
Munich Re setzt seinen milliardenschweren Aktienrückkauf fort. Der Rückversicherer startet am Freitag, 28. August 2026, die zweite Tranche seines laufenden Programms. Dafür können bis zu rund 1,45 Milliarden Euro eingesetzt werden. Parallel hält der DAX-Konzern nach einem starken ersten Halbjahr an seinem Gewinnziel für 2026 fest und baut mit einer Übernahme in den USA sein Geschäft mit Cyberversicherungen aus.
Der Vorstand hatte das gesamte Rückkaufprogramm bereits im Februar angekündigt. Munich Re will bis spätestens zur Hauptversammlung am 29. April 2027 eigene Aktien für maximal 2,25 Milliarden Euro erwerben und anschließend einziehen. Grundlage ist die Ermächtigung der Hauptversammlung vom 29. April 2026.
Am Donnerstag konkretisierte das Unternehmen den nächsten Abschnitt. Die zweite Tranche läuft vom 28. August 2026 bis spätestens 29. Januar 2027 und hat ein maximales Volumen von 1,4498 Milliarden Euro. Auf Basis des von Munich Re für den 26. August genannten Xetra-Schlusskurses von 515,80 Euro könnten damit rechnerisch bis zu 2.810.773 Aktien erworben werden. Das entspräche bis zu 2,2 Prozent des Grundkapitals. Die tatsächliche Zahl hängt von den Kursen ab, zu denen die Aktien erworben werden.
Die Käufe erfolgen über das Xetra-System der Deutschen Börse durch beauftragte Banken. Diese entscheiden nach Unternehmensangaben unabhängig über den Zeitpunkt der einzelnen Transaktionen.
An der Börse zeigte sich die Munich-Re-Aktie Ende August vergleichsweise wenig bewegt. Der Xetra-Schlusskurs am Donnerstag, 27. August, lag bei 514,40 Euro. Damit gab die Aktie gegenüber dem vorherigen Handelstag um 0,27 Prozent nach.
Am Freitagvormittag lag der Kurs auf Tradegate gegen 10.02 Uhr bei rund 513,80 Euro. Gegenüber dem dortigen Vergleichswert entsprach dies einem Minus von rund 0,1 Prozent. Seit Jahresbeginn lag die Aktie zu diesem Zeitpunkt rund 8,5 Prozent im Minus. Kursangaben unterscheiden sich je nach Handelsplatz und Zeitpunkt.
Der Aktienrückkauf ist damit nicht mit einer unmittelbaren Kursprognose gleichzusetzen. Er verringert nach dem vorgesehenen Einzug der erworbenen Papiere die Zahl der ausstehenden Aktien. Munich Re hatte für das Geschäftsjahr 2025 zudem eine Dividende von 24 Euro je Aktie vorgeschlagen, nachdem der Konzern im Vorjahr ein Rekordergebnis erzielt hatte.
Operativ startete Munich Re stark in das Jahr 2026. Das Konzernergebnis im zweiten Quartal lag bei 2,211 Milliarden Euro nach 2,085 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Im gesamten ersten Halbjahr lag der Gewinn bei 3,925 Milliarden Euro nach 3,178 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.
Eine wichtige Rolle spielten die niedrige Belastung durch Großschäden in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung sowie das Kapitalanlageergebnis. Die Belastung aus Großschäden lag im zweiten Quartal bei 191 Millionen Euro und damit deutlich unter dem von Munich Re einkalkulierten Niveau. Die Schaden-Kosten-Quote in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung lag bei 68,9 Prozent.
Das Kapitalanlageergebnis stieg im zweiten Quartal auf 3,159 Milliarden Euro nach 2,187 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Die Rendite auf den durchschnittlichen Marktwert des Portfolios lag bei 5,5 Prozent. Auch die Erstversicherungstochter ERGO steuerte einen höheren Gewinn bei. Ihr Quartalsergebnis lag bei 321 Millionen Euro nach 251 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Munich Re hält trotz veränderter Marktbedingungen am Gewinnziel für 2026 fest. Das Unternehmen erwartet weiterhin ein Konzernergebnis von 6,3 Milliarden Euro. Eine Garantie für das Erreichen dieser Prognose ist damit nicht verbunden.
Beim Versicherungsumsatz korrigierte der Konzern seine Erwartungen dagegen nach unten. Für die Rückversicherung werden nun 38 Milliarden Euro statt zuvor 40 Milliarden Euro erwartet. Der prognostizierte Versicherungsumsatz des gesamten Konzerns sank entsprechend von 64 Milliarden auf 62 Milliarden Euro.
Hintergrund ist unter anderem ein wettbewerbsintensiverer Rückversicherungsmarkt. Bei den Vertragserneuerungen zum 1. Juli sank das von Munich Re gezeichnete Geschäftsvolumen um 9,1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Das risikoadjustierte Preisniveau ging um 5,5 Prozent zurück. Das Unternehmen verzichtete nach eigenen Angaben auf Geschäfte, die seine Anforderungen an Preise oder Vertragsbedingungen nicht erfüllten.
Neben der Kapitalrückgabe an die Aktionäre investiert Munich Re in den Ausbau ihres Spezialversicherungsgeschäfts. Am 19. August gab der Konzern eine Vereinbarung zur Übernahme des US-Unternehmens At-Bay bekannt. Der vereinbarte Unternehmenswert liegt bei 575 Millionen US-Dollar.
At-Bay kombiniert Cyberversicherungen mit Dienstleistungen zur Vorbeugung und Begrenzung von Cyberrisiken. Das Unternehmen richtet sich vor allem an kleine und mittlere Firmen in den USA und beschäftigt rund 280 Menschen in den Vereinigten Staaten und Israel. Die Bruttobeitragseinnahmen lagen nach Angaben von Munich Re zum Jahresende 2025 bei 278 Millionen US-Dollar. Hinzu kamen 23 Millionen US-Dollar Gebühreneinnahmen aus Cyberdienstleistungen.
Nach Abschluss der Transaktion soll At-Bay von Hartford Steam Boiler, kurz HSB, gesteuert werden. HSB gehört zum Segment Global Specialty Insurance von Munich Re und arbeitet bereits seit der Gründung von At-Bay im Jahr 2017 mit dem Unternehmen zusammen. Die Übernahme ist noch nicht vollzogen. Sie steht unter anderem unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Munich Re rechnet mit einem Abschluss im ersten Quartal 2027.
Damit treffen bei Munich Re Ende August zwei unterschiedliche Formen der Kapitalverwendung zusammen. Einerseits führt der Konzern mit dem milliardenschweren Rückkauf Kapital an die Aktionäre zurück. Andererseits investiert er mit At-Bay gezielt in ein Wachstumsfeld innerhalb der Spezialversicherung. Grundlage dafür ist derzeit eine hohe Profitabilität: Nach sechs Monaten lag das Konzernergebnis bereits bei knapp 3,93 Milliarden Euro, während das Ziel für das Gesamtjahr weiterhin bei 6,3 Milliarden Euro liegt.
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