
Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Freitagabend in Augsburg mit dem Elisabethpreis der Caritas ausgezeichnet worden. Im Goldenen Saal des Rathauses sprach die 72-Jährige über gesellschaftlichen Zusammenhalt, Mitmenschlichkeit und die Erfahrungen ihrer Regierungszeit. Auf einen scherzhaften Vorschlag für ein politisches Comeback reagierte Merkel unmissverständlich: Eine weitere Kandidatur schließe sie aus.
Der Elisabethpreis für Angela Merkel wurde vom Caritasverband für die Diözese Augsburg verliehen. Der undotierte Ehrenpreis würdigt nach Angaben des Verbandes ihren Einsatz für Solidarität, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Laudatio hielt die Schriftstellerin und Kabarettistin Sarah Bosetti.
Für einen der politisch auffälligsten Momente des Abends sorgte Bosetti. Sie brachte Merkel in ihrer Laudatio scherzhaft als mögliche CDU-Spitzenkandidatin bei einer kommenden Bundestagswahl ins Spiel und verband dies mit Spitzen gegen Bundeskanzler Friedrich Merz.
Merkel reagierte zunächst humorvoll, stellte anschließend aber ausdrücklich klar, dass daraus keine Spekulation über eine Rückkehr in die aktive Politik entstehen solle. Eine weitere Kandidatur schließe sie aus, sagte die frühere Kanzlerin. Sie verwies dabei selbst auf die Gefahr, dass aus solchen Aussagen angesichts verbreiteter Falschinformationen eine andere Geschichte entstehen könnte.
Damit erteilte Merkel zumindest einer erneuten Kandidatur für ein politisches Amt eine klare Absage.
Inhaltlich stellte Merkel vor allem gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Umgang mit unterschiedlichen Interessen in den Mittelpunkt. Sie warb dafür, Differenzen auszuhalten, Kompromisse auszuhandeln und die Bedürfnisse verschiedener Menschen zu berücksichtigen. Einfache Antworten seien gerade in einer vielfältigen Gesellschaft problematisch, weil Entscheidungen dann schnell nur noch von wenigen vorgegeben würden.
Merkel griff dabei auch Erfahrungen aus der DDR auf. Sie sei froh darüber, dass Menschen verschieden seien. Der Versuch, Unterschiede weitgehend einzuebnen, habe nach ihrer Erfahrung nicht funktioniert.
Mit Blick auf technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz betonte die ehemalige Kanzlerin zudem die Bedeutung persönlicher Zuwendung. Es brauche weiterhin Menschen, die Empathie zeigten und nicht ausschließlich nach der effizientesten Lösung suchten, sondern danach, was einem anderen Menschen tatsächlich helfe.
Auch ihre Regierungszeit spielte in der Rede eine Rolle. Merkel bezeichnete die Ankunft einer großen Zahl von Flüchtlingen während ihrer Kanzlerschaft als große Herausforderung. Damals habe sich für sie die grundlegende Frage gestellt, welchen praktischen Stellenwert die Würde des Menschen habe. Zugleich räumte sie ein, dass nicht alles erreicht worden sei, was sich die Politik vorgenommen habe. Daraus dürfe jedoch nicht folgen, überhaupt keine ambitionierten Ziele mehr zu verfolgen.
Merkel war von 2005 bis 2021 Bundeskanzlerin. Besonders ihre Flüchtlingspolitik der Jahre 2015 und 2016 wurde während und nach ihrer Amtszeit kontrovers diskutiert. Der Bayerische Rundfunk verwies bereits vor der Preisverleihung darauf, dass die Caritas ihre Haltung während der Flüchtlingskrise ausdrücklich als Teil der Würdigung versteht.
Der Caritasverband begründet die Auszeichnung mit Merkels Einsatz für Solidarität, Verantwortung und ein respektvolles Miteinander. Der Elisabethpreis sei kein Preis für ein Amt, sondern für eine Haltung. Namensgeberin ist die heilige Elisabeth von Thüringen, die in der katholischen Tradition insbesondere mit der Unterstützung armer und kranker Menschen verbunden wird und als Schutzheilige der Caritas gilt.
Der Festakt eröffnete zugleich die zentralen Feierlichkeiten zum bundesweiten Caritas-Sonntag in Augsburg. Die Veranstaltungen laufen vom 25. bis 27. September und stehen unter dem Motto „Zusammen geht was! Caritas verbindet Generationen.“
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu