
Ein Lufthansa-Langstreckenflug von Frankfurt nach Chicago ist am Donnerstag außerplanmäßig in Schottland gelandet. An Bord der Boeing 747-8 war es zu einem medizinischen Notfall gekommen. Die Besatzung entschied sich deshalb für eine Zwischenlandung am Flughafen Glasgow. Nach Angaben der Fluggesellschaft befanden sich 358 Passagiere in der Maschine.
Betroffen war Flug LH430, der am Donnerstagvormittag in Frankfurt gestartet war und planmäßig zum Flughafen Chicago O’Hare fliegen sollte. Die Boeing befand sich bereits auf dem Weg Richtung Nordatlantik, als die Route geändert wurde.
Nach öffentlich verfügbaren Flugdaten und Angaben der Fluggesellschaft änderte LH430 während des Fluges über dem Bereich der Britischen Inseln seinen Kurs. Die Besatzung steuerte Glasgow an, damit dort medizinische Hilfe zur Verfügung stehen konnte.
Die Lufthansa-Boeing in Glasgow landete anschließend sicher. Lufthansa bestätigte, dass die außerplanmäßige Landung wegen eines medizinischen Notfalls notwendig geworden war. Weitere Angaben zur betroffenen Person machte die Airline nicht. Auch zum konkreten medizinischen Hintergrund wurden keine Details veröffentlicht.
Das entspricht dem üblichen Umgang mit solchen Vorfällen. Informationen über Erkrankungen oder den Gesundheitszustand einzelner Passagiere gehören zur Privatsphäre der Betroffenen und sind für den Ablauf des Flugereignisses nicht erforderlich.
Für die übrigen Passagiere bedeutete die Zwischenlandung zunächst eine Unterbrechung ihrer Reise. Lufthansa teilte mit, dass die Boeing nach der medizinischen Versorgung am Boden und dem notwendigen Auftanken ihre Reise nach Chicago fortsetzen sollte.
Eine endgültige Ankunftszeit in Chicago war zunächst nicht belastbar bestätigt. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass die Fluggesellschaft die Fortsetzung des Fluges mit derselben Maschine vorgesehen hatte.
Eine außerplanmäßige Landung auf einer Langstrecke kann zusätzliche Zeit kosten, weil neben der medizinischen Versorgung auch betriebliche Abläufe notwendig werden. Dazu gehören unter anderem die Abstimmung mit dem Flughafen, die Betankung und gegebenenfalls neue Berechnungen für Flugzeit und Besatzungseinsatz.
Medizinische Zwischenfälle während eines Fluges führen nicht automatisch zu einer Landung am nächstgelegenen Flughafen. Kabinenbesatzungen sind für Erste Hilfe geschult und können auf medizinische Ausrüstung an Bord zurückgreifen. Auf größeren Verkehrsflugzeugen gehören dazu unter anderem Erste-Hilfe-Ausrüstung und automatisierte externe Defibrillatoren.
Bei Langstreckenflügen gelten zusätzliche Anforderungen an medizinische Notfallausrüstung. Nach den europäischen Luftfahrtregeln müssen Flugzeuge mit mehr als 30 Sitzplätzen unter bestimmten Bedingungen ein spezielles Emergency Medical Kit mitführen, wenn die Route weit von einem Flughafen mit geeigneter medizinischer Hilfe entfernt verläuft.
Falls medizinisch qualifizierte Passagiere an Bord sind, können sie um Unterstützung gebeten werden. Lufthansa betreibt dafür unter anderem ein freiwilliges Programm, bei dem Ärztinnen und Ärzte ihre Qualifikation hinterlegen können.
Über eine Kursänderung entscheidet letztlich die Cockpitbesatzung. Dabei spielen die medizinische Einschätzung, die Entfernung zu geeigneten Flughäfen, Wetterbedingungen, verfügbare medizinische Versorgung am Boden sowie technische und betriebliche Faktoren eine Rolle.
Medizinische Ereignisse an Bord kommen regelmäßig vor, ungeplante Landungen sind jedoch deutlich seltener. Wie häufig sie erforderlich werden, unterscheidet sich je nach Studie und Datengrundlage.
Eine große Untersuchung von fast 12.000 medizinischen Zwischenfällen bei mehreren Fluggesellschaften kam auf eine Diversionsrate von rund 7,3 Prozent. Andere Studien ermittelten Werte von etwa einem bis deutlich über zehn Prozent der erfassten medizinischen Notfälle.
Eine Untersuchung des Flugbetriebs einer australischen Airline über zwölf Monate registrierte 3.555 medizinische Ereignisse bei mehr als 131.000 Flügen. Nur 21 Flüge wurden deswegen umgeleitet. Das entsprach weniger als einem Prozent der registrierten medizinischen Ereignisse.
Die Zahlen sind nur eingeschränkt miteinander vergleichbar, weil Airlines medizinische Vorfälle unterschiedlich erfassen und es kein weltweit einheitliches Melderegister für sämtliche Ereignisse gibt. Sie zeigen jedoch, dass eine Zwischenlandung wie bei LH430 nicht der Regelfall ist. Sie wird vor allem dann erwogen, wenn eine Versorgung am Boden schneller oder medizinisch notwendig erscheint.
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