
Wer zum Martinstag am 11. November einen traditionellen Gänsebraten servieren möchte, muss in diesem Jahr voraussichtlich nur mit moderaten Preissteigerungen rechnen. Für die Martinsgans 2026 erwartet der Sächsische Geflügelwirtschaftsverband einen Aufschlag von höchstens fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit dürften die Preise für Gänse aus deutscher Erzeugung weitgehend stabil bleiben. Allerdings müssen Verbraucher für einen frischen Braten aus heimischer Haltung weiterhin häufig rund 100 Euro oder mehr einplanen.
Nach Angaben des Sächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes lag der Preis für frische Gänse aus deutscher Erzeugung im vergangenen Jahr bei ungefähr 20 Euro pro Kilogramm. Für tiefgekühlte deutsche Gänse wurden rund 15 Euro je Kilogramm veranschlagt. Bei einer angenommenen Preissteigerung von fünf Prozent würde eine frische Gans mit fünf Kilogramm statt 100 Euro etwa 105 Euro kosten. Die tatsächlichen Verkaufspreise können je nach Betrieb, Haltung und Vertriebsweg abweichen.
Erste Angebote für die diesjährige Saison zeigen, dass frische Gänse in dieser Größenordnung erhältlich sind. Der Anbieter Mecklenburger Landpute bietet beispielsweise eine Martinsgans aus Freilandhaltung mit einem Gewicht von etwa 4,8 Kilogramm für 94,05 Euro an. Das entspricht 19,59 Euro pro Kilogramm. Bei Kalieber kostet eine vorbestellbare Weidegans 21,90 Euro je Kilogramm, zuzüglich Versandkosten. Diese Beispiele verdeutlichen die Preisunterschiede zwischen einzelnen Anbietern, stellen aber keinen bundesweiten Durchschnitt dar.
Als wesentlichen Grund für die erwartete Verteuerung nennt der Sächsische Geflügelwirtschaftsverband gestiegene Arbeitskosten. Seit dem 1. Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland bei 13,90 Euro pro Stunde. Zuvor waren es 12,82 Euro. Die Anhebung betrifft auch Beschäftigte in landwirtschaftlichen Betrieben und Saisonarbeitskräfte, soweit sie unter die gesetzlichen Regelungen fallen. Dadurch können insbesondere arbeitsintensive Tätigkeiten in Aufzucht, Schlachtung und Verarbeitung teurer werden.
Auch höhere Futterkosten spielen nach Einschätzung des Gänsezüchters Lorenz Eskildsen eine Rolle. Er rechnet ebenfalls mit einem moderaten Preisanstieg und vermarktet jährlich rund 30.000 geschlachtete Gänse über eigene Hofläden und kleinere regionale Betriebe. Heimische Gänse werden zudem häufig länger aufgezogen als Tiere aus intensiver Schnellmast. Nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft ist die Freilandhaltung in Deutschland weit verbreitet. Die längere Aufzucht und die Haltungsbedingungen tragen dazu bei, dass heimische Gänse vergleichsweise teuer sind.
Neben den Produktionskosten beschäftigt die Geflügelwirtschaft die Geflügelpest. Das Friedrich-Loeffler-Institut rechnete in seiner Risikoeinschätzung vom 9. Oktober 2026 für den laufenden Monat mit zunehmenden Nachweisen hochpathogener aviärer Influenzaviren des Typs H5 bei Wildvögeln und Geflügel. Das Risiko eines Viruseintrags in deutsche Geflügelhaltungen durch Kontakte mit Wildvögeln wurde als moderat eingestuft. Erkrankungen und behördliche Schutzmaßnahmen können einzelne Betriebe belasten. Ein bundesweiter Preisanstieg speziell bei Martinsgänsen lässt sich daraus bislang jedoch nicht ableiten.
Der deutsche Gänsemarkt ist ohnehin stark von Importen abhängig. Nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft stammen rund 90 Prozent des in Deutschland verbrauchten Gänsefleisches aus dem Ausland, überwiegend aus Polen und Ungarn. Dort werden Gänse vielfach in kürzerer Zeit und unter anderen Haltungsbedingungen gemästet. Das ermöglicht häufig niedrigere Verkaufspreise als bei heimischen Freilandgänsen. Zwischen frischer deutscher Ware und tiefgekühlten Importgänsen bestehen deshalb erhebliche Preisunterschiede.
Verbraucher sollten beim Einkauf neben dem Kilopreis besonders auf Herkunft und Haltungsform achten. Die Bezeichnungen Freilandhaltung und bäuerliche Freilandhaltung sind rechtlich definiert und mit konkreten Anforderungen an den Auslauf verbunden. Auch Bio-Gänse müssen bestimmte Haltungsstandards erfüllen. Wer eine frische Gans aus deutscher Erzeugung zum Martinstag kaufen möchte, kann sie bei vielen Betrieben bereits vorbestellen. Die nächste wichtige Verkaufssaison folgt wenige Wochen später zu Weihnachten.
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