Ex-HSV-Kapitän jetzt bei Werder: Fritz fordert Respekt für Reis

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Der Ludovit Reis Wechsel zu Werder Bremen sorgt im Norden für besondere Aufmerksamkeit. Der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler unterschrieb am Freitag, 14. August 2026, beim Bundesligisten und kehrt damit nach nur einem Jahr beim Club Brügge nach Deutschland zurück. Brisant ist weniger der unmittelbare Transferweg als seine Vergangenheit: Reis spielte vier Jahre für den Hamburger SV, war dort zeitweise Kapitän und gehörte zur Mannschaft, die 2025 den Aufstieg in die Bundesliga schaffte. Wegen der traditionsreichen Rivalität zwischen HSV und Werder wurde seine Entscheidung von Teilen der Hamburger Anhängerschaft kritisch aufgenommen. Werder-Geschäftsführer Clemens Fritz hat nach persönlichen Anfeindungen im Netz inzwischen zu einem respektvollen Umgang aufgerufen.

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Reis kommt nicht direkt vom HSV nach Bremen

Der Transfer wurde am Freitag, 14. August, offiziell. Werder verpflichtete Reis fest vom Club Brügge. Peter Niemeyer, Leiter Profifußball bei den Bremern, erklärte bei der Bekanntgabe, der Niederländer passe mit seiner Spielweise in das gesuchte Rollenprofil und erweitere die Möglichkeiten im Mittelfeld. Über die Vertragsdauer machte Werder öffentlich keine Angaben. Sky zufolge läuft der neue Vertrag bis zum Sommer 2029. Auch eine konkrete Ablösesumme nannten die Vereine nicht. Die DeichStube berichtete, dass keine garantierte Ablöse anfalle, Brügge sich dafür erfolgsabhängige Bonuszahlungen und eine Beteiligung an einem möglichen Weiterverkauf gesichert habe. Diese Konditionen wurden von Werder nicht im Detail bestätigt.

Damit handelt es sich ausdrücklich nicht um einen direkten Wechsel zwischen den beiden Nordrivalen. Reis hatte Hamburg bereits im Sommer 2025 verlassen und war zum Club Brügge gewechselt. Der HSV hatte damals bestätigt, dass der Mittelfeldspieler trotz eines noch bis 2026 laufenden Vertrags um die Freigabe gebeten hatte. Für den Wechsel nach Belgien wurde eine Millionenablöse fällig. Die genaue Höhe wurde vom HSV nicht veröffentlicht, mehrere Berichte bewegten sich damals im Bereich von sechs bis sieben Millionen Euro. Beim belgischen Spitzenklub konnte sich Reis anschließend nicht dauerhaft etablieren. Werder weist für seine Saison in Brügge zwölf Pflichtspiele aus.

Vier Jahre beim HSV und 129 Pflichtspiele

Reis war im Sommer 2021 vom Nachwuchs des FC Barcelona zum Hamburger SV gekommen. Vier Spielzeiten lang gehörte er zum Hamburger Kader und entwickelte sich insbesondere im zentralen Mittelfeld zu einer wichtigen Figur. Nach offiziellen HSV-Angaben kam er auf 129 Pflichtspiele für die Rothosen und erzielte dabei 20 Tore. In seiner letzten Hamburger Saison war er Teil der Mannschaft, die nach sieben Jahren in der 2. Bundesliga die Rückkehr ins Oberhaus schaffte.

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Sein Abschied aus Hamburg war entsprechend emotional. Reis hatte damals öffentlich deutlich gemacht, dass ihm die Entscheidung schwergefallen sei, und seine Verbindung zum HSV betont. Gerade solche früheren Aussagen wurden nach Bekanntwerden seines Wechsels nach Bremen in sozialen Netzwerken erneut aufgegriffen. Daraus entwickelte sich Kritik von Teilen der HSV-Anhängerschaft. Verallgemeinern lässt sich diese Reaktion jedoch nicht. Fest steht, dass die besondere Aufmerksamkeit unmittelbar mit der sportlichen Rivalität zwischen Hamburg und Bremen sowie mit der früheren Rolle von Reis beim HSV zusammenhängt.

Clemens Fritz stellt sich vor seinen Neuzugang

Werder-Geschäftsführer Clemens Fritz reagierte am Samstag auf persönliche Anfeindungen gegen Reis. Gegenüber der Bild machte er deutlich, dass der Verein Angriffe auf seine Spieler nicht akzeptiere. Man verurteile jeglichen Hass gegen die eigenen Spieler, sagte Fritz. Menschen müssten respektvoll behandelt werden, und auch die Vergangenheit eines Spielers müsse respektiert und akzeptiert werden. Damit unterschied der Werder-Verantwortliche erkennbar zwischen sportlicher Kritik an einem Transfer und persönlichen Angriffen.

Fritz äußerte sich zugleich zur sportlichen Situation des Neuzugangs. Für das abschließende Testspiel gegen AJ Auxerre am Samstag sei Reis noch kein Kandidat, Werder sei aber davon überzeugt, dass der Mittelfeldspieler die Mannschaft verstärken könne. Tatsächlich stand Reis bei der Niederlage gegen den französischen Erstligisten nicht im Kader. Seine Verpflichtung war erst am Vorabend bekanntgegeben worden. Einen regulären Einsatz in der Bremer Sommervorbereitung hatte er deshalb bis zum Samstag nicht absolviert. Bei der Mannschaftspräsentation im Weserstadion wurde der Neuzugang dem Bremer Publikum vorgestellt.

Reis soll Werder auf der Sechs und Acht verstärken

Sportlich plant Werder mit Reis im Zentrum. Trainer Daniel Thioune beschreibt den 26-Jährigen als laufstarken und technisch gut ausgebildeten Mittelfeldspieler, der Bälle gewinnen und selbst Torgefahr entwickeln könne. Seine Stärken sieht der Coach sowohl auf der defensiveren Sechserposition als auch als Achter. Reis wird in Bremen die Rückennummer 15 tragen.

Für Werder kommt die Verpflichtung in einer Phase, in der sich die Besetzung des Mittelfelds verändert hat. Romano Schmid verließ Bremen kurz vor dem Reis-Transfer in Richtung Frosinone Calcio. Reis ist allerdings nicht als positionsgleicher Ersatz für einen einzelnen Spieler angekündigt worden. Vielmehr betonen die Verantwortlichen seine Vielseitigkeit im Zentrum. Für ihn selbst steht nach einer schwierigen Saison in Belgien der Neustart im Vordergrund. In seinem ersten Interview mit Werder erklärte er, dass ihm eine familiäre und emotionale Atmosphäre in einem Verein wichtig sei. Die Gespräche mit den Verantwortlichen hätten ihm ein gutes Gefühl gegeben.

Für Reis zählt in Bremen wieder die Freude am Fußball

Auch über seine sportliche Motivation sprach Reis nach der Vertragsunterschrift. Im vereinseigenen Werder-TV erklärte er, dass Freude für seine Spielweise eine wichtige Rolle spiele. Diese Energie wolle er wieder auf den Platz und in die Mannschaft bringen. Besonders das Weserstadion und die dortige Atmosphäre hob der Niederländer hervor. Er habe das Stadion bereits als Gegner erlebt und schätze die emotionale Verbindung zwischen Mannschaft und Publikum.

Damit beginnt für Reis nach dem kurzen Kapitel in Belgien ein weiterer Versuch, sich auf höchstem nationalen Niveau zu etablieren. Eine Besonderheit seiner bisherigen Laufbahn ist, dass er trotz seiner langen Zeit beim HSV noch kein Bundesligaspiel absolviert hat. Seine 129 Pflichtspiele für Hamburg entstanden während der Zweitligajahre des Vereins. Als der HSV 2025 schließlich aufstieg, entschied sich Reis für Brügge. Nun könnte sein Bundesligadebüt ausgerechnet im Trikot des langjährigen Hamburger Rivalen folgen.

Wechsel zwischen HSV und Werder gab es schon früher

Dass Profis im Laufe ihrer Karriere für beide norddeutschen Traditionsvereine spielen, ist keineswegs einmalig. Zu den prominenteren Beispielen zählt Fabian Ernst. Der Mittelfeldspieler kam 1998 zum HSV und wechselte im Sommer 2000 direkt nach Bremen. Dort wurde er später deutscher Meister und DFB-Pokalsieger. Auch Torhüter Jaroslav Drobny ging 2016 unmittelbar vom HSV zu Werder. Dirk Weetendorf hatte diesen Weg bereits 1999 genommen.

In die andere Richtung gab es ebenfalls Wechsel. Hans Schulz gilt als erster Werder-Profi, der direkt zum Hamburger SV wechselte. Dietmar Beiersdorfer wiederum spielte zunächst mehrere Jahre für den HSV und ging Anfang der 1990er Jahre nach Bremen, wo er 1993 Deutscher Meister wurde. Andere bekannte Profis wie Aaron Hunt oder Ailton liefen ebenfalls für beide Vereine auf, wechselten jedoch nicht unmittelbar von einem Rivalen zum anderen. Die Beispiele zeigen, dass die Grenze zwischen beiden Klubs sportlich immer wieder überschritten wurde, ohne dass jeder Fall dieselbe öffentliche Reaktion hervorrief.

Das Nordderby ist mehr als ein gewöhnliches Ligaspiel

Die besondere Aufmerksamkeit für Reis erklärt sich aus der jahrzehntelangen Konkurrenz der beiden größten Traditionsklubs Norddeutschlands. HSV und Werder trafen bereits lange vor Einführung der Bundesliga aufeinander. Über Jahrzehnte kämpften sie nicht nur um Punkte, sondern auch um die sportliche Vormachtstellung im Norden. Besonders intensiv wurde die Konkurrenz, als beide Vereine gleichzeitig zur nationalen Spitze gehörten.

Einen Höhepunkt erreichte das Nordderby 2009. Damals standen sich Hamburg und Bremen innerhalb von nur 19 Tagen viermal gegenüber. Die Vereine trafen im DFB-Pokal-Halbfinale, zweimal im Halbfinale des UEFA-Pokals und anschließend noch in der Bundesliga aufeinander. Werder erreichte auf Kosten des HSV sowohl das DFB-Pokal-Finale als auch das UEFA-Pokal-Endspiel. Die Serie gehört bis heute zu den prägendsten Kapiteln der Rivalität.

Durch unterschiedliche Ligazugehörigkeiten verlor das Derby später zeitweise seine regelmäßige Präsenz. Seit der Rückkehr des HSV in die Bundesliga treffen beide Vereine wieder auf höchster deutscher Ebene aufeinander. Die sportliche Konkurrenz ist damit erneut unmittelbar. Dass nun ein Spieler mit 129 HSV-Pflichtspielen und einer früheren Führungsrolle in Hamburg für Werder aufläuft, verleiht den kommenden Begegnungen einen zusätzlichen persönlichen Bezug. Reis selbst hat sich bei seinem Wechsel jedoch vor allem auf seine neue sportliche Aufgabe konzentriert. Werder wiederum macht deutlich, dass seine Vergangenheit in Hamburg aus Sicht des Vereins kein Hindernis sein soll.

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