
Mehr als einen Monat nach der verheerenden Flutkatastrophe in Nepal suchen Einsatzkräfte weiter nach Tausenden Vermissten. Nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde sind inzwischen 1.451 Leichen geborgen worden. Mehr als 5.700 Menschen gelten weiterhin als vermisst. Zugleich steht das Himalaya-Land vor einem Wiederaufbau in Milliardenhöhe. Straßen, Brücken, Wohnhäuser und Wasserkraftwerke wurden in den besonders betroffenen Gebieten schwer beschädigt oder vollständig zerstört.
Die Katastrophe ereignete sich am Morgen des 26. August 2026. Nach Untersuchungen des International Centre for Integrated Mountain Development versagte an der Nordseite des Berges Langtang Lirung ein Hang. Ein Zusammenbruch von Felsgestein löste eine gewaltige Eis- und Gerölllawine aus. Innerhalb kurzer Zeit schoss eine Flutwelle durch das Tal des Bhote Koshi und weiter in das Flusssystem des Trishuli.
Die nepalesische Regierung hatte unmittelbar nach der Katastrophe zunächst lediglich von einer massiven Sturzflut gesprochen und darauf hingewiesen, dass deren Ursache noch nicht abschließend geklärt sei. Die späteren Analysen von Gebirgsexperten lieferten ein wesentlich genaueres Bild des Ausgangspunktes.
Besonders schwer getroffen wurden die Distrikte Rasuwa, Nuwakot und Dhading. Auch Gebiete weiter flussabwärts wurden beschädigt. Schon am ersten Tag waren Orte entlang der Flüsse von Straßenverbindungen abgeschnitten. Die Regierung nannte außerdem Gorkha als einen der betroffenen Distrikte.
Die Zahl der Vermissten ist weiterhin außergewöhnlich hoch. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde gab Ende September nach Angaben von Reuters 1.451 geborgene Tote und mehr als 5.700 Vermisste an. Unter den Vermissten befinden sich demnach auch Beschäftigte von Wasserkraftprojekten sowie ausländische Reisende.
Die Vereinten Nationen nannten am 26. September ebenfalls 1.451 Todesopfer, sprachen allerdings von mehr als 5.000 weiterhin Vermissten. Die Differenz erklärt sich durch die laufende Überprüfung der Meldungen und Suchlisten. Bereits zuvor hatte die nepalesische Regierung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die Zahlen während der Suche und Identifizierung fortlaufend verändern können.
Eine zusätzliche Schwierigkeit ist die Identifizierung der geborgenen Toten. Nepal setzt dabei auf DNA-Abgleiche. Forensische Teams aus mehreren Ländern, darunter Indien, China, Japan, Singapur und Südkorea, unterstützten die nepalesischen Behörden.
Das Ausmaß der Schäden geht weit über zerstörte Wohnhäuser hinaus. Eine erste staatliche Schadensanalyse erfasste rund 7.570 betroffene Häuser und etwa 32.933 unmittelbar betroffene Menschen. Hinzu kamen 48 beschädigte Regierungsgebäude.
Nach Angaben der Regierung wurden zudem rund 55 Kilometer Straßen, 37 für Fahrzeuge befahrbare Brücken und 68 Hängebrücken beschädigt. Rund 1.806 Hektar landwirtschaftliche Fläche waren betroffen. Die Zahlen beziehen sich auf die erste umfassende Schadensaufnahme und können sich mit weiteren Untersuchungen noch verändern.
In mehreren Regionen waren Straßenverbindungen zeitweise vollständig unterbrochen. Die Armee und zivile Bautrupps errichteten deshalb Behelfsbrücken und räumten verschüttete Straßen frei. Eine provisorische Brücke über den Tadi bei Devighat konnte Anfang September wieder für den Verkehr geöffnet werden.
Die Flut traf einen für Nepal zentralen Wirtschaftszweig. Insgesamt wurden nach der vorläufigen Regierungsbilanz 13 Wasserkraftprojekte beschädigt. Hinzu kamen ein Solarkraftwerk sowie zwei Übertragungsleitungen. Anlagen mit insgesamt etwa 783 Megawatt Erzeugungsleistung waren betroffen.
An mehreren Wasserkraftwerken wurden Arbeiter in unterirdischen Stollen vermisst. Internationale Rettungsteams unterstützten dort die nepalesische Armee mit Spezialgerät. Nach Angaben der Regierung waren unter anderem Projekte bei Mailung Khola, Upper Trishuli 1, Upper Trishuli 3A, Upper Trishuli 3B, Chilime und Rasuwagadhi von den Suchaktionen betroffen.
Die Arbeiten in den verschütteten Tunnelanlagen gelten als besonders schwierig. Geröll, Schlamm, Baumstämme und zerstörte Gebäudeteile versperren vielerorts den Zugang. Wochen nach der Katastrophe liefen deshalb weiter Bohrungen, kontrollierte Sprengungen und Räumarbeiten.
Die nepalesische Regierung bezifferte die direkten Sachschäden in einer ersten umfassenden Analyse auf rund 1,8 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommen wirtschaftliche Verluste von etwa 883 Millionen Dollar. Für Wiederaufbau und Wiederherstellung werden rund 4,78 Milliarden Dollar veranschlagt.
Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass Schäden und wirtschaftliche Verluste zusammengenommen einer Größenordnung von etwa vier bis fünf Prozent des nepalesischen Bruttoinlandsprodukts entsprechen. Neben Wohnraum und Verkehrswegen sind Handel, Tourismus und die Energieversorgung betroffen.
Nepal erhält bei Suche, Bergung und Versorgung Unterstützung aus zahlreichen Staaten. Rettungs- und Tunnelspezialisten aus Indien, China und Südkorea arbeiteten gemeinsam mit der nepalesischen Armee. Weitere Suchteams kamen unter anderem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Malaysia und Australien.
Nepal erhielt nach Regierungsangaben außerdem Hilfsgüter und Unterstützung unter anderem aus Indien, China, Japan, den USA, Deutschland, Großbritannien, Australien, Kanada sowie von der Europäischen Union, den Vereinten Nationen, der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank.
Die Vereinten Nationen und ihre Partner starteten Anfang September einen internationalen Hilfsaufruf über 49,6 Millionen US-Dollar. Mit dem Geld sollen mehr als 84.000 Menschen erreicht werden. Im Mittelpunkt stehen Unterkunft, Versorgung, Gesundheitsleistungen und Unterstützung für Gemeinden, die vor dem Winter von ihren bisherigen Verkehrswegen abgeschnitten wurden.
Mehr als vier Wochen nach der Flut konzentrieren sich die Arbeiten zunehmend auf die Wiederherstellung von Straßen, Brücken und Grundversorgung. Zugleich geht die Suche nach Vermissten weiter. Gerade in schwer zugänglichen Flusstälern und den verschütteten Anlagen der Wasserkraftwerke ist noch nicht geklärt, was mit Tausenden Menschen geschehen ist.
Für Nepal bedeutet die Katastrophe damit nicht nur eine humanitäre Krise. Sie trifft zugleich Verkehrswege, Energieproduktion, Landwirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes, dessen Gebirgsregionen besonders schwer erreichbar sind und dessen Wiederaufbau bereits nach früheren Naturkatastrophen enorme Ressourcen gebunden hat.






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