisherigen Planungen soll das geförderte Erz über einen unterirdischen Transportweg zur Weiterverarbeitung gelangen.

Die Landesdirektion Sachsen hatte im Januar 2026 eine Raumverträglichkeitsprüfung abgeschlossen. Den damaligen Planungen zufolge sollen jährlich etwa 1,5 Millionen Tonnen Erz gewonnen werden. Für Aufbereitungsanlagen und die Lagerung von Rückständen sind oberirdische Flächen von rund 110 Hektar vorgesehen.

Zinnwald Lithium strebt in einer ersten Produktionsphase eine jährliche Herstellung von etwa 18.000 Tonnen Lithiumhydroxid an. In einer späteren Ausbaustufe könnte die Kapazität nach Unternehmensplanung auf bis zu 35.100 Tonnen steigen. Diese Mengen sind Prognosen für den vorgesehenen Betrieb und keine bereits erreichte Produktion.

Im Juli 2026 wurde zudem die vollständige Übernahme von Zinnwald Lithium durch AMG Critical Materials abgeschlossen. Die neue Eigentümerin will die weitere Entwicklung des Vorhabens vorantreiben.

Schnellere Genehmigungen, aber keine automatische Förderung

Mit dem neuen Status erhalten die ausgewählten Vorhaben eine besondere Bedeutung innerhalb der europäischen Rohstoffstrategie.

Das EU-Recht sieht für neue strategische Projekte zur Rohstoffgewinnung grundsätzlich Genehmigungsfristen von höchstens 27 Monaten vor. Bei Vorhaben, die sich bereits vor der strategischen Anerkennung in einem Genehmigungsverfahren befanden, gelten besondere Fristen. Zudem sind gesetzliche Ausnahmen und gesonderte Regelungen zur Erstellung von Umweltverträglichkeitsberichten vorgesehen.

Für reine Verarbeitungs- oder Recyclingprojekte beträgt die reguläre Genehmigungsfrist grundsätzlich 15 Monate.

Die strategische Einstufung bedeutet allerdings nicht, dass die Unternehmen automatisch finanzielle Zuschüsse aus Brüssel erhalten. Vielmehr sollen sie bei der Suche nach öffentlichen und privaten Finanzierungsmöglichkeiten unterstützt werden. Auch Kontakte zu möglichen Abnehmern können erleichtert werden.

Ebenso wenig ersetzt die Entscheidung die notwendigen nationalen Genehmigungen. Die zuständigen Behörden müssen die rechtlichen Voraussetzungen weiterhin prüfen.

Umweltfragen bleiben besonders im Erzgebirge relevant

Die Lithiumförderung in Deutschland ist auch mit Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes verbunden. Besonders deutlich wird dies beim geplanten Bergwerk im Osterzgebirge.

Die Landesdirektion Sachsen verwies im Januar auf mögliche Konflikte mit dem Schutz von Quellbereichen und Fließgewässern, dem Landschaftswasserhaushalt sowie der Nähe zu Kur- und Erholungsorten. Auch das UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří spielt bei der weiteren Bewertung eine Rolle.

An der Raumverträglichkeitsprüfung hatten sich rund 600 Bürgerinnen und Bürger sowie etwa 50 öffentliche Stellen beteiligt.

Die abgeschlossene Prüfung stellt noch keine abschließende bergrechtliche Zulassung dar. Das weitere Verfahren liegt beim Sächsischen Oberbergamt.

Auch für die von Brüssel ausgewählten strategischen Projekte gelten weiterhin die europäischen und nationalen Umweltvorschriften. Die EU-Kommission betont, dass schnellere Verfahren nicht mit einer Absenkung der Umweltstandards verbunden sein sollen.

Europas Rohstoffstrategie richtet sich auch gegen Importabhängigkeiten

Die Entscheidung für zusätzliche Lithiumprojekte ist Teil einer umfassenderen europäischen Industriepolitik. Die EU will ihre Versorgung mit strategischen Rohstoffen breiter aufstellen und die Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern verringern.

Besonders China spielt bei der Verarbeitung zahlreicher kritischer Rohstoffe eine wichtige Rolle. Für europäische Industrieunternehmen können solche konzentrierten Lieferketten problematisch werden, wenn Handelsbeschränkungen oder Versorgungsunterbrechungen auftreten.

Die europäische Rohstoffverordnung sieht deshalb vor, dass bei strategischen Rohstoffen in relevanten Verarbeitungsstufen nicht mehr als 65 Prozent des jährlichen EU-Bedarfs aus einem einzigen Drittstaat stammen sollen.

Die neu ausgewählten Projekte sollen hierzu einen Beitrag leisten. Insgesamt decken sie 15 der 17 strategischen Rohstoffe ab, die in der europäischen Verordnung festgelegt sind. Sieben Vorhaben betreffen Lithium. Weitere Projekte konzentrieren sich unter anderem auf Nickel, Kobalt, Mangan und Seltene Erden.

Neben neuen Bergwerken geht es damit ausdrücklich auch um Verarbeitungsanlagen und die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe aus bereits verwendeten Produkten.

Entscheidend wird die tatsächliche Produktion

Für die beiden Lithiumprojekte in Ostdeutschland verbessert sich durch die EU-Entscheidung vor allem die politische und regulatorische Ausgangslage. Die Unternehmen können ihre Vorhaben nun mit dem europäischen Status als strategische Projekte weiterentwickeln.

Ob die geplanten Produktionsmengen erreicht werden, hängt jedoch weiterhin von technischen Ergebnissen, notwendigen Genehmigungen, Investitionen und der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit ab.

Während Neptune Energy in der Altmark an der Weiterentwicklung seiner Extraktionstechnik arbeitet, stehen bei Zinnwald Lithium die weiteren Planungs- und Genehmigungsschritte im Vordergrund.

Mit der Entscheidung vom 9. Oktober 2026 hat die EU beiden Vorhaben eine besondere Rolle für ihre künftige Rohstoffversorgung zugewiesen. Eine gesicherte Lithiumproduktion in industriellem Maßstab ist damit noch nicht verbunden.

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