
Der norwegische Wasserstoffkonzern Nel ASA hat im dritten Quartal 2026 deutlich mehr neue Aufträge gewonnen, zugleich aber einen erheblichen Umsatzrückgang und steigende Verluste verzeichnet. Die Quartalszahlen von Nel ASA zeigen damit ein uneinheitliches Bild. Auch die angekündigte Zusammenarbeit mit dem deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall hat bislang keinen verbindlichen Lieferauftrag hervorgebracht. An der Börse folgte auf zwischenzeitliche Kursgewinne wieder ein Rückgang.
Nel ASA verzeichnete zwischen Juli und September 2026 einen Auftragseingang von 253 Millionen norwegischen Kronen. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es lediglich 57 Millionen Kronen gewesen. Das entspricht einem Anstieg um 339 Prozent.
Gleichzeitig gingen die Umsatzerlöse aus Kundenverträgen um 63 Prozent von 303 auf 112 Millionen Kronen zurück. Die gesamten Erträge einschließlich weiterer Einnahmen erreichten 138 Millionen Kronen, nach 349 Millionen Kronen ein Jahr zuvor.
Auch die Verluste erhöhten sich. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verschlechterte sich von minus 37 auf minus 93 Millionen Kronen. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 141 Millionen Kronen, verglichen mit 85 Millionen Kronen im Vorjahresquartal.
Der Auftragsbestand entwickelte sich dagegen positiv. Ende September belief er sich auf 1,314 Milliarden Kronen und lag damit 34 Prozent über dem Vorjahreswert.
Hinter der unterschiedlichen Entwicklung stehen vor allem die beiden Geschäftsbereiche des Unternehmens. Besonders stark entwickelte sich die PEM-Elektrolyse. Diese Technologie ermöglicht die Herstellung von Wasserstoff durch die Aufspaltung von Wasser mithilfe elektrischer Energie.
Im PEM-Segment erhöhte sich der Umsatz um 65 Prozent auf 89 Millionen Kronen. Der Auftragseingang stieg um 473 Prozent auf 245 Millionen Kronen. Damit entfielen rund 97 Prozent des gesamten Auftragseingangs auf diesen Bereich.
Deutlich schwächer verlief das Geschäft mit alkalischen Elektrolyseuren. Hier sank der Umsatz um 91 Prozent auf nur noch 23 Millionen Kronen. Nel arbeitet gleichzeitig an einer neuen Generation druckbetriebener alkalischer Elektrolyseure und an einer geplanten Produktionslinie mit einer Jahreskapazität von einem Gigawatt am Standort Herøya in Norwegen.
Neue Geschäftsmöglichkeiten verspricht sich Nel auch von einer am 13. Oktober 2026 angekündigten Vereinbarung mit Rheinmetall. Beide Unternehmen unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Prüfung gemeinsamer Projekte für die dezentrale Herstellung synthetischer Kraftstoffe.
Dabei soll Nel seine Elektrolyse-Technologie zur Erzeugung von Wasserstoff einbringen. Rheinmetall steuert sein Konzept Giga PtX sowie Kompetenzen bei der technischen Integration entsprechender Anlagen bei.
Ziel ist es, synthetische Kraftstoffe möglichst nahe an ihrem späteren Einsatzort herzustellen. Solche Anlagen könnten unter anderem für militärische Einrichtungen und kritische Infrastruktur eingesetzt werden. Norwegen steht zunächst im Mittelpunkt der Zusammenarbeit, weitere Märkte sind nicht ausgeschlossen.
Die Vereinbarung befindet sich allerdings noch in einer frühen Phase. Ein verbindliches Auftragsvolumen, konkrete Liefermengen oder ein Termin für den Aufbau gemeinsamer Produktionsanlagen wurden nicht bekannt gegeben. Die Zusammenarbeit ist deshalb nicht mit einem bereits gesicherten Großauftrag gleichzusetzen.
Unabhängig davon meldete Nel am 13. Oktober einen weiteren Auftrag eines US-amerikanischen Technologiekunden im Wert von rund zwölf Millionen US-Dollar. Die bestellten PEM-Systeme sollen voraussichtlich 2027 geliefert werden.
An der Börse hatte sich die Nel-Aktie nach den Unternehmensmeldungen zunächst erholt. An der Börse Stuttgart wurde am 14. Oktober ein Schlusskurs von rund 0,21 Euro verzeichnet. Am 15. Oktober, dem Tag der Veröffentlichung der Quartalszahlen, lag der Schlusskurs dagegen bei rund 0,19 Euro.
Am Mittwoch, 21. Oktober 2026, notierte die Aktie nach Angaben von wallstreetONLINE um 16:23 Uhr im Tradegate-Handel bei 0,1948 Euro. Gegenüber dem vorherigen Handelstag entsprach dies einem Plus von 1,46 Prozent.
Damit blieb der Kurs zwar deutlich unter dem zwischenzeitlich erreichten Niveau, lag am Mittwochnachmittag aber im Tagesplus. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen einzelnen Unternehmensmeldungen und den Kursbewegungen lässt sich nicht eindeutig nachweisen.
Für die kommenden Quartale setzt Nel vor allem auf eine stärkere Nachfrage nach PEM-Systemen, neue Elektrolyse-Technologien und zusätzliche Industriepartnerschaften. Das Unternehmen sieht mehrere Projekte potenzieller Kunden auf dem Weg zu endgültigen Investitionsentscheidungen.
Vorstandschef Håkon Volldal verwies bei der Vorstellung der Quartalszahlen auf Fortschritte bei der Projektabwicklung und der Wettbewerbsfähigkeit der angebotenen Systeme.
Eine konkrete Prognose, wann der gesamte Konzern dauerhaft profitabel arbeiten wird, nannte Nel nicht. Die Unternehmensführung geht davon aus, dass hierfür ein deutlich stärker wachsender Wasserstoffmarkt notwendig ist.
Finanziell verfügt das Unternehmen weiterhin über Reserven. Ende September beliefen sich die liquiden Mittel auf 1,078 Milliarden norwegische Kronen. Ein Jahr zuvor waren es allerdings noch 1,757 Milliarden Kronen gewesen.
Entscheidend für die weitere Geschäftsentwicklung wird sein, in welchem Umfang neue Aufträge tatsächlich in Umsatz umgesetzt werden und ob Nel seine Verluste bei steigender Auslastung verringern kann.
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