
Bei der Lufthansa sind steigender Umsatz und deutlich schwächerer Gewinn im zweiten Quartal 2026 zusammengekommen. Von April bis Juni erhöhte die Lufthansa Group ihren Umsatz im Jahresvergleich um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis, das Adjusted EBIT, brach dagegen auf 383 Millionen Euro ein. Im zweiten Quartal 2025 waren es noch 870 Millionen Euro gewesen. Die bereinigte operative Marge sank entsprechend von 8,4 auf 3,4 Prozent.
Auch unter dem Strich fiel das Ergebnis wesentlich schwächer aus. Der Konzerngewinn ging auf 123 Millionen Euro zurück, nach rund einer Milliarde Euro im Vorjahresquartal. Operatives Ergebnis und Nettogewinn sind dabei voneinander zu unterscheiden. Das Adjusted EBIT bildet die operative Geschäftsentwicklung bereinigt um bestimmte Sondereffekte ab, während das Konzernergebnis zusätzlich unter anderem Finanzierungs-, Bewertungs- und Steuereffekte berücksichtigt.
Als wesentlichen Belastungsfaktor nennt Lufthansa die gestiegenen Treibstoffpreise. Allein gegenüber dem zweiten Quartal 2025 entstanden nach Konzernangaben zusätzliche Treibstoffkosten von rund 750 Millionen Euro. Hinzu kamen Belastungen von mindestens 150 Millionen Euro durch Arbeitskämpfe. Gleichzeitig konnte Lufthansa höhere Kosten teilweise über gestiegene Erlöse je Sitzplatz auffangen. Besonders auf Asien-Verbindungen lagen die Durchschnittserlöse deutlich über dem Vorjahresniveau.
Bei den Netzwerk-Airlines verschärfte die geringere Produktion den Kostendruck zusätzlich. Lufthansa bot dort im zweiten Quartal rund drei Prozent weniger Kapazität an als ein Jahr zuvor. Gründe waren unter anderem sechs Streiktage im April sowie Veränderungen im Kurzstreckennetz. Die Stückkosten ohne Treibstoff und Emissionskosten erhöhten sich um 3,1 Prozent. Lufthansa führt dies vor allem auf die geringere Kapazität sowie höhere Personal- und Abschreibungskosten zurück. Die Treibstoffkosten der Netzwerk-Airlines lagen allein um mehr als 600 Millionen Euro über dem Vorjahreswert.
Das Adjusted EBIT der Netzwerk-Airlines sank dadurch auf 137 Millionen Euro. Im vergleichbaren Vorjahresquartal waren es 627 Millionen Euro gewesen. Belastend wirkte außerdem ein schwächeres Beteiligungsergebnis, zu dem unter anderem Bewertungseffekte bei ITA Airways beitrugen. Gleichzeitig stieg die Auslastung leicht auf 81,6 Prozent, während die Stückerlöse um 6,4 Prozent zunahmen.
Deutlich besser entwickelte sich das Frachtgeschäft. Lufthansa Cargo steigerte das Adjusted EBIT im zweiten Quartal von 73 Millionen auf 116 Millionen Euro. Die verfügbare Frachtkapazität nahm um zwei Prozent zu. Dazu trug auch die Vermarktung von Frachtraum in Passagiermaschinen von ITA Airways bei. Die Frachterlöse je Einheit lagen nach Lufthansa-Angaben 27 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Auch Lufthansa Technik blieb profitabel. Der Umsatz des Wartungs- und Technikgeschäfts stieg um elf Prozent von 2,0 auf 2,2 Milliarden Euro. Mit externen Kunden erzielte Lufthansa Technik ein Umsatzplus von 23 Prozent. Das Adjusted EBIT erhöhte sich leicht von 149 auf 157 Millionen Euro. Damit konnten Cargo und Technik einen Teil der schwächeren Ergebnisse des Passagiergeschäfts auffangen.
Schwächer entwickelte sich dagegen das Punkt-zu-Punkt-Geschäft, zu dem insbesondere Eurowings gehört. Das Adjusted EBIT fiel hier auf minus 37 Millionen Euro, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von rund 64 Millionen Euro erreicht worden war. Auch in diesem Segment wirkten sich höhere Treibstoffpreise erheblich aus. Die zusätzlichen Treibstoffkosten bezifferte Lufthansa auf 71 Millionen Euro.
Parallel zu den wirtschaftlichen Belastungen zeichnet sich zumindest im Tarifkonflikt mit der Vereinigung Cockpit eine vorläufige Entspannung ab. Lufthansa und die Pilotengewerkschaft haben sich im August grundsätzlich auf ein Schlichtungs- und Mediationsverfahren verständigt. Nach Angaben der Gewerkschaft sollen offene Tariffragen bei Lufthansa, Lufthansa Cargo, Lufthansa CityLine und Eurowings in das Verfahren einbezogen werden. Lufthansa bestätigte die grundsätzliche Vereinbarung, machte wegen vereinbarter Vertraulichkeit jedoch keine näheren Angaben zum Ablauf.
Eine begleitende Mediation soll nach Darstellung der VC auch weitergehende Konflikte zwischen Gewerkschaft und Unternehmen behandeln. Zudem sollen beide Seiten Möglichkeiten haben, aus dem Verfahren auszusteigen, falls es seine Ziele nicht erreicht. Damit sind weitere Pilotenstreiks während des laufenden Verfahrens zunächst weniger wahrscheinlich. Eine endgültige tarifliche Einigung ist mit dem Beginn der Schlichtung allerdings noch nicht verbunden.
Zu den zentralen Streitpunkten gehört seit längerem die betriebliche Altersversorgung für Cockpit-Beschäftigte von Lufthansa und Lufthansa Cargo. Die VC kritisiert das seit 2017 bestehende kapitalmarktbasierte Versorgungssystem und verlangt höhere beziehungsweise verlässlichere Arbeitgeberleistungen. Nach Darstellung der Gewerkschaft waren zuvor sieben Verhandlungsrunden ohne Ergebnis geblieben.
Lufthansa hatte im März einen eigenen Lösungsvorschlag vorgelegt. Danach sollte die bisherige Übergangsversorgung für vorzeitig ausscheidende Piloten teilweise in die allgemeine betriebliche Altersversorgung überführt werden. Der Konzern argumentierte, dass sich die Betriebsrenten dadurch erhöhen könnten, ohne die Gesamtkosten der Versorgungssysteme anzuheben. Die VC hatte diesen Ansatz zunächst nicht als ausreichende Lösung akzeptiert.
An der Börse reagierten Anleger deutlich auf die Quartalszahlen und den vorsichtigeren Ausblick. Am 4. August 2026 lag die Lufthansa-Aktie laut Reuters um 15.30 Uhr deutscher Zeit 10,8 Prozent im Minus. Damit steuerte das Papier zu diesem Zeitpunkt auf den stärksten Tagesverlust seit 2021 zu.
Für zusätzlichen Druck sorgte die neue Ergebnisprognose. Lufthansa erwartet für das Gesamtjahr 2026 nun ein Adjusted EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro. Zuvor hatte der Konzern noch einen operativen Gewinn deutlich oberhalb des Vorjahreswertes von 1,96 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die größere Bandbreite begründet Lufthansa insbesondere mit der hohen Schwankungsanfälligkeit der Kerosinpreise und kurzfristigeren Buchungen der Passagiere.
Damit bleibt die wirtschaftliche Lage zweigeteilt. Die Nachfrage nach Flugreisen und die Umsätze sind weiterhin hoch, während Treibstoff-, Personal- und Streikkosten die Profitabilität der Passagierairlines deutlich belasten. Cargo und Lufthansa Technik liefern dagegen weiterhin positive Ergebnisbeiträge. Gleichzeitig nimmt die Schlichtung mit der Vereinigung Cockpit zunächst ein wesentliches Risiko für weitere Betriebsstörungen aus dem laufenden Tarifkonflikt.






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