
Am Monviso in den italienischen Alpen sollen Fachleute die zunehmenden Felsabbrüche an der Nordostwand genauer untersuchen. Anlass ist ein großer Felssturz, der sich am Abend des 1. September 2026 ereignete. Nach Angaben des Parco del Monviso lösten sich gegen 20 Uhr große Gesteinsmassen aus der Nordostwand des 3.841 Meter hohen Berges. Material ging in der Umgebung des Rifugio Quintino Sella nieder. Menschen wurden nach den anschließenden Kontrollen nicht verletzt.
Der Felssturz am Monviso hatte zunächst eine umfangreiche Überprüfung des betroffenen Bereichs ausgelöst. Wegen einer großen Menge aufgewirbelten Staubs konnten Einsatzkräfte das Gebiet unmittelbar nach dem Abbruch nicht vollständig aus der Luft kontrollieren. Zusätzlich bestand zeitweise die Sorge, dass ein nicht erreichbarer Wanderer mit dem Ereignis in Verbindung stehen könnte. Diese Befürchtung bestätigte sich nicht.
Am Morgen nach dem Ereignis erkundeten die Gemeinde Crissolo, die Feuerwehr und der italienische Bergrettungsdienst die betroffene Bergflanke aus einem Hubschrauber. Dabei wurden nach Angaben der Gemeinde zunächst keine offensichtlichen Beeinträchtigungen der Wanderwege festgestellt.
Vorsorglich sperrte Crissolo dennoch einen Abschnitt des Wanderwegs CNAV13 zwischen dem Lago Chiaretto und dem Colle di Viso. Hintergrund war das mögliche Risiko weiterer Gesteinsabgänge aus dem Bereich der Nordostwand des Monviso.
Weitere Kontrollen noch am 2. September ergaben nach Angaben der Kommune keine Hinweise, die eine Aufrechterhaltung der Sperrung gerechtfertigt hätten. Auf dem Wanderweg seien keine Felsblöcke oder Gesteinstrümmer des aktuellen Abbruchs festgestellt worden. Die Gemeinde hob das Verbot deshalb wieder auf.
Auch das Rifugio Quintino Sella blieb nach Angaben des Parco del Monviso unbeschädigt. Damit hatte der große Felssturz in den italienischen Alpen zwar erhebliche Gesteinsmassen in Bewegung gesetzt, führte nach den bisherigen Feststellungen aber weder zu Personenschäden noch zu Schäden an der Berghütte.
Mit den unmittelbaren Kontrollen ist der Vorgang jedoch nicht abgeschlossen. Die Region Piemont will im Rahmen ihres regionalen Observatoriums für Klimaveränderungen Fachleute und Behörden zusammenbringen, um die Entwicklung des Bergmassivs genauer zu untersuchen.
Beteiligt werden sollen unter anderem der piemontesische Bergrettungsdienst, die Umweltbehörde Arpa Piemonte, regionale Fachstellen, die Provinz Cuneo sowie wissenschaftliche und örtliche Institutionen. Dabei sollen vorhandene Messungen und Erkenntnisse zusammengeführt und mögliche Maßnahmen für Überwachung, Prävention und Sicherheit bewertet werden.
Der jüngste Abbruch ist nicht der erste seiner Art. Die Nordostwand des Monviso war bereits in den vergangenen Jahren wiederholt von Felsstürzen betroffen. Ein besonders großer Abbruch ereignete sich im Dezember 2019. Untersuchungen von Arpa Piemonte hatten anschließend geologische und strukturelle Eigenschaften festgestellt, die diesen Teil des Berges besonders anfällig für Instabilitäten machen.
Damit lässt sich die konkrete Ursache des aktuellen Abbruchs nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren. Eine abschließende fachliche Bewertung des Ereignisses vom 1. September lag zunächst nicht vor.
Parallel zum aktuellen Ereignis hat die italienische Umweltorganisation Legambiente neue Beobachtungen vom Monviso veröffentlicht. Ihre Fachleute waren gemeinsam mit Experten von Arpa Piemonte und Mitarbeitern des Schutzgebiets am Berg unterwegs. Nach Angaben der Organisation fanden die Beobachtungen an der Nordostseite ausgerechnet am Morgen vor dem späteren Felsabbruch statt.
Legambiente verweist insbesondere auf den starken Rückgang des Coolidge-Gletschers. Dieser war bereits 2022 nicht mehr als vollwertiger Gletscher, sondern als sogenannter Glacionevato eingestuft worden. Nach den aktuellen Beobachtungen sind nur noch einzelne Eisflächen vorhanden.
Die Organisation stellt die häufigen Felsabbrüche am Monviso in einen Zusammenhang mit den Veränderungen des Hochgebirges durch steigende Temperaturen. Für den konkreten Felssturz vom 1. September ist damit jedoch noch keine einzelne Ursache behördlich festgestellt. Die angekündigten Untersuchungen der Region sollen bestehende Daten deshalb zunächst zusammenführen.
Der Monviso Piemont ist mit 3.841 Metern der höchste Gipfel der Cottischen Alpen und liegt nahe der französischen Grenze. An seinem Fuß befindet sich bei Pian del Re das Quellgebiet des Po. Wegen seiner markanten Form gehört der Berg zu den bekanntesten Gipfeln Norditaliens.
Felsabbrüche an seiner Nordostseite sind seit Jahren dokumentiert. Bereits nach größeren Ereignissen ab Ende 2019 mussten Wege im Bereich des Lago Chiaretto zeitweise gesperrt oder umgeleitet werden.
Beim aktuellen Monviso Felssturz blieb es nach den bislang veröffentlichten Kontrollen bei dem Naturereignis selbst und den vorübergehenden Sicherheitsmaßnahmen. Die erneute Untersuchung des Massivs soll nun klären, wie sich die instabile Bergflanke entwickelt und welche Beobachtungsmaßnahmen künftig sinnvoll sind.
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