
Ein vielversprechender Fortschritt in der Krebsforschung sorgt bei Moderna nicht für steigende Aktienkurse. Gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Merck & Co., international als MSD bekannt, entwickelt das Biotechnologieunternehmen eine personalisierte mRNA-Therapie gegen schwarzen Hautkrebs. Neue Studiendaten zeigen einen deutlichen Behandlungsvorteil. Trotzdem steht die Moderna-Aktie erheblich unter Druck.
Im Mittelpunkt steht der experimentelle Wirkstoff Intismeran autogene, auch als mRNA-4157 oder V940 bezeichnet. Er wird gemeinsam mit dem bereits zugelassenen Krebsmedikament Keytruda eingesetzt. Die Kombination wurde in der internationalen Phase-III-Studie INTerpath-001 an 1.137 Menschen mit einem Melanom und hohem Rückfallrisiko untersucht, deren Tumor zuvor vollständig operativ entfernt worden war.
Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 24,6 Monaten zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil. Das Risiko für einen erneuten Ausbruch der Erkrankung oder einen Todesfall lag bei der kombinierten Behandlung um 42 Prozent niedriger als bei einer alleinigen Therapie mit Keytruda.
Nach zwei Jahren waren 82,2 Prozent der Patienten mit der Kombinationstherapie noch am Leben und ohne Rückfall. In der Vergleichsgruppe waren es 70 Prozent. Auch das Risiko für Fernmetastasen oder einen Todesfall verringerte sich um 38 Prozent.
Die Zahlen beziehen sich auf kombinierte Studienendpunkte. Ob die Behandlung auch das Gesamtüberleben verlängert, lässt sich anhand der bisherigen Daten noch nicht abschließend beurteilen.
An der Börse lösten die Ergebnisse zunächst deutliche Verluste aus. Bereits am Donnerstag, 22. Oktober 2026, fiel die Moderna-Aktie an der Nasdaq um 17,57 Prozent auf einen Schlusskurs von 202,63 US-Dollar. Am Freitag folgte ein weiterer Rückgang um 1,25 Prozent auf 200,10 Dollar, wie die Kursdaten von Stock Analysis zeigen.
Auch zum Wochenbeginn setzte sich die Schwäche fort. Am Montag, 26. Oktober, notierte die Aktie laut Stock Analysis um 12.41 Uhr mitteleuropäischer Zeit im vorbörslichen US-Handel bei 183,32 Dollar. Das entsprach einem Minus von 8,39 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss.
Die starke Kursreaktion steht im Zusammenhang mit den hohen Erwartungen, die Anleger zuvor in die Krebsforschung des Unternehmens gesetzt hatten. Seit der ersten positiven Studienmeldung im August war der Aktienkurs erheblich gestiegen.
Die detaillierten Ergebnisse waren am 22. Oktober vorzeitig auf einer medizinischen Internetseite erschienen. Die ursprünglich für den 24. Oktober auf dem europäischen Krebskongress ESMO in Madrid vorgesehene Veröffentlichung wurde daraufhin vorgezogen.
Die Ergebnisse erfüllen wichtige klinische Studienziele. Dennoch hatten einige Marktbeobachter auf einen noch größeren Behandlungsvorteil gehofft. Eine frühere, kleinere Phase-IIb-Studie hatte eine Risikoreduktion von 49 Prozent ergeben. Beide Untersuchungen sind allerdings nicht unmittelbar miteinander vergleichbar.
Analysten verweisen zudem auf die zuvor stark gestiegene Bewertung des Unternehmens. Die positiven Erwartungen an die neue Krebsbehandlung waren damit teilweise bereits im Aktienkurs berücksichtigt.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist das wirtschaftliche Potenzial außerhalb der Hautkrebstherapie. Moderna und MSD untersuchen das Verfahren auch bei anderen Tumorerkrankungen. Ob dort vergleichbare Ergebnisse erzielt werden können, ist noch nicht nachgewiesen.
Anders als klassische Schutzimpfungen soll Intismeran keine Krebserkrankung im Voraus verhindern. Die Therapie richtet sich an Menschen, bei denen bereits Krebs festgestellt und der Tumor operativ entfernt wurde.
Dafür wird das Tumorgewebe genetisch untersucht. Anschließend entwickeln die Hersteller einen individuell zugeschnittenen mRNA-Wirkstoff, der das Immunsystem auf charakteristische Veränderungen der Krebszellen aufmerksam machen soll. Die Behandlung kann auf bis zu 34 solcher tumorbezogenen Merkmale ausgerichtet werden.
Keytruda ergänzt diesen Ansatz, indem es bestimmte Bremsmechanismen des Immunsystems blockiert. So sollen verbliebene Krebszellen besser erkannt und bekämpft werden.
Die zusätzliche Behandlung verursacht allerdings auch Nebenwirkungen. Schwere behandlungsbedingte Nebenwirkungen der Grade 3 bis 5 traten in der Kombinationsgruppe bei 14,2 Prozent der Patienten auf, verglichen mit 13,4 Prozent unter Keytruda allein. Neue Sicherheitssignale wurden nach Angaben der Unternehmen nicht festgestellt.
Moderna und MSD wollen die Studienergebnisse mit den zuständigen Zulassungsbehörden besprechen. Eine Zulassung für Intismeran liegt bislang nicht vor.
Moderna-Chef Stéphane Bancel hatte gegenüber Reuters einen möglichen Marktstart in den USA im Jahr 2027 in Aussicht gestellt. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende behördliche Genehmigung. Ein verbindlicher Zulassungstermin steht nicht fest.
Für die Krebsmedizin liefern die Ergebnisse einen wichtigen Hinweis auf das Potenzial individuell hergestellter mRNA-Therapien. An der Börse wird dagegen auch darüber entschieden, welche wirtschaftlichen Erwartungen diese Technologie künftig erfüllen kann.
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