
Die deutsche Metall- und Elektroindustrie verliert weiter Arbeitsplätze. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Bayern: Dort gingen seit dem letzten Beschäftigungshöchststand Anfang 2024 mehr als 35.000 Stellen verloren. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es fast 11.000 Arbeitsplätze. Bundesweit lag die Zahl der Beschäftigten zuletzt auf dem niedrigsten Stand seit mehr als zwölf Jahren. Gleichzeitig sorgen hohe Verteidigungsausgaben und Großaufträge im Rüstungsbereich in einzelnen Teilen der Industrie für Wachstum.
Nach Angaben der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbände bayme vbm sank die Beschäftigung in der bayerischen M+E-Industrie im zweiten Quartal 2026 um 0,7 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres. In der ersten Jahreshälfte gingen damit fast 11.000 Arbeitsplätze verloren. Seit dem letzten Höchststand Anfang 2024 summiert sich der Rückgang auf mehr als 35.000 Stellen.
Der Abbau betrifft nach Verbandsangaben nahezu alle Teilbranchen. Lediglich der sogenannte Sonstige Fahrzeugbau verzeichnete keinen Beschäftigungsrückgang. Besonders negativ bewerten die Unternehmen laut bayme vbm ihre Personalplanung in der Automobilindustrie und bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen. Die Arbeitgeberverbände rechnen deshalb auch für die kommenden Monate mit einer weiter sinkenden Beschäftigung.
Bereits im ersten Quartal hatte die bayerische M+E-Industrie rund 845.000 Beschäftigte gezählt. Damals lag der Stellenverlust seit Anfang 2024 bei knapp 30.000 Arbeitsplätzen. Die aktuellen Daten zeigen, dass sich der Rückgang anschließend fortgesetzt hat.
Auch für Deutschland insgesamt zeigt sich ein deutlicher Rückgang. Im Juni 2026 waren nach Angaben von Gesamtmetall auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes 3,724 Millionen Menschen in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt. Das war der niedrigste Stand seit Februar 2014. Gegenüber Juni 2025 sank die Beschäftigung um 99.200 Personen beziehungsweise 2,6 Prozent. Allein gegenüber Mai gingen 12.400 Arbeitsplätze verloren.
Im Vergleich zu 2019 hat die Branche damit nach Berechnungen von Gesamtmetall rund 340.000 Arbeitsplätze eingebüßt. Der Arbeitgeberverband beziffert den Rückgang auf 8,3 Prozent. Die Produktion sei im selben Zeitraum noch stärker gesunken.
Parallel steigt die Zahl der Arbeitslosen aus qualifizierten Metall- und Elektroberufen. Im August 2026 waren nach Angaben von Gesamtmetall unter Berufung auf die Bundesagentur für Arbeit 180.300 Fachkräfte und Akademiker aus entsprechenden Berufen arbeitslos gemeldet. Das waren 5,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Erstmals seit Februar 2021 lag die Zahl damit wieder über 180.000.
Bei den Aufträgen zeigt sich dagegen ein gemischteres Bild. In der bayerischen Metall- und Elektroindustrie stieg der Auftragseingang im zweiten Quartal um 2,7 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Bayme vbm führt das Plus vor allem auf große inländische Aufträge aus dem Verteidigungsbereich zurück.
Auch bundesweit legte der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im Juni 2026 zu. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag er saison- und kalenderbereinigt 3,1 Prozent über dem Vormonat und 6,5 Prozent über dem Juni 2025. Ohne Großaufträge sank der Auftragseingang gegenüber Mai jedoch um 0,5 Prozent. Besonders stark stiegen die Bestellungen im Maschinenbau mit 12,7 Prozent sowie bei Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen mit 22,7 Prozent. Auch die Automobilindustrie verzeichnete ein Plus von 3,8 Prozent.
Das ifo Institut meldete Ende August eine bessere Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe. Die Unternehmen beurteilten ihre laufenden Geschäfte günstiger und planten eine höhere Produktion. Mit dem vorhandenen Auftragsbestand waren sie laut ifo aber weiterhin unzufrieden.
Besonders auffällig ist derzeit die Entwicklung in der Verteidigungsindustrie. Sie profitiert von steigenden europäischen Militärausgaben und umfangreichen Beschaffungsprogrammen. Das zeigt sich auch in Bayern: Das Auftragsplus der dortigen M+E-Industrie im zweiten Quartal ging laut bayme vbm wesentlich auf große Defense-Aufträge zurück.
Ein konkretes Beispiel liefert Rheinmetall. Der Konzern baut im bayerischen Aschau am Inn seine Kapazitäten für Treibladungspulver und Treibladungsmodule deutlich aus. Nach Unternehmensangaben ist die Zahl der Beschäftigten dort seit 2022 um rund 80 Prozent auf mehr als 800 gestiegen. Mit neuen Produktionsanlagen sollen mehrere hundert weitere Stellen entstehen. Langfristig sollen am Standort etwa 1.400 Menschen arbeiten.
Der Boom ist allerdings nicht repräsentativ für die gesamte Metall- und Elektroindustrie. Die amtliche Kategorie Sonstiger Fahrzeugbau umfasst neben Militärfahrzeugen auch Flugzeuge, Schiffe und Schienenfahrzeuge. Zudem schwanken Großaufträge stark. Im Juni gingen die Auftragseingänge in diesem Bereich laut Destatis gegenüber dem außergewöhnlich starken Mai sogar um 41,7 Prozent zurück.
Die Metallarbeitgeber sehen vor allem hohe Arbeitskosten, Steuern, Sozialabgaben, Energiepreise und bürokratische Belastungen als Standortprobleme. Gesamtmetall fordert unter anderem niedrigere Kosten, weniger Bürokratie und eine Rückführung der Sozialversicherungsbeiträge auf insgesamt 40 Prozent. Zudem drängt der Verband auf Änderungen beim Arbeitszeitrecht.
Bayme vbm verbindet die wirtschaftliche Lage zusätzlich mit der im Herbst anstehenden Tarifrunde. Die Arbeitgeber fordern einen Abschluss, der zusätzliche Arbeitskosten begrenzt und den Unternehmen mehr Flexibilität ermöglicht. Gleichzeitig verlangen sie von der Bundesregierung eine schnelle Umsetzung weiterer wirtschaftspolitischer Reformen.
Damit zeigt sich Anfang September 2026 ein zweigeteiltes Bild: Die Beschäftigung in der deutschen Metall- und Elektroindustrie sinkt weiter deutlich, während sich Auftragseingänge und Exporterwartungen teilweise verbessern. Das ifo Institut meldete für August besonders positive Exportaussichten unter anderem bei elektrischen Ausrüstungen, Elektronik und inzwischen auch wieder in der Automobilindustrie. Ob diese Verbesserung ausreicht, um den seit Jahren anhaltenden Personalabbau zu stoppen, lässt sich aus den bislang vorliegenden Daten noch nicht ableiten.
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