
Das schwedische Spieleentwicklungsstudio Liquid Swords ist insolvent. Das Bezirksgericht Stockholm eröffnete am 12. Oktober 2026 das Insolvenzverfahren. Nur gut ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung des ersten Spiels Samson sucht der Insolvenzverwalter einen Käufer für den Geschäftsbetrieb und die verbliebenen Vermögenswerte. Im Mittelpunkt stehen die Rechte an dem Actionabenteuer.
Die Kanzlei Cirio bestätigte die Gerichtsentscheidung am 14. Oktober. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Karl Björlin bestellt. Nach Angaben der Kanzlei besteht die Insolvenzmasse hauptsächlich aus geistigen Eigentumsrechten, die mit Samson verbunden sind. Interessenten können bis zum 21. Oktober um 12 Uhr schriftliche erste Angebote abgeben.
Ob ein Investor den Betrieb übernimmt oder lediglich Vermögenswerte erworben werden, ist offen. Ebenso ist noch nicht bestätigt, wer künftig über die Weiterentwicklung des Spiels entscheiden könnte. Ein neuer Eigentümer oder eine Fortführung des Studios wurde bislang nicht bekannt gegeben.
Der schwedischen Wirtschaftsredaktion Breakit zufolge hatten Beschäftigte mindestens zwei Monate lang keine Gehälter erhalten. Mehrere Mitarbeiter beantragten demnach selbst die Insolvenz. In einem Bericht vom 15. Oktober bezifferte Breakit die Zahl der betroffenen Beschäftigten auf knapp 30. Für ausstehende Lohnforderungen greift nach diesen Angaben die schwedische staatliche Lohngarantie.
Finanzielle Probleme waren bereits zuvor erkennbar. Am 17. Februar 2025 kündigte Liquid Swords offiziell einen Personalabbau an. Das Unternehmen begründete die Entscheidung mit seiner wirtschaftlichen Lage und schwierigen Bedingungen im Spielemarkt. Verhandlungen mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen sollten folgen.
Gegründet wurde Liquid Swords 2020 von Christofer Sundberg, einem Mitgründer der schwedischen Avalanche Studios, die für die Actionreihe Just Cause bekannt sind. Im November 2022 gab Liquid Swords eine Investition des chinesischen Spieleunternehmens NetEase Games bekannt. Das Studio erklärte damals, weiterhin unabhängig zu arbeiten und mit dem Kapital die Entwicklung erzählerisch geprägter Spiele voranzutreiben.
Im Zuge der Investition stellte das Unternehmen einen Ausbau seines Entwicklungsteams auf rund 100 Beschäftigte im Jahr 2023 in Aussicht. Welcher Anteil des ursprünglichen Kapitals zum Zeitpunkt der Insolvenz noch zur Verfügung stand, ist nicht bekannt. Auch die Höhe der offenen Verbindlichkeiten wurde im offiziellen Insolvenzaufruf nicht beziffert. Eine abschließende Erklärung für die Zahlungsunfähigkeit liegt ebenfalls nicht vor.
Samson erschien am 8. April 2026 für den PC, am 21. September folgten Versionen für PlayStation 5 sowie Xbox Series X und S. Das Spiel führt in die fiktive Stadt Tyndalston und verbindet Kämpfe, Autofahrten und Missionen in einer offenen Spielwelt.
Die Resonanz fiel gemischt aus. Die Bewertungsplattform Metacritic führt für die PC-Version einen Durchschnitt von 51 von 100 möglichen Punkten. Auf Steam waren rund 55 Prozent der erfassten Nutzerrezensionen positiv. Der Statistikdienst SteamDB verzeichnete am Veröffentlichungstag einen Höchstwert von 2.722 gleichzeitig aktiven Steam-Spielern. Das ist keine Angabe über die Gesamtzahl der Käufer. Bestätigte Verkaufszahlen veröffentlichte Liquid Swords nicht.
Die gleichzeitig aktiven Nutzer auf Steam erfassen zudem weder sämtliche PC-Spieler noch die später hinzugekommenen Konsolenfassungen. Das Studio brachte nach dem Start mehrere Aktualisierungen heraus, um technische Probleme zu beheben. Auf Steam wird Samson weiterhin zum Kauf angeboten.
Die Insolvenz fällt in eine Phase wiederholter Umstrukturierungen in der europäischen Spielebranche. Avalanche Studios kündigte im September 2025 an, sein Studio in Liverpool schließen zu wollen sowie Arbeitsplätze in Stockholm und Malmö abzubauen. Im Januar 2026 erklärte Ubisoft, eine Neuordnung seiner schwedischen Teams könne rund 55 Stellen bei Massive Entertainment und Ubisoft Stockholm betreffen.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten einzelner Studios stehen einem insgesamt zuletzt gewachsenen schwedischen Spielemarkt gegenüber. Nach dem im November 2025 veröffentlichten Bericht des Branchenverbandes Dataspelsbranschen erwirtschafteten schwedische Spieleunternehmen 2024 insgesamt 36,8 Milliarden Kronen Umsatz, ein Plus von 6,4 Prozent. Die Beschäftigung blieb nahezu unverändert. Der Verband warnte dennoch vor erschwertem Zugang zu Kapital. Bei der Insolvenz von Liquid Swords entscheidet nun das laufende Verfahren über die Zukunft der Spielrechte.
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