Matthias Killing über Stellenabbau und die Zukunft des Fernsehens

Lecker aufs Land heute im SWR: Folge 104 aus dem Landkreis Rottweil
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Matthias Killing gehört seit Jahren zu den bekannten Gesichtern von SAT.1. Nun hat sich der 46-Jährige zu einem Thema geäußert, das die deutsche Fernsehbranche derzeit weit über einzelne Sender hinaus beschäftigt. In einem am Freitag, 14. August 2026, veröffentlichten Interview spricht der Moderator über Kollegen, die infolge von Umstrukturierungen ihre Arbeitsplätze verloren haben, und über den zunehmenden Wechsel des Publikums vom klassischen Fernsehen zu digitalen Angeboten. Die Stellenverluste bezeichnete Killing als brutal. Gleichzeitig macht er deutlich, dass er das lineare Fernsehen trotz des tiefgreifenden Wandels keineswegs am Ende sieht. Für ihn selbst fällt die Debatte in eine Phase, in der sein Aufgabenbereich sogar wächst. Ab September moderiert Matthias Killing erstmals The Voice of Germany.

Killing sieht das klassische Fernsehen weiter im Wandel

Aus Killings Sicht verändert sich vor allem die Art, wie Fernsehinhalte konsumiert werden. Streaming werde immer wichtiger, während ein Teil des Publikums vom linearen Programm zu digitalen Angeboten wechsle. Für Menschen, die vor der Kamera arbeiten, bedeute das, sich auf neue Verbreitungswege und unterschiedliche Formate einzustellen. Killing selbst setzt seit Jahren auf mehrere Bereiche. Neben dem SAT.1 Frühstücksfernsehen arbeitet er im Sport und für Unterhaltungssendungen. Liveübertragungen sieht er dabei als einen Bereich, der weiterhin besondere Bedeutung besitzt, weil Sportereignisse unabhängig vom Empfangsweg in Echtzeit verfolgt werden.

Ein vollständiges Verschwinden des klassischen Fernsehens erwartet Killing nicht. Er geht vielmehr davon aus, dass sich das Medium weiter verändern wird und auch in zehn Jahren noch existiert. Seine Einschätzung begründet er unter anderem mit den unterschiedlichen Sehgewohnheiten der Generationen. Zugleich rät er jungen Menschen, die ins Fernsehen wollen, sich nicht allein an Bekanntheit oder öffentlicher Aufmerksamkeit zu orientieren. Für ihn stehe die Aufgabe im Mittelpunkt, Geschichten zu vermitteln und stellvertretend für das Publikum Fragen zu stellen. Seine Aussagen beschreiben damit weniger ein Ende des Fernsehens als eine Verschiebung zwischen klassischer Ausstrahlung, Streaming und plattformübergreifenden Angeboten.

Aktuelle Zahlen zeigen den Druck auf das TV-Geschäft

Dass der Wandel nicht nur eine persönliche Einschätzung des Moderators ist, zeigen aktuelle Geschäftszahlen von ProSiebenSat.1. Der Konzern erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 1,544 Milliarden Euro nach 1,695 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte lag das Minus bei zwei Prozent. Besonders das klassische Werbegeschäft steht unter Druck. Die Werbeerlöse im Entertainmentsegment gingen im ersten Halbjahr um neun Prozent zurück. ProSiebenSat.1 führt das unter anderem auf den schwachen TV-Werbemarkt und die Verlagerung von Budgets in digitale Medien zurück.

Gleichzeitig entwickeln sich digitale Bereiche in die andere Richtung. Die sogenannten Digital und Smart Advertising Erlöse legten im ersten Halbjahr um sechs Prozent zu. Bei der Streamingplattform Joyn stiegen die werbefinanzierten Videoerlöse um acht Prozent, die Erlöse aus Abonnements um 20 Prozent. Der Konzern arbeitet zudem an einer gemeinsamen technischen Streamingbasis mit der italienischen Muttergesellschaft MFE, die perspektivisch mehrere europäische Märkte verbinden soll. Das zeigt, dass der Umbau nicht nur das deutsche Fernsehen betrifft. Europäische Sendergruppen versuchen, ihre digitalen Angebote zu vergrößern und gegenüber globalen Streamingkonzernen wettbewerbsfähiger zu werden.

RTL baut rund 600 Stellen ab und setzt stärker auf Streaming

Wie konkret die Folgen des Strukturwandels für Beschäftigte sein können, zeigt der Wettbewerber RTL Deutschland. Das Unternehmen kündigte Ende 2025 an, im Zuge einer umfassenden Neuorganisation rund 600 Vollzeitstellen beziehungsweise entsprechende Stellenanteile an seinen deutschen Standorten abzubauen. RTL begründete die Neuaufstellung mit wirtschaftlichen Herausforderungen und der beschleunigten Verlagerung vom linearen Fernsehen zum Streaming. Nach Angaben des Konzerns war der deutsche Markt für lineare Fernsehwerbung zwischen 2019 und Ende 2025 um mehr als 20 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig war die Zahl der zahlenden RTL+ Abonnenten von 800.000 Ende 2019 auf mehr als 6,6 Millionen Ende September 2025 gestiegen.

Damit bekommen Killings Aussagen über Stellenverluste einen breiteren wirtschaftlichen Hintergrund. Die Entwicklung verläuft allerdings nicht bei jedem Unternehmen und für jeden Beschäftigten gleich. Aus seinen Äußerungen ergibt sich insbesondere kein Hinweis darauf, dass sein eigener Arbeitsplatz gefährdet wäre. Im Gegenteil: SAT.1 und Joyn hatten im August 2025 bekannt gegeben, den Exklusivvertrag mit ihm um weitere zwei Jahre zu verlängern. Der Sender verwies damals auf mehr als 150 Einsätze des Moderators pro Jahr und seine Arbeit für Frühstücksfernsehen, Fußball, Basketball, Eishockey und Motorsport.

Ab September übernimmt Matthias Killing The Voice

Zusätzlich erhält Killing in wenigen Wochen eine der prominentesten Moderationsaufgaben innerhalb der Sendergruppe. Am 11. September 2026 startet um 20.15 Uhr die 16. Staffel von The Voice of Germany. Matthias Killing moderiert die Musikshow erstmals gemeinsam mit Melissa Khalaj und folgt damit auf den langjährigen Moderator Thore Schölermann. SAT.1 zeigt die neuen Folgen freitags, ProSieben übernimmt jeweils samstags. Parallel können die Sendungen über Joyn gestreamt werden. Auch das neue Sendeschema verbindet damit klassisches Fernsehen und Streaming, also genau jene beiden Verbreitungswege, über deren Verhältnis Killing nun gesprochen hat.

Für Killing bedeutet die neue Aufgabe eine weitere Erweiterung seines Portfolios. Seit 2009 gehört er zum SAT.1 Frühstücksfernsehen, seit vielen Jahren arbeitet er zudem für Sportübertragungen. Seine neue Rolle bei The Voice fällt nun in eine Zeit, in der deutsche Sender ihre Kostenstrukturen überprüfen, klassische Werbeerlöse unter Druck stehen und digitale Plattformen gleichzeitig wachsen. Seine eigene Karriere zeigt deshalb einen Teil der Strategie, mit der große Sendergruppen auf den Wandel reagieren: bekannte Moderatoren werden über unterschiedliche Genres und Verbreitungswege hinweg eingesetzt. Für Killing beginnt mit dem Start von The Voice im September damit nicht der Abschied vom klassischen Fernsehen, sondern eine weitere Aufgabe zwischen Live-TV und Streaming.

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