Indonesiens Aktienmarkt bricht ein: MSCI stellt Schwellenländerstatus infrage

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Indonesien könnte seinen Platz in wichtigen internationalen Aktienindizes verlieren. Der Indexanbieter MSCI prüft eine weitreichende Herabstufung des südostasiatischen Landes und stellt die bisherigen Fortschritte bei der Regulierung des Aktienmarktes infrage. Die Ankündigung löste am Freitag, 16. Oktober 2026, einen massiven Kursrutsch an der Börse in Jakarta aus. Auch die Landeswährung Rupiah geriet unter Druck. Für internationale Fonds und Anleger könnte die Entscheidung erhebliche Konsequenzen haben.

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Börse in Jakarta verliert mehr als elf Prozent

Der indonesische Leitindex Jakarta Composite Index (IHSG) beendete den Handel am Freitag mit einem Minus von 11,57 Prozent bei 5.185,11 Punkten. Das geht aus den Schlusskursdaten der indonesischen Nachrichtenagentur ANTARA vom 16. Oktober hervor. Nach Angaben von Reuters war es der stärkste Tagesverlust seit Januar 1998.

Bereits zur Handelseröffnung war der Index um 8,01 Prozent eingebrochen. Die Börse Jakarta setzte daraufhin den Aktienhandel für 30 Minuten aus. Besonders stark gerieten unter anderem große Banken sowie Unternehmen aus dem Rohstoffsektor unter Verkaufsdruck.

Auch die indonesische Rupiah verlor an Wert. Reuters meldete am Freitagmorgen, 16. Oktober, zwischenzeitlich einen Rückgang auf 18.070 Rupiah je US-Dollar. Das war der schwächste Stand seit Ende Juli. Anschließend verringerte die Währung ihre Verluste zeitweise wieder.

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MSCI erwägt Ausschluss aus internationalen Aktienindizes

Auslöser der Turbulenzen ist eine Mitteilung des Indexanbieters MSCI vom 15. Oktober 2026. Das Unternehmen hat eine Konsultation eingeleitet, um Indonesien möglicherweise vom Status eines Schwellenlandes, auch Emerging Market genannt, in die Kategorie Standalone Market umzustufen.

Diese Einstufung hätte deutlich größere Folgen als die zunächst diskutierte Herabstufung zum Frontier Market. Während Frontier Markets weiterhin Bestandteil spezieller internationaler Aktienindizes sind, werden Standalone Markets separat geführt und gehören nicht zu den übergeordneten Schwellenländer- oder Frontier-Market-Indizes.

MSCI begründet seine Überlegungen mit anhaltenden Zweifeln an der Zugänglichkeit und Funktionsfähigkeit des indonesischen Aktienmarktes. Nach Einschätzung des Unternehmens rechtfertigen die bisherigen Fortschritte eine Fortführung der Schwellenländerklassifizierung nicht mehr.

Eine endgültige Entscheidung über die Herabstufung Indonesiens durch MSCI ist allerdings noch nicht gefallen. Die Konsultation läuft bis zum 30. April 2027. Spätestens am 30. Juni 2027 will MSCI seine Entscheidung bekannt geben.

Zweifel an Transparenz und Aktienhandel

Im Zentrum der MSCI-Kritik stehen die Eigentumsverhältnisse börsennotierter Unternehmen und die Transparenz des Aktienhandels. Internationale Marktteilnehmer haben nach Darstellung des Indexanbieters insbesondere Bedenken wegen schwer nachvollziehbarer Beteiligungsstrukturen, hoher Aktienkonzentrationen und mutmaßlich koordinierter Handelsaktivitäten geäußert.

Dabei handelt es sich um von MSCI wiedergegebene Bedenken und Verdachtsmomente. Konkrete Manipulationen einzelner Unternehmen sind damit nicht nachgewiesen.

Die indonesischen Behörden haben bereits verschiedene Reformen angekündigt. Dazu zählen zusätzliche Offenlegungspflichten für Beteiligungen von mehr als einem Prozent, genauere Angaben zur Klassifizierung von Investoren und ein Fahrplan zur Anhebung des vorgeschriebenen Mindeststreubesitzes auf 15 Prozent.

Nach Einschätzung von MSCI reichen die bisher nachweisbaren Auswirkungen dieser Maßnahmen jedoch nicht aus. Der Indexanbieter fordert erkennbare und dauerhaft wirksame Verbesserungen.

Zudem bleibt eine bereits bestehende Einschränkung bei der Zusammensetzung der MSCI-Indizes bestehen. Unter anderem werden vorerst keine zusätzlichen indonesischen Unternehmen in den MSCI Indonesia Investable Market Index aufgenommen. Auch bestimmte Erhöhungen von Indexgewichtungen bleiben ausgesetzt.

Indonesiens Regierung und Börsenaufsicht reagieren

Die indonesischen Behörden wollen auf die Bedenken reagieren. Die Finanzaufsicht OJK erklärte am Freitag, sie respektiere die unabhängige Bewertung von MSCI und werde weitere Maßnahmen zur Stärkung der Marktintegrität verfolgen.

Die OJK-Vorsitzende Friderica Widyasari Dewi verwies zugleich auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Landes und die weiterhin bestehende Attraktivität des heimischen Kapitalmarktes.

Auch die Börse Jakarta verteidigte ihre bisherigen Reformbemühungen. Börsenchef Jeffrey Hendrik kündigte laut Reuters an, weitere Erläuterungen zu den Beweggründen von MSCI einzuholen.

Wirtschaftsminister Airlangga Hartarto forderte, dass die Fortschritte bei den Reformen für nationale und internationale Investoren deutlicher erkennbar werden müssten. Regierungsvertreter wollten die Entwicklung gemeinsam mit der Finanzaufsicht, der Börse und der Zentralbank beraten.

Milliardenabflüsse bei einer Herabstufung möglich

Für internationale Investoren hätte ein Verlust des Schwellenländerstatus weitreichende Folgen. Viele börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs, orientieren sich an MSCI-Indizes. Werden indonesische Aktien aus diesen Indizes entfernt, müssten Fonds, die ihre Zusammensetzung entsprechend nachbilden, ihre Bestände anpassen.

Auch aktiv verwaltete Fonds könnten ihre Beteiligungen reduzieren, falls indonesische Aktien künftig nicht mehr zu ihrem maßgeblichen Vergleichsindex gehören.

Nach einer von Reuters veröffentlichten Schätzung der Schweizer Großbank UBS könnte eine tatsächliche Herausnahme Indonesiens aus internationalen MSCI-Indizes Kapitalabflüsse von rund vier Milliarden US-Dollar bei passiven Anlagen auslösen. Bei aktiv verwalteten Investments hält UBS weitere Abflüsse von etwa 15 Milliarden Dollar für möglich.

Diese insgesamt rund 19 Milliarden Dollar stellen allerdings eine Schätzung dar. Ob und in welchem Umfang Gelder tatsächlich abgezogen würden, hängt unter anderem von der endgültigen MSCI-Entscheidung und den Reaktionen der Fondsmanager ab.

Entscheidung über Indonesiens Börsenstatus fällt 2027

Die aktuellen Turbulenzen treffen einen Aktienmarkt, der bereits seit Jahresbeginn erheblich an Wert verloren hat. Nach Reuters-Angaben vom 16. Oktober belief sich das Minus des indonesischen Leitindex im bisherigen Jahresverlauf auf knapp 40 Prozent. Auch ausländische Investoren hatten zuvor bereits Milliardenbeträge aus dem Aktienmarkt abgezogen.

Die mögliche Herabstufung hätte damit Folgen, die weit über die Kursentwicklung eines einzelnen Handelstages hinausreichen. Indonesien ist die größte Volkswirtschaft Südostasiens. Eine Einstufung als Standalone Market könnte seine Position in internationalen Aktienportfolios grundlegend verändern.

MSCI hat angekündigt, die vorgeschlagene Neueinstufung weiterzuverfolgen, sofern die Konsultation keine eindeutigen Belege für wesentliche Verbesserungen bei der Regulierung und Funktionsfähigkeit des Marktes liefert. Bis zur endgültigen Entscheidung bleibt Indonesien formal als Schwellenland eingestuft.

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