
Die Sperrung August-Bebel-Straße Ludwigsburg wird ab Montag, 17. August 2026, deutlich ausgeweitet. Wegen der Erneuerung der Eisenbahnüberführung wird die wichtige Verbindung im Bereich der Bahnbrücke bis Sonntag, 13. September vollständig geschlossen. Betroffen sind in diesem Zeitraum nicht nur Autos und Busse, sondern auch Fußgänger und Radfahrer. Der Zugverkehr wird allerdings nicht bereits am Montag eingestellt. Die vollständige Sperrung der Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen beginnt nach Angaben von Stadt und Deutscher Bahn erst am Samstag, 22. August, und dauert bis zum 7. September.
Betroffen ist die August-Bebel-Straße unmittelbar unter der viergleisigen Eisenbahnüberführung. Auch der Einmündungsbereich der Calwer Straße wird während der Vollsperrung nicht regulär nutzbar sein. Der jetzt beginnende Bauabschnitt folgt auf eine bereits seit Mitte Juli geltende Verkehrsführung, bei der die August-Bebel-Straße im Bereich der Brücke nur stadteinwärts befahren werden kann. Diese Regelung endet nach dem bisherigen Zeitplan am Sonntag, 16. August.
Von Montag, 17. August, bis einschließlich Sonntag, 13. September soll die Verbindung dann vollständig für alle Verkehrsarten geschlossen bleiben. Grund dafür ist die Herstellung von Verbauten für provisorische Hilfsbrücken. Ab dem 14. September soll die August-Bebel-Straße zunächst wieder ohne Einschränkungen befahrbar sein. In der Calwer Straße bleibt nach Angaben der Stadt allerdings eine Einbahnstraßenregelung bestehen. Eine weitere Vollsperrung ist bereits für den Herbst vorgesehen.
Die Deutsche Bahn erneuert an dieser Stelle eine viergleisige Eisenbahnüberführung auf der Strecke Stuttgart nach Bietigheim-Bissingen. Nach Angaben des Unternehmens hat das bestehende Bauwerk das Ende seiner technischen Nutzungsdauer nahezu erreicht. Die Stadt Ludwigsburg bezeichnete die Brücke in einer eigenen Mitteilung als marode. Ein plötzlich aufgetretener einzelner Schaden ist damit nicht als Ursache der aktuellen Sperrung dokumentiert.
Die Zustandsbewertung liegt in der Verantwortung der Deutschen Bahn beziehungsweise der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO. Bahnbrücken werden regelmäßig kontrolliert. Einen konkreten Prüfbericht mit Datum, einzelnen Schadstellen oder einer detaillierten Schadensbeschreibung für die Ludwigsburger Brücke haben Stadt und Bahn in den veröffentlichten Informationen zu dem Projekt nicht genannt. Belastbar bestätigt ist deshalb vor allem die Bewertung, dass das Bauwerk altersbedingt erneuert werden muss und seine technische Nutzungsdauer nahezu erreicht hat.
Für Fahrgäste beginnt die einschneidendste Phase einige Tage später als für den Straßenverkehr. Von Samstag, 22. August, bis Montag, 7. September wird die Bahnstrecke im Bereich der August-Bebel-Straße vollständig gesperrt. Die Sperrung wird benötigt, um die Bauteile für die späteren Hilfsbrücken herzustellen und Arbeiten unmittelbar an der bestehenden Eisenbahnüberführung durchführen zu können.
Besonders eindeutig geregelt ist der S-Bahn-Verkehr. Die Linie S5 fällt zwischen Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen aus. Zwischen beiden Städten fahren Ersatzbusse der Linie S5E. Nach dem veröffentlichten Konzept verkehren diese tagsüber im 30-Minuten-Takt. Sie bedienen unter anderem Ludwigsburg Bahnhof beziehungsweise den Bereich Arena, Asperg Bahnhof, Tamm Bahnhof und Bietigheim-Bissingen. Im Nachtverkehr zwischen Freitag und Sonntag ist ein stündliches Angebot vorgesehen. Auch im Regionalverkehr sind Einschränkungen angekündigt. Fahrgäste sollten deshalb ihre konkrete Verbindung vor Reisebeginn über die elektronische Fahrplanauskunft prüfen.
Mit der ersten großen Bauphase ist das Projekt noch nicht abgeschlossen. Für den tatsächlichen Einbau der Hilfsbrücken ist eine zweite Vollsperrung vorgesehen. Die August-Bebel-Straße soll deshalb vom 19. Oktober bis 5. November erneut vollständig geschlossen werden. Die Gleise werden nach derzeitiger Planung vom 24. bis 30. Oktober gesperrt.
Nach dem zweiten Bauabschnitt soll die Straße bis Ende November nochmals zeitweise nur als Einbahnstraße stadteinwärts nutzbar sein. Die jetzt eingebauten Hilfsbrücken sind ebenfalls keine dauerhafte Lösung. Nach Angaben der Stadt sollen die provisorischen Überbauten bis zum Bau der endgültigen neuen Eisenbahnüberführung genutzt werden. Deren Einbau beziehungsweise Fertigstellung ist für das Jahr 2029 vorgesehen. Die Restarbeiten der aktuellen Bauphase sollen dagegen zunächst bis Ende 2026 abgeschlossen werden.
Autofahrer werden während der Vollsperrung ab 17. August über die Abelstraße geführt. Damit wird der Verkehr um den unmittelbar gesperrten Bereich der Eisenbahnüberführung herumgeleitet. Schon frühere Bauphasen an der August-Bebel-Straße hatten gezeigt, dass die Verbindung für den Verkehr zwischen Eglosheim, der Weststadt und dem Ludwigsburger Zentrum eine wichtige Funktion hat.
Für Fußgänger und Radfahrer gilt während der Vollsperrung eine andere Strecke. Sie sollen den Fuß- und Radweg an der weiter westlich gelegenen Bahnunterführung zwischen Teinacher Straße und Gneisenauweg nutzen. Außerhalb der beiden angekündigten Vollsperrungen bleibt die Passage der August-Bebel-Straße für den Fuß- und Radverkehr grundsätzlich möglich.
Eine aktuelle amtliche Angabe dazu, wie viele Kraftfahrzeuge die gesperrte Unterführung an einem durchschnittlichen Tag passieren, wurde im Zusammenhang mit der aktuellen Baumaßnahme nicht veröffentlicht. Die tatsächliche Zahl der täglich von der Sperrung betroffenen Autofahrer lässt sich deshalb derzeit nicht belastbar beziffern.
Auch der örtliche Busverkehr wird während der Sperrung angepasst. Die Linien 425 und 426 fahren weiterhin in die Weststadt, enden jedoch südlich beziehungsweise vor der gesperrten Bahnunterführung im Bereich der Kurfürstenstraße. Eine durchgehende Fahrt unter der Brücke ist während der Vollsperrung nicht möglich.
Als zusätzliche Verbindung wird die Linie 435 eingerichtet. Sie fährt zwischen dem Ludwigsburger ZOB und Eglosheim und bedient dabei unter anderem Uhlandstraße, Abelstraße, Talstraße, Heilbronner Straße, Pädagogische Hochschule, Rosenackerweg, Katharinenstraße, Tammer Straße, Falkenweg und Hirschbergstraße. Nach den veröffentlichten Planungen fährt sie montags bis samstags ungefähr zwischen 4.50 Uhr und 1.15 Uhr sowie sonntags zwischen etwa 6.30 Uhr und 0.45 Uhr. Je nach Tageszeit ist ein 20- oder 30-Minuten-Takt vorgesehen. Auch die Linie 532 wird im Bereich der Baustelle umgeleitet.
Auch für den Schienenverkehr nennen Bahn, Verkehrsverbund und Stadt im Zusammenhang mit der Brückensperrung keine aktuelle Zahl der Fahrgäste, die normalerweise täglich über genau diesen Abschnitt fahren. Deshalb lässt sich nicht seriös angeben, wie viele Reisende pro Tag auf Ersatzbusse, andere Bahnverbindungen oder alternative Verkehrsmittel ausweichen müssen.
Fest steht jedoch, dass die Strecke zwischen Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen nicht nur für die S5 von Bedeutung ist. Sie gehört zur wichtigen nördlichen Schienenachse im Großraum Stuttgart und wird auch vom Regionalverkehr genutzt. Entsprechend weit reichen die Auswirkungen einer vollständigen Sperrung. Hinzu kommt, dass im Sommer 2026 parallel umfangreiche Bauarbeiten im Stuttgarter S-Bahn-Netz laufen. Für Fahrgäste können dadurch mehrere Baustellen und Ersatzkonzepte gleichzeitig relevant sein.
Der Neubau in Ludwigsburg steht beispielhaft für den hohen Modernisierungsbedarf im deutschen Schienennetz. Die DB InfraGO bewertete für ihren Zustandsbericht 2025 insgesamt 25.637 Eisenbahnbrücken. Die durchschnittliche Zustandsnote der Brücken lag bei 2,64. 1.360 bewertete Brücken erhielten die Note 4, weitere 560 die Note 5. Insgesamt ergab sich damit bei 1.920 Brücken ein zustandsbasierter Erneuerungsbedarf.
Die Zahlen bedeuten nicht, dass diese Bauwerke unmittelbar unsicher oder von einer Sperrung bedroht sind. Die Zustandsnoten dienen der Planung von Instandhaltung und Erneuerung. Die Bahn weist darauf hin, dass ihre Brücken regelmäßig kontrolliert werden. Nach ihren Angaben erfolgt jährlich eine Begehung, zusätzlich werden die Bauwerke in festgelegten Abständen eingehender untersucht. Bei Bedarf können externe Sachverständige hinzugezogen werden.
Die DB InfraGO versucht, den über Jahre entstandenen Erneuerungsbedarf mit höheren Investitionen und gebündelten Baustellen abzubauen. Nach Unternehmensangaben flossen 2025 rund 19,9 Milliarden Euro in Instandhaltung und Ersatzinvestitionen. Im selben Jahr wurden unter anderem 103 Eisenbahnbrücken mit einer Gesamtfläche von rund 25.000 Quadratmetern erneuert oder modernisiert. Für das gesamte Schienennetz ermittelte die Infrastrukturgesellschaft eine durchschnittliche Zustandsnote von 3,00.
Der Zustand der Infrastruktur hat sich damit zuletzt nicht weiter verschlechtert, der Investitionsbedarf bleibt jedoch hoch. Nach Berechnungen der DB lag der zustandsbedingte Erneuerungsbedarf der untersuchten Anlagen 2025 noch bei rund 106 Milliarden Euro. Brücken sind dabei nur ein Teil der Aufgabe. Auch Gleise, Weichen, Bahnübergänge, Oberleitungen und insbesondere viele Stellwerke müssen in den kommenden Jahren ersetzt oder grundlegend modernisiert werden.
In Ludwigsburg setzt die Bahn deshalb zunächst auf Hilfsbrücken. Sie ermöglichen es, die bestehende Überführung schrittweise zu ersetzen, ohne die wichtige Strecke für mehrere Jahre dauerhaft stilllegen zu müssen. Die provisorischen Bauwerke sollen nach dem derzeitigen Zeitplan bis zum Neubau der endgültigen Eisenbahnüberführung genutzt werden.
Für Anwohner, Autofahrer und Fahrgäste bedeutet das allerdings, dass die Einschränkungen nicht mit der ersten Sperrung im September beendet sind. Neben der zweiten Vollsperrung im Oktober folgen weitere Arbeiten, bevor die aktuelle Bauphase Ende 2026 weitgehend abgeschlossen sein soll. Der endgültige Ersatz der bisherigen Eisenbahnbrücke ist erst für 2029 vorgesehen.
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