TKMS steigt auf Rekordhoch: Was hinter der Rally steckt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die TKMS Aktie hat nach neuen Großaufträgen und einer angehobenen Jahresprognose ein Rekordhoch erreicht. Am Freitag, 14. August 2026, stieg der Kurs im Xetra-Handel zeitweise bis auf 108,80 Euro. Der Schlusskurs lag bei 104,00 Euro, 0,19 Prozent über dem Vortag. Da der Xetra-Handel am Montagmorgen noch nicht begonnen hatte, war dies um 7.10 Uhr der jüngste offizielle Xetra-Schlusskurs. Reuters führte die Aktie ebenfalls mit 104,00 Euro zum Handelsschluss vom 14. August.

Der jüngste Anstieg ist Teil einer äußerst volatilen Entwicklung seit der Abspaltung von Thyssenkrupp. TKMS wurde am 20. Oktober 2025 eigenständig an der Frankfurter Börse gelistet. Der erste Kurs betrug 60 Euro. Schon am ersten Handelstag stieg die Aktie zeitweise deutlich darüber und schloss laut Reuters bei 81,10 Euro. Gegenüber dem ersten Börsenkurs liegt das Papier damit inzwischen rund 73 Prozent höher. Thyssenkrupp hält weiterhin 51 Prozent an dem Marineschiffbauer.

Neue Prognose treibt die TKMS Aktie

Für zusätzlichen Rückenwind sorgten die Neunmonatszahlen vom 12. August. TKMS steigerte seinen Umsatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 um 19 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 1,587 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT legte von 98 auf 110 Millionen Euro zu. Die bereinigte EBIT-Marge sank allerdings von 6,1 auf 5,8 Prozent, unter anderem wegen höherer Verwaltungskosten nach der Abspaltung und des Hochlaufs neuer Projekte.

Das Management hob daraufhin seine Jahresprognose erneut an. Für das Geschäftsjahr bis Ende September erwartet TKMS nun ein Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent. Zuvor waren 2 bis 5 Prozent vorgesehen. Die bereinigte EBIT-Marge soll auf bis zu 6,5 Prozent steigen. Mittelfristig hält das Unternehmen an seinem Ziel einer Marge von mehr als 7 Prozent fest. Am Tag der Zahlen sprang die Aktie zeitweise um mehr als 15 Prozent nach oben.

Der Auftragsbestand belief sich Ende Juni auf rund 20,1 Milliarden Euro. Damit lag er zwar etwas unter den 20,6 Milliarden Euro von Ende März, aber deutlich über den 18,2 Milliarden Euro zum Ende des Geschäftsjahres 2024/25. Der Auftragseingang erreichte in den ersten neun Monaten 3,617 Milliarden Euro. Im außergewöhnlich starken Vorjahreszeitraum waren es 8,598 Milliarden Euro gewesen. Auftragseingang und Auftragsbestand dürfen deshalb nicht mit bereits erwirtschaftetem Umsatz verwechselt werden.

Fregatten und U-Boote sorgen für Milliardenpotenzial

Besonders wichtig für die weitere Entwicklung ist der Auftrag über zunächst vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU für die Deutsche Marine. Der Vertrag wurde nach Ende des dritten Geschäftsquartals unterzeichnet und soll im vierten Quartal als Auftragseingang verbucht werden. Zudem besteht eine Option auf vier weitere Schiffe. TKMS bezeichnet das Projekt als größten Überwasserschiff-Auftrag seiner Geschichte. Reuters bezifferte den Wert der ersten vier Fregatten auf rund 6,3 Milliarden Euro und die Option für vier weitere Einheiten auf etwa 5,3 Milliarden Euro.

Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit dem Aus des problembehafteten F126-Programms. Das Verteidigungsministerium beendete das Vorhaben im Juni nach Verzögerungen und deutlich gestiegenen erwarteten Kosten. Rheinmetall hatte darauf gesetzt, über seine neue Marinesparte NVL eine zentrale Rolle bei F126 zu übernehmen. Stattdessen entschied sich Deutschland für die MEKO-Lösung von TKMS. Die TKMS-Aktie gewann damals deutlich, während Rheinmetall stark unter Druck geriet.

Noch größer könnte langfristig das Kanada-Geschäft werden. Kanada wählte TKMS Anfang Juli als bevorzugten Anbieter für sein neues U-Boot-Programm aus. Möglich ist die Beschaffung von bis zu zwölf U-Booten der Klasse 212CD. Ein endgültiger Großauftrag ist daraus bislang jedoch nicht geworden. TKMS führt nach eigenen Angaben Vertragsverhandlungen mit Kanada, Deutschland und Norwegen. Erst mit einer Vertragsunterzeichnung könnte das Projekt in den Auftragseingang aufgenommen werden.

Hinzu kommen zwei weitere 212CD-U-Boote für Norwegen, ein Rahmenvertrag für Schwergewichtstorpedos sowie laufende Verhandlungen mit Indien über sechs U-Boote und eine Option für drei weitere. Für die künftige deutsche Luftverteidigungsfregatte F127 ist zudem ein von TKMS geführtes Gemeinschaftsunternehmen nach Unternehmensangaben weiterhin der einzige Bieter im Auswahlverfahren.

Höhere NATO-Ausgaben schaffen langfristige Nachfrage

Die hohen Auftragsvolumina treffen auf deutlich steigende Verteidigungsausgaben in Europa. Die NATO-Staaten beschlossen beim Gipfel in Den Haag 2025, bis 2035 jährlich insgesamt 5 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung und sicherheitsrelevante Bereiche aufzuwenden. Mindestens 3,5 Prozent sollen auf klassische Verteidigungsausgaben entfallen, weitere bis zu 1,5 Prozent etwa auf Infrastruktur, Widerstandsfähigkeit und die Verteidigungsindustrie.

Für Anbieter wie TKMS schafft das eine größere langfristige Nachfragebasis. Marineprojekte unterscheiden sich allerdings von kurzfristig produzierbaren Rüstungsgütern. U-Boote und Fregatten werden über viele Jahre entwickelt und gebaut. Hohe Auftragsbestände führen deshalb nicht automatisch kurzfristig zu entsprechend hohen Umsätzen oder Gewinnen. Wie schnell die Aufträge abgearbeitet werden können und welche Margen dabei erzielt werden, bleibt für die Bewertung entscheidend.

Rheinmetall prüft weiter Übernahme der Kieler Werft

Parallel verschiebt sich die Struktur des deutschen Marineschiffbaus. Rheinmetall hatte im Mai ein unverbindliches Angebot für German Naval Yards Kiel abgegeben. Auch TKMS hatte sich zunächst um die benachbarte Werft bemüht, zog sein Angebot am 21. Juli jedoch zurück. Das Unternehmen erklärte, bei den wirtschaftlichen Bedingungen keine Einigung mit dem Eigentümer CMN Naval erzielt zu haben.

Rheinmetall blieb damit der einzige öffentlich bekannte Interessent. Konzernchef Armin Papperger sagte am 22. Juli, Rheinmetall prüfe seine Optionen weiter. Bis dahin existierte lediglich ein unverbindliches Angebot. Eine abgeschlossene Übernahme oder ein verbindlicher Kaufvertrag war nicht bestätigt. Papperger stellte damals eine Entscheidung innerhalb von vier bis fünf Wochen in Aussicht.

Rheinmetall, Hensoldt und Renk zeigen die Risiken der Rally

Die Entwicklung anderer deutscher Rüstungswerte zeigt zugleich, wie stark die Kurse inzwischen auf einzelne Aufträge und Geschäftszahlen reagieren. Rheinmetall schloss am 14. August bei 1.202 Euro. Ende 2025 hatte der Xetra-Schlusskurs noch bei 1.561 Euro gelegen. Das entspricht seit Jahresbeginn einem Rückgang von rund 23 Prozent. Besonders deutlich war der Einbruch nach dem Aus des F126-Projekts im Juni, als die Aktie zeitweise rund 20 Prozent verlor.

Auch Renk liegt deutlich unter früheren Höchstständen. Reuters berichtete Anfang August, dass der Hersteller von Getrieben für Militärfahrzeuge trotz eines Rekordauftragseingangs mehr als 45 Prozent unter seinem Hoch vom Oktober 2025 notierte. Hensoldt entwickelte sich zuletzt dagegen wieder freundlicher. Der Radar- und Sensorspezialist meldete für das erste Halbjahr einen mehr als verdoppelten Auftragseingang und erstmals einen Auftragsbestand von mehr als zehn Milliarden Euro.

Die unterschiedlichen Kursverläufe zeigen, dass steigende Verteidigungsbudgets allein nicht mehr für dauerhaft steigende Aktienkurse sorgen. Nach der starken Neubewertung der Branche achten Investoren zunehmend darauf, wie schnell Unternehmen ihre Aufträge tatsächlich in Umsatz, Ergebnis und freien Mittelzufluss umwandeln können.

Bei TKMS ist diese Bewertungsfrage besonders sichtbar. Auf Basis des Xetra-Schlusskurses von 104 Euro und rund 63,5 Millionen Aktien kommt das Unternehmen auf einen Börsenwert von gut 6,6 Milliarden Euro. Zum Börsenstart im Oktober hatten Analystenschätzungen den Unternehmenswert vorab teilweise nur zwischen 2,3 und 2,7 Milliarden Euro angesetzt. Bereits der erste Handelstag führte deshalb zu einer deutlich höheren Bewertung.

Der aktuelle Kurs spiegelt damit hohe Erwartungen an weitere Großaufträge, steigende Umsätze und verbesserte Margen wider. Gleichzeitig zeigen die Rückschläge bei Rheinmetall und Renk, wie empfindlich hoch bewertete Rüstungsaktien reagieren können, wenn Aufträge ausbleiben, Projekte verschoben werden oder operative Ergebnisse die Erwartungen nicht erfüllen. Die bisherige Kursentwicklung der TKMS Aktie ist deshalb kein Hinweis darauf, wie sich der Kurs künftig entwickeln wird.

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