Nemetschek wächst kräftig, doch Quartalszahlen belasten die Aktie

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Münchner Softwarekonzern Nemetschek hat im dritten Quartal 2026 seinen Umsatz deutlich gesteigert. Die Übernahme des US-Unternehmens HCSS sorgte für zusätzliches Wachstum, während das Geschäft ohne Zukäufe hinter den Erwartungen von Analysten zurückblieb. Auch der ausgewiesene Gewinn je Aktie ging zurück. An der Börse reagierten Anleger am Donnerstag, 5. November 2026, mit Kursverlusten. Trotz der unterschiedlichen Entwicklungen hält Nemetschek an seiner Jahresprognose fest.

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Nemetschek steigert Quartalsumsatz um 26,6 Prozent

Die Nemetschek Quartalszahlen für den Zeitraum Juli bis September 2026 weisen einen Konzernumsatz von 371,1 Millionen Euro aus. Im entsprechenden Vorjahresquartal waren es 293,1 Millionen Euro gewesen. Damit stiegen die Erlöse um 26,6 Prozent. Währungsbereinigt lag das Wachstum bei 25,9 Prozent.

Ein wesentlicher Teil des Anstiegs geht auf die Übernahme des amerikanischen Softwareunternehmens HCSS zurück, dessen Ergebnisse seit dem 1. Juli 2026 in die Konzernbilanz einfließen. Ohne diesen Zukauf erreichte Nemetschek einen Quartalsumsatz von 333,3 Millionen Euro. Das organische Wachstum lag damit bei 13,7 Prozent beziehungsweise 12,5 Prozent unter Berücksichtigung von Währungseffekten.

Gerade die letztgenannte Kennzahl blieb hinter den Erwartungen zurück. Der von der US-Bank J.P. Morgan angeführte Analystenkonsens hatte ein währungsbereinigtes organisches Wachstum von 13,6 Prozent vorgesehen. Gegenüber dem zweiten Quartal, in dem die entsprechende Wachstumsrate bei 14,5 Prozent gelegen hatte, verlangsamte sich die Entwicklung ebenfalls.

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Operatives Ergebnis steigt, Gewinn je Aktie sinkt

Beim operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, dem EBITDA, meldete Nemetschek einen Anstieg um 21,8 Prozent auf 115,9 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal waren 95,2 Millionen Euro erreicht worden. Die ausgewiesene EBITDA-Marge sank allerdings von 32,5 auf 31,2 Prozent.

Ohne die Ergebnisbeiträge und Belastungen aus der HCSS-Übernahme sowie bestimmte Übernahmekosten erreichte die organische EBITDA-Marge 34,8 Prozent. Damit verbesserte sie sich gegenüber dem Vorjahreswert um 2,3 Prozentpunkte.

Beim Ergebnis nach Steuern ergibt sich ein anderes Bild. Der auf die Anteilseigner entfallende Quartalsüberschuss verringerte sich um 15,7 Prozent auf 46,6 Millionen Euro. Das ausgewiesene Ergebnis je Aktie sank entsprechend von 0,48 auf 0,40 Euro.

Nemetschek führt diese Entwicklung insbesondere auf höhere Abschreibungen im Zusammenhang mit der Übernahme, gestiegene Finanzierungskosten und Minderheitenanteile zurück. Das um Effekte der Kaufpreisallokation und bestimmte Umsatzanpassungen bereinigte Ergebnis je Aktie stieg dagegen um 20 Prozent auf 0,66 Euro. Das operative Wachstum führte somit nicht im gleichen Umfang zu einem höheren ausgewiesenen Gewinn für die Aktionäre.

HCSS-Übernahme verändert die Geschäftsentwicklung

Mit HCSS hat Nemetschek sein Geschäft im Bereich digitaler Lösungen für Bauunternehmen erweitert. Der amerikanische Softwareanbieter ist insbesondere im Infrastruktur- und Tiefbau tätig. Durch die Akquisition stärkt der Konzern seine Position auf dem nordamerikanischen Markt.

Die Übernahme beeinflusst allerdings auch die Rechnungslegung. Bei der erstmaligen Bilanzierung wurde der Umsatzbeitrag von HCSS im dritten Quartal durch eine Anpassung bereits abgegrenzter Umsatzerlöse um rund 15 Millionen Euro reduziert. Dieser Effekt entsteht im Rahmen der Kaufpreisallokation nach internationalen Rechnungslegungsstandards.

Hinzu kamen einmalige Übernahmekosten im mittleren einstelligen Millionen-Euro-Bereich sowie laufende Integrationsaufwendungen. Für das gesamte zweite Halbjahr rechnet Nemetschek mit einer umsatzmindernden Anpassung im mittleren bis hohen Zwanzig-Millionen-Euro-Bereich. Die zugrunde liegenden Berechnungen sind nach Unternehmensangaben noch nicht vollständig abgeschlossen.

Vorstandschef Yves Padrines bezeichnete die Entwicklung des Konzerns als Ausdruck eines widerstandsfähigen Geschäftsmodells. Die Integration von HCSS verlaufe planmäßig. Zugleich verwies er auf Fortschritte bei neuen Softwareprodukten mit Funktionen auf Basis künstlicher Intelligenz.

Bausoftware wächst deutlich stärker als das Mediengeschäft

Zwischen den vier Geschäftssegmenten von Nemetschek zeigen sich erhebliche Unterschiede. Besonders stark entwickelte sich der Bereich Build, der Software für die Bauausführung umfasst. Sein Umsatz stieg einschließlich HCSS um 56,6 Prozent auf 190,8 Millionen Euro. Ohne die Übernahme lag das organische Wachstum bei 25,6 Prozent, währungsbereinigt bei 23,6 Prozent.

Im Segment Design, das unter anderem digitale Planungswerkzeuge für Architekten und Ingenieure umfasst, erhöhten sich die Erlöse um 7,2 Prozent auf 138,5 Millionen Euro. Währungsbereinigt lag das Plus bei 6,5 Prozent. Die EBITDA-Marge sank von 28,1 auf 26,2 Prozent.

Wesentlich schwächer fiel die Entwicklung in den beiden kleineren Bereichen aus. Das Segment Manage erwirtschaftete 13,0 Millionen Euro Umsatz und damit 4,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Segment Media gingen die Erlöse dagegen um 2,7 Prozent auf 29,5 Millionen Euro zurück.

Im Mediengeschäft verwies Nemetschek auf zurückhaltende Investitionen seiner Kunden, begrenzte Budgets und längere Entscheidungsprozesse. Die unterschiedlichen Wachstumsraten verdeutlichen, wie stark sich die Nachfrage zwischen Bauwirtschaft, Immobilienmanagement und Medienproduktion unterscheidet.

Software-Abonnements und wiederkehrende Umsätze legen zu

Unabhängig von der Übernahme schreitet bei Nemetschek die Umstellung auf abonnementbasierte Softwareangebote voran. Die Umsätze mit Subskriptionen und Software-as-a-Service, kurz SaaS, stiegen im dritten Quartal um 52,4 Prozent auf 321,9 Millionen Euro. Ohne HCSS lag der Zuwachs bei 29,7 Prozent.

Auch die jährlich wiederkehrenden Umsätze entwickelten sich positiv. Der sogenannte Annual Recurring Revenue, kurz ARR, erreichte 1,462 Milliarden Euro und lag damit 35,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Organisch erhöhte sich diese Kennzahl um 18 Prozent.

Die tatsächlich im Quartal verbuchten wiederkehrenden Umsätze beliefen sich auf 365,5 Millionen Euro. Sie umfassen neben Abonnement- und SaaS-Erlösen weitere wiederkehrende Einnahmen.

Der wachsende Anteil solcher Erlöse verändert die Umsatzstruktur des Unternehmens. Statt Software überwiegend über einmalige Lizenzverkäufe zu vertreiben, erzielt Nemetschek zunehmend regelmäßig anfallende Einnahmen aus laufenden Vertragsbeziehungen. Der Umsatz mit klassischen Softwarelizenzen sank im dritten Quartal entsprechend von 15,3 auf 9,2 Millionen Euro.

Nemetschek bestätigt Jahresprognose trotz Anpassungen

Für das Geschäftsjahr 2026 hält der Vorstand an seiner bisherigen Konzernprognose fest. Ohne die Auswirkungen der HCSS-Übernahme erwartet Nemetschek weiterhin ein währungsbereinigtes organisches Umsatzwachstum zwischen 14 und 15 Prozent. Die EBITDA-Marge soll zwischen 32 und 33 Prozent liegen.

Die Erstkonsolidierung von HCSS soll zusätzlich rund sechs Prozentpunkte zum währungsbereinigten Konzernumsatzwachstum beitragen. Gleichzeitig rechnet das Unternehmen damit, dass die Übernahme die EBITDA-Marge gegenüber dem Mittelwert der organischen Prognosespanne um etwa 1,5 Prozentpunkte verringert.

Innerhalb der einzelnen Geschäftsbereiche wurden die Erwartungen allerdings teilweise zurückgenommen. Für das Segment Manage wird nur noch ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet. Zuvor war ein niedriges zweistelliges Wachstum vorgesehen. Im Segment Media rechnet Nemetschek inzwischen mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau statt mit dem bislang erwarteten mittleren einstelligen Zuwachs.

Die Prognosen für die Bereiche Design und Build bleiben dagegen unverändert. Auch die schwächeren Aussichten der beiden kleineren Segmente ändern nach Angaben des Vorstands nichts an den Konzernzielen.

Nemetschek-Aktie verliert nach Veröffentlichung der Zahlen

An der Börse geriet die Nemetschek-Aktie am Donnerstag unter Druck. Laut der Kursübersicht der Volksbank Neckar Odenwald Main Tauber notierte das Papier am 5. November 2026 um 12:17 Uhr bei 71,40 Euro. Das entsprach einem Rückgang um 5,68 Prozent gegenüber dem dort ausgewiesenen Vergleichskurs.

Analysten bewerteten die Ergebnisse differenziert. Während das organische Umsatzwachstum hinter dem genannten Marktkonsens zurückblieb, lagen andere Kennzahlen im Rahmen oder oberhalb der Erwartungen.

J.P. Morgan bestätigte nach Vorlage der Quartalszahlen die Einstufung „Overweight“ und das Kursziel von 110 Euro. Analyst Joseph George bewertete den Umsatz als erwartungsgemäß. Das EBITDA habe den Analystenkonsens dagegen um rund zwei Prozent übertroffen. Das Kursziel ist eine Einschätzung der Bank und keine Prognose eines tatsächlich zu erwartenden Börsenkurses.

Insgesamt erzielte Nemetschek in den ersten neun Monaten 2026 einen Umsatz von 1,012 Milliarden Euro und damit 16,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das EBITDA stieg um 18,4 Prozent auf 312,9 Millionen Euro. Für den weiteren Jahresverlauf setzt der Konzern auf sein bestehendes Softwaregeschäft, steigende wiederkehrende Einnahmen und die Integration von HCSS.

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