
Der Sauerländer Elektrotechnikspezialist Mennekes gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Industriesteckvorrichtungen und hat mit dem Typ-2-Ladestecker einen europäischen Standard für Elektroautos geprägt. Doch die schwankende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen stellt auch etablierte Anbieter von Ladetechnik vor Herausforderungen. Das Familienunternehmen aus Kirchhundem erweitert deshalb sein Angebot um Software, vernetzte Ladesysteme und Schnellladetechnik.
Besonders deutlich wurde die Unsicherheit im Jahr 2024. Nach dem Ende der staatlichen Kaufprämie im Dezember 2023 gingen die Neuzulassungen rein batterieelektrischer Pkw in Deutschland um 27,4 Prozent zurück. Insgesamt wurden nur noch 380.609 Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb neu zugelassen. Für Hersteller von Ladekabeln, Wallboxen und Ladeinfrastruktur verschlechterten sich damit die Marktbedingungen erheblich.
Auch Mennekes spürte die schwächere Nachfrage. Das Unternehmen ist nicht nur im klassischen Industriegeschäft tätig, sondern produziert Ladekabel, Ladeanschlüsse für Fahrzeuge und Ladesysteme. Nach Angaben aus einem aktuellen Gespräch mit Geschäftsführer Christopher Mennekes verringerte die Marktschwäche die Zahl potenzieller Kunden für diese Produkte. Ein konkreter Umsatzrückgang des Gesamtunternehmens für 2026 ist allerdings nicht belegt.
Das Familienunternehmen wurde 1935 gegründet und wird heute von Christopher Mennekes in dritter Generation geführt. Aus dem ursprünglichen Elektrohandwerksbetrieb entwickelte sich ein international tätiger Hersteller, dessen Produkte in mehr als 90 Ländern vertrieben werden. Nach Unternehmensangaben beschäftigt die Gruppe weltweit rund 1.600 Menschen, davon etwa zwei Drittel in Deutschland.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Unternehmens zeigt sich auch am Umsatz. Für das Geschäftsjahr 2024 nannte Mennekes rund 300 Millionen Euro. Bereits 2022 lag der Umsatz bei annähernd 300 Millionen Euro. Das traditionelle Geschäft mit Industriesteckvorrichtungen bildet weiterhin einen wesentlichen Teil der Unternehmenstätigkeit.
Eine besondere Rolle spielt der von Mennekes entwickelte Typ-2-Ladestecker. Seit 2014 ist diese Steckernorm in der Europäischen Union für das Wechselstromladen von Elektrofahrzeugen maßgeblich. Damit hat das Unternehmen eine Technologie entwickelt, die europaweit zum Einsatz kommt. Allerdings bedeutet die Verbreitung des Standards nicht, dass sämtliche entsprechenden Stecker von Mennekes hergestellt werden.
Neben den Schwankungen des europäischen Automarkts muss sich Mennekes mit internationalem Wettbewerb auseinandersetzen. Besonders Hersteller aus China bieten Ladeprodukte an und konkurrieren mit europäischen Unternehmen um Marktanteile.
Christopher Mennekes erklärte gegenüber t-online, dass der Versuch, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen, unter anderem wegen der Konkurrenz großer chinesischer Staatskonzerne nicht erfolgreich gewesen sei. Hinzu kommt, dass China bei Elektrofahrzeugen andere Ladesteckerstandards verwendet.
Der Sauerländer Hersteller verfolgt deshalb eine Strategie, die über den Verkauf einzelner Stecker und Kabel hinausgeht. Kunden sollen komplette technische Lösungen erhalten, die Ladehardware, Steuerung und Abrechnung miteinander verbinden.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie ist das Softwareunternehmen chargecloud. Mennekes und RheinEnergie sind an dem 2016 gegründeten Unternehmen beteiligt, das digitale Lösungen für die Verwaltung und Abrechnung von Ladevorgängen entwickelt.
Im Mai 2025 kündigten die Gesellschafter eine weitere Wachstumsfinanzierung im mittleren zweistelligen Millionenbereich an. Damit soll insbesondere die Expansion in zusätzliche europäische Märkte unterstützt werden.
Auch bei der Hardware erweitert Mennekes sein Angebot. Im Mai 2025 übernahm das Unternehmen die Rechte an Schnellladesystemen des Münchner Unternehmens CHARGE-V. Daraus entsteht eine eigene Produktreihe für das Gleichstromladen. Nach der aktuellen Unternehmensplanung sollen die neuen DC-Ladelösungen 2027 auf den Markt kommen.
Parallel entwickelt Mennekes die klassische Industriesparte weiter. Mit dem 2026 vorgestellten System M.ONE verbindet das Unternehmen industrielle Stromverteiler mit digitaler Überwachung und cloudbasierter Software.
Die jüngsten Zahlen aus Deutschland sprechen inzwischen für eine kräftige Erholung der Elektromobilität. Im September 2026 wurden nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes 88.599 rein elektrische Pkw neu zugelassen. Das entsprach einem Anstieg von rund 95 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an allen Pkw-Neuzulassungen erreichte 34,5 Prozent.
Zusätzliche Unterstützung kommt von der neuen staatlichen Förderung. Seit dem 19. Mai 2026 können berechtigte Privatpersonen Zuschüsse von bis zu 6.000 Euro für den Kauf oder das Leasing bestimmter neuer Elektrofahrzeuge beantragen. Die Förderung gilt rückwirkend für Neuzulassungen seit Jahresbeginn.
Mit der wachsenden Zahl elektrisch betriebener Fahrzeuge steigt zugleich der Bedarf an Ladeinfrastruktur. Nach Angaben der Bundesnetzagentur waren am 1. September 2026 in Deutschland bereits 157.762 öffentliche Normalladepunkte und 56.572 Schnellladepunkte in Betrieb.
Für Mennekes eröffnet diese Entwicklung zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten. Der Wettbewerb entscheidet sich dabei zunehmend nicht nur über Ladestecker und Ladegeräte, sondern auch über die technische Vernetzung, Steuerung und Abrechnung der Ladeinfrastruktur.
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