Merck übernimmt britische Biotechfirma Silence Therapeutics

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck setzt seinen Expansionskurs fort. Das Dax-Unternehmen hat eine Vereinbarung zur Übernahme des britischen Biotechnologieunternehmens Silence Therapeutics geschlossen. Der Unternehmenswert liegt bei rund 1,1 Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa 980 Millionen Euro. Mit dem Zukauf will Merck seine Entwicklung neuer Spezialmedikamente vorantreiben und sein Geschäft mit seltenen Erkrankungen stärken.

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Merck zahlt deutlichen Aufpreis für Silence Therapeutics

Für jeden US-Aktienhinterlegungsschein von Silence Therapeutics bietet Merck 20 US-Dollar in bar. Das entspricht einem Aufschlag von 82 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 30 Handelstage. Gegenüber dem Schlusskurs vom 16. Oktober fällt der Aufpreis mit rund 130 Prozent noch höher aus. Der vereinbarte Preis bewertet das Eigenkapital des britischen Unternehmens mit etwa 1,3 Milliarden US-Dollar. Der davon zu unterscheidende Unternehmenswert liegt bei 1,1 Milliarden US-Dollar.

Die zuständigen Unternehmensgremien haben der Transaktion bereits zugestimmt. Abgeschlossen werden soll die Übernahme im ersten Quartal 2027. Voraussetzung sind unter anderem die Zustimmung der Aktionäre von Silence Therapeutics und die erforderlichen behördlichen Genehmigungen. Merck will die Transaktion über neue Kredite finanzieren. Bis zum Vollzug bleibt Silence Therapeutics ein eigenständiges Unternehmen.

Neuer Wirkstoff gegen seltene Form von Blutkrebs

Im Mittelpunkt der Übernahme steht der Wirkstoffkandidat Divesiran. Silence Therapeutics entwickelt das Medikament zur Behandlung der Polycythaemia vera, einer seltenen chronischen Blutkrebserkrankung. Bei Betroffenen produziert das Knochenmark zu viele rote Blutkörperchen. Dadurch können unter anderem gefährliche Durchblutungsstörungen und Blutgerinnsel entstehen. Eine Behandlungsmöglichkeit besteht darin, regelmäßig Blut abzunehmen, um die Anzahl der roten Blutkörperchen zu senken.

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Divesiran basiert auf der sogenannten siRNA-Technologie. Dabei werden bestimmte genetische Botenstoffe gezielt ausgeschaltet, sodass die Bildung ausgewählter Proteine verringert wird. Der Wirkstoff soll über den Eisenstoffwechsel die übermäßige Produktion roter Blutkörperchen begrenzen. Nach Angaben von Merck erreichte Divesiran in einer klinischen Studie der Phase II den primären Wirksamkeitsendpunkt und verringerte die erforderlichen Blutentnahmen deutlich. Die Vorbereitung auf die entscheidende Phase III läuft. Eine Zulassung oder ein erfolgreicher Abschluss der weiteren Entwicklung ist damit noch nicht gesichert.

Konzernchef Kai Beckmann baut Spezialmedikamente aus

Mit der geplanten Übernahme setzt Merck seine Strategie fort, stärker auf innovative Therapien für spezialisierte Anwendungsgebiete zu setzen. Vorstandschef Kai Beckmann, der seit 2026 an der Spitze des Unternehmens steht, verfolgt damit den Ausbau der eigenen Medikamentenpipeline durch gezielte Zukäufe. Der Konzern will seine Stellung bei Erkrankungen verbessern, für die bislang nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten bestehen.

Bereits 2025 hatte Merck den US-amerikanischen Biopharmaspezialisten SpringWorks Therapeutics übernommen. Im Juni 2026 vereinbarte der Konzern außerdem den Kauf des amerikanischen Life-Science-Unternehmens Bio-Techne für einen Unternehmenswert von rund 11,3 Milliarden US-Dollar. Während Bio-Techne vor allem Technologien und Produkte für Forschung und biopharmazeutische Herstellung liefert, ergänzt Silence Therapeutics unmittelbar die Entwicklungspipeline für Medikamente. Die Übernahmen stärken damit unterschiedliche Geschäftsfelder des Darmstädter Konzerns.

Merck-Aktie reagiert mit leichten Verlusten

An der Börse sorgte die angekündigte Übernahme zunächst nicht für größere Kursgewinne. Die Aktie von Merck notierte am Montag, 19. Oktober 2026, gegen 16:30 Uhr auf der Handelsplattform Tradegate bei rund 143,60 Euro. Das entsprach einem Minus von etwa 0,49 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs. Die Kursdaten stammen aus der Handelsübersicht von MarketScreener.

Die Übernahme von Silence Therapeutics erweitert Mercks Forschungsportfolio, bringt aber auch die Risiken der klinischen Medikamentenentwicklung mit sich. Ob Divesiran künftig als Therapie eingesetzt werden kann, hängt von den Ergebnissen weiterer Studien und einer möglichen Zulassung ab. Mit dem geplanten Zukauf investiert Merck damit in einen Wirkstoffkandidaten, dessen kommerzieller Erfolg noch nicht feststeht.

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